Nicht auffallen, nicht hinsehen.
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Weitergehen. Einfach weitergehen. Nicht hinsehen, nicht direkt hinsehen jetzt! Bloß nichts tun, was Aufmerksamkeit erregen könnte. Nein, ich darf auch nicht schneller gehen als bisher. Egal, wieviel Angst mir das alles hier macht. Weitergehen. Und nochmal hier stehenbleiben, Interesse für ganz anderes Vortäuschen. Nur nicht zu lange, gleich wieder im Durchschnitt, in der Masse verschwinden.
Das wird das erste und letzte Mal sein, daß ich mir diesen Streß antue. Schon nach zwanzig Minuten war ich völlig durchgeschwitzt. Der Puls rast, meinen Herzschlag spüre ich im Hals, in den Beinen und in den Fingerspitzen. Gleich bin ich bei einer der Kameras. Hoffentlich schaffe ich es, nicht genau hineinzusehen.
Jetzt mit denen da, ja, die haben Kinder dabei, das lenkt gut von mir ab, jetzt mit denen gemeinsam durch die Sicherheitsschleuse. Dacht ich’s mir doch, daß eines von den Kindern zu quengeln anfängt. Gut so. Das lenkt von mir ab. Gleich, gleich habe ich es geschafft. Hoffentlich bekomme ich auf den letzten Schritten nicht noch diese roten Hektikflecken im Gesicht.
Weitergehen, noch ein paar Meter. Nach hinten, zum Personaleingang. Und gleich hinauf in den zweiten Stock zum Personalbüro. Dort stelle ich die Skiausrüstung ab. Ich kündige am zweiten Arbeitstag. Beim Jobcenter wird das Ärger geben. Aber unter “Mitarbeiter Sicherheitsdienst im Handel” hatte ich mir etwas anderes vorgestellt, als gegen Bezahlung klauen zu gehen.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 18. November 2013 war die fertige Hose.
© 2013 – Der Emil. Der Text steht unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).
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immerhin weisst du jetzt, dass du nicht das zeug zum dieb hast 😉
Ich hab als Student gelernt, daß ich es kann: Klauen. Am besten, wenn ich mit dem Personal im Gespräch bin.
Heute möcht ich es nicht mehr tun. (Anlaß für den Text: Einem Bekannten wurde ein entsprechender Job angeboten.)
Dazu muss man, glaube ich, auch geboren sein. Das würde ich nie hinbekommen!
Wenn die Not groß genug ist, wächst die Frechheit, die Skrupellosigkeit aber nicht. Wenn die Not groß genug ist, kann jeder nehmen, was nötig ist.
Tatsächlich? Solche Jobs gibt es?
Das glaube ich auch, wenn man in großer Not ist, wenn es um die Existenz oder ums Verhungern geht, dass da jeder klauen kann. Bin froh, noch nie in solch einer Situation gewesen zu sein.
LG Gabi