Was am ersten Advent so geschieht
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Die Auferweckung
Au! Unsanft werde ich aus meinem Schlaf gerüttelt, ja, es wirft mich regelrecht hin und her in meinem Bett. Wenn nicht alles so weich gepolstert wäre, hätte ich mir bestimmt etwas gebrochen. Und diese Rüttelei will kein Ende nehmen … Aua! Da habe ich mir doch richtig wehgetan, bin mit dem Ellenbogen an die Wand gestoßen! Aber im Moment liege ich wenigstens wieder ruhig.
Zu früh gefreut. Gleißende Helligkeit um mich herum – und ich kann die Augen nicht schließen. Außerdem wird mir gerade mein Bettzeug weggenommen. Hoffentlich bleibt es wenigsten so angenehm warm. Recht sanfte Hände stellen mich auf die Beine, starr und steif stehe ich jetzt auf dem Fußboden herum. Langsam gewöhnen sich meine Augen an die Helligkeit. Ich erkenne schemenhaft, daß sich Menschen hier im Zimmer bewegen.
Plötzlich werde ich unsanft gepackt und emporgehoben. Ein unheimlicher Schmerz durchzuckt mich, als hätte mir jemand meine Beine mit dem ganzen Unterleib abgetrennt. Ich bin einer Ohnmacht nahe. Die Sicht ist mir wieder genommen durch irgendetwas, das sich über meine Augen, über meinen ganzen Kopf gelegt hat. Wieder habe ich dieses schwankende Gefühl, die ganze Welt scheint sich in alle Richtungen um mich zu drehen.
Dann ist der Spuk vorbei, schlagartig. Der Schmerz ist weg, meine Beine spüre ich wieder. Es ist auch nicht mehr ganz so hell. Neben mir steht ein Engel, glaube ich. Sie ist so schön, so blond, ihr weißes Kleid schimmert im Licht der Kerzen, die sie in den Händen hält. Und mir wird ganz warm in Bauch … Aber halt mal, das Gefühl kenn ich doch? Ja, genau, und auch den Geruch kenne ich, der mir unter meiner Nase antlangstreicht.
Dann muß heute ja – genau, erster Advent muß heute sein. Und meine Menschen haben mich in ihre Wohnstube geholt, haben mich aus meiner Schachtel befreit. Jetzt habe ich ganz sicher ein Crottendorfer Räucherkerzchen im Bauch, eines mit dem originalen Weihrauchduft, wie er seit 1750 schon in Crottendorf gefertigt und seitdem nur noch verfeinert wurde. Ach, wie gut das tut! Und wie schön das ist! Ob meine Vorfahren, die ersten Räuchermännchen, die um 1830 hier im Erzgebirge erstmals das Licht der weihnachtlichen Welt erblickten, sich auch so fühlten?
Wißt ihr was, ich räuchere jetzt erstmal in aller Ruhe vor mich hin. Wir sehen uns in nächster Zeit ja häufiger.
Erweitert um ein Lied und dessen Text u.v.m. wird “Die Auferweckung” auch im Adventskalender von “Germanys next Kabinettsküche” veröffentlicht.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 30. November 2013 waren as Aufhängen des Herrnhuter Adventssterns und das Aufstellen der Schwibbögen. Ja, und mit dem “Kauf-nix”-Tag wurde leide nix, weil ich bei meinem Wischkommunikatorendealer mein Mop-Phone abholen mußte …
© 2013 – Der Emil. Text & Bild stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).
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Grüß dich Emil, danke fürs teilhaben lassen.
So schön!!!!
Ich mag sie auch die Räuchermännchen,
aber meines ist leider kaputt…
Wünsche dir Emil, alles das was du dir für diese Zeit der Vorweihnacht und Weihnacht wünschst.
Segen sei in deinem Haus.
M.M.
Wunderbarer Text!
Ich habe bis zum letzten Absatz vor mich hin gegrübelt.
Sehr amüsant zu lesen, danke Dir und ebenfalls einen schönen 1.Advent 😀
Vor Dich hin gegrübelt? Aber wieso denn das? 😉
Mir war nicht ganz klar, was der Text bedeutet, bis ich am letzten Absatz ankam. 😉
So ging’s mir auch, lieber Charly Schwarzer. So soll es aber wohl auch sein.
Einen besinnlichen 1. Advent für Dich.
Amelie
Das ist wie immer schön geschrieben. Ich wünsche dir einen schönen 1.Advent.
LG
Hach, der gleiche steht hier, allerdings im roten Mäntelchen mit Crottendorfern im Bauch.
Hab einen schönen 1. Advent.
Tschüssi Brigitte
Da hast du uns aber mächtig hinters Licht geführt :-)))
Neben, Anna-Lena, nebens Licht 😉
Dir auch einen schönen ersten Adventssonntag, lieber Emil. Danke für den Text, das Lied und die Übersetzung. Bei uns stehen ja Spekulatius und Kakao mit Schuss für Dich auf dem Kabinettsküchentisch.
Und das mit dem Kauf-Nix-Tag sollte man auch nicht zu eng sehen. Du hast ja selbst mit Deinem Handy nix überflüssiges gekauft. Und was zu Essen sollte man ja auch kaufen dürfen. Dafür hast Du an anderen Tagen im Jahr genügend Kauf-Nix-Tage. Vor allem geht es ja um das viele Überflüssige, was wir jetzt kaufen.
Bestimmt, lieber Emil, die ersten Räuchermännchen fühlten sich genau so. Und jetzt ist wieder ihre Zeit. Weißt doch, wenn es Rachermannl naabelt is es undn in dr Stub.
Adventsgrüße von der Gudrun von nebenan
Ja, das Lied hab ich in der Kabinettsküche dazugetan. 😉
Lieber Emil, das war ja ein Erlebnis der besonderen Art, lach.
Räuchermännchen hat es hier nicht so sehr.
Räucherstäbhen und Duftkerzen hab ich immer so geliebt. Leider vertrage ich die mit meinen Bronchien nicht mehr. .-(