Fünf mutige Männer (Nº 313)


Tag der unautorisierten Bekanntgabe und Handlung

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Dieser neunte November ist schon ein seltsames Datum, nicht wahr?

Vor 95 Jahren

1918 begann es. Ohne sich mit dem Staatsoberhaupt abgesprochen zu haben, ja sogar ohne daß das Verkündete überhaupt wahr war (!?), gab Reichskanzler Wilhelm von Baden die Abdankung des Deutschen Kaisers Wilhelm II. bekannt. Reichskanzler von Baden beauftragte Friedrich Ebert mit den Geschäften der Staatsführung. Phillip Scheidemann ruft daraufhin um zwei Uhr nachmittags vom Berliner Reichstagsgebäude die “Deutsche Republik” aus; um 16 Uhr proklamiert vom Berliner Stadtschloß aus Karl Liebknecht die “Deutsche Räterepublik”.

Vor 24 Jahren

1989 saß ein Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (diese Partei hieß wirklich immer “Deutschlands”, nicht “der DDR”), Günter Schabowski, in einer Pressekonferenz. Und auch er sprach, trotz des ihm gegebenen Hinweises auf die Sperrfrist bis zum 10.11.1989 um 4.00 Uhr morgens, viel zu früh und damit unautorisiert über die Regelungen eines neuen Gesetzes. Er “öffnete” damit die Staatsgrenze der DDR zur BRD und zu Berlin (West) acht Stunden zu früh.

Noch ein (namentlich bekannter) Mann war mutig an diesem 9. November 1989: Oberstleutnant Harald Jäger, Angehöriger der Grenztruppen der DDR, Leiter des Grenzüberganges der DDR zu Berlin (West) in der Bornholmer Straße in Berlin. Er war der erste, der – ohne einen Befehl dazu zu haben, sogar gegen den Befehl, die Grenze geschlossen zu halten bis vier Uhr morgens – einen Grenzübergang vollständig öffnete. OSL Jäger ging diesen Schritt um halb zwölf nachts, stellte auch die Paßkontrollen ein. Er und alle an diesem Grenzübergang und an anderen Grenzübergängen im Dienst befindlichen Soldaten, Unteroffiziere, Fähnriche und Offiziere entschärften damit die Situation der vielen (in der Bornholmer etwa Tausend) vor ihrer GÜSt wartenden, drängelnden DDR-Bürger, so daß niemand verletzt wurde und niemand, auch keiner der Grenzer, Schaden nahm.

 

Fünf mutige (?) Männer, die am 9. November handelten. Ihrer sollte auch gedacht werden.

Keine Sorge, die sogenannte “Reichskristallnacht” ist bei mir nicht vergessen. Aber es geschah eben auch anderes an einem 9. November …

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 8. November 2013 waren der wieder einigermaßen funktionierende Reader von WP, diese fünfeinhalb Liter Linseneintopf, die ich gekocht habe, und eine kleine Spinnerei.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Fünf mutige Männer (Nº 313)

  1. „um 16 Uhr proklamiert vom Berliner Stadtschloß aus Karl Liebknecht die “Deutsche Räterepublik”. “ … und dieses Tor haben sie doch beim Staatsratsgebäude eingebaut.

  2. leonieloewin sagt:

    Und vor 24 Jahren – für mich miterlebte Geschichte – danke fürs Erinnern.

  3. nextkabinett sagt:

    Hat dies auf Germanys next Kabinettsküche rebloggt und kommentierte:
     
    Danke für’s Erinnern, lieber Emil. Noch ein paar Ereignisse des Tages:

    1967: Bei der feierlichen Amtseinführung des neuen Rektors der Hamburger Universität entfalten Studenten ein Transparent mit dem Spruch: Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren, der zum Symbol der 68er-Bewegung werden wird.

    1969: Die linksradikale Organisation Tupamaros West-Berlin platziert eine Bombe im Jüdischen Gemeindehaus in Berlin. Die Bombe explodiert jedoch nicht.

    1974: Nach 58 Tagen Hungerstreik stirbt RAF-Mitglied Holger Meins in der Justizvollzugsanstalt Wittlich.

    1977: Mitglieder der Bewegung 2. Juni unter der Führung von Thomas Gratt entführen in Wien den Industriellen Walter Palmers, Leiter der Palmers Textil AG, um Geld für die Stadtguerilla zu beschaffen.

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