Unerwarteter Anblick (Nº 285)

Altersfreigabe: Ab 18 Jahre.

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Gestern um die Mittagsstunde in einem Supermarkt, nein, in der Einkaufspassage vor einem Supermarkt geschehen (jaaaaaa, typisch Kerl). Aber ich muß das jetzt loswerden:

 

Ich hatte es ziemlich eilig und war für meine Begriffe auch ziemlich schnell unterwegs. Jemand vor mir zog meinen Blick plötzlich an. Unter einem offen getragenen, kurzen, schwarzen Mantel mit Kapuze setzte ein Paar sehr wohlgeformter Beine die Springerstiefel tatsächlich richtig elegant auf den Boden. Wow. Eine schwarze Leggins – oder eine blickdichte Strumpfhose? – betonte die klassische Form von Unterschenkel und Knie, ohne einen Hauch vulgär zu wirken. Die über die linke Schulter gehängte, mittelgroße schwarze Handtasche wurde von einer Hand mit rot lackierten Nägeln gehalten. Tolle Frau, dachte ich und pfiff ihr in meiner Phantasie nach. Als ich gerade zum Überholen ansetzte, wurde sie von einem ihr entgegenkommenden Mann begrüßt und blieb stehen.

Weil ich neugierig war auf diese Frau, hielt ich auch an, nahm das Rauchzeug aus der Tasche und drehte mir eine Zigarette. Währenddessen sah ich sie mir aus anderthalb Metern Entfernung genauer und von vorn an. Ein Pailletten-Minirock war hochgerutscht (wenn das nicht nur ein etwas breiterer Gürtel war) und ließ durch die schwarze, enganliegende Beinbekleidung nicht nur die Beine, sondern auch – wie nenn ich das jetzt, ohne vulgär zu werden – auch andere, nicht immer sichtbare anatomische Merkmale des weiblichen Körpers überdeutlich sich abzeichnen. Auch der dort befestigte Schmuck war durch die “Hose” hindurch sehr leicht als KVH- oder Triangel-Ring größeren Durchmessers mit großem Stein oder großer Kugel zu identifizieren. Ich wurde, glaube ich, puterrot im Gesicht, und dann fiel mir der Tabak aus der Hand.

Wenn das nicht schon in diesem Moment geschehen wäre, dann hätten mich meine Kräfte spätestens beim Blick ins Gesicht verlassen. Vor mir stand eine Frau, die als Mode-Model arbeiten könnte (Größe 36, meine ich) und beinahe auch so gekleidet war … Und diese Frau war, wenn überhaupt, dann nur sehr, sehr dezent geschminkt und mit Sicherheit um einiges älter als ich.

Das paßte nicht zusammen, dieses Outfit (mit dem wahrscheinlich doch nur aufgrund eines Mißgeschicks deutlich erkennbaren Piercing) und diese Person. Ich ging schnell weiter und mußte immerzu an meine Größmütter und meine Mutter denken und hatte daher ziemlich gewöhnungsbedürftige Bilder in meinem Kopf.

Sachen und Menschen gibt es auf dieser Welt!

Diesmal steht kein “Nichterlebt” drunter … Die Passage wird sehr gut beleuchtet und ich hatte meine Fernbrille auf. Aber ich habe mich einfach nicht getraut, einer wildfremden Frau genau das zu sagen, was mir an ihr soeben aufgefallen war – obwohl ich wahrscheinlich genau das hätte tun sollen …

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 11. Oktober 2013 waren mehrere Telefonate und ein kurzes, zufälliges, aber sehr nettes Treffen.

© 2013 – Der Emil. Text steht unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Unerwarteter Anblick (Nº 285)

  1. leonieloewin sagt:

    Es ist doch gut, dass es Sachen und Menschen auf der Welt gibt – das macht das Leben spannend und abwechslungsreich. liebe Grüße aus der Ferne Leonie

  2. Frau Blau sagt:

    da fällt mir eine Geschichte ein, es war einmal eine Frau, die bestens gekleidet war, nur etwas fehlte … ein Rock, eine Hose? Es war am frühen Morgen in B. Meine Freundin, Mieterin einer Ladenwohnung, und ich saßen vor der Tür im sich anwärmenden Morgen, da stürmte diese Frau heran und zielsicher in die geöffnete Wohnungstür meiner Freundin, wir schauten uns an, folgten ihr. Im hinteren Teil der Wohnung stand eine Kleiderstange auf Rollen. Die Frau stürzte auf diesen zu und wühlte in den dort hängenden Klamotten. Freundin: suchen Sie etwas Bestimmtes? Wir mussten schon grinsen … die Frau: ja, ich brauche dringend eine Hose … Freundin: sorry, aber damit kann ich nicht dienen, ich wohne hier … uppps … Die Frau lief rot an, murmelte Entschuldigungen und stürzte wieder auf die Straße. Wir gackerten noch lange und gleichzeitig spannen wir, was ihr wohl passiert sei … schlechter Liebhaber, und nix wie weg? war eine der Varianten …

    und wer weiß, was dieser Frau, der du gestern begegnet bist widerfahren ist, vielleicht kam sie ja von einem Fotoshooting?

    hab ein feines Wochenende, lieber Emil
    herzliche Grüße
    Ulli

  3. puzzleblume sagt:

    Ist es nicht immer wieder schön, wenn junge Männer (spätjung, zugegebenermassen) die Welt der Frauen entdecken, die wissen, wer sie sind, was sie wollen und wie? Frausein endet nie – wußtest du das nicht?

    • Der Emil sagt:

      Oh, keine Sorge, das weiß ich sehr wohl. Daß das Frausein heute nicht mehr endet wie noch in der Generation meiner (Ur-)Großmütter, die das oft irgendwann in ihrem Leben mehr oder weniger freiwillig beendeten und dann („nur“ noch) Witwen waren.

      Es war sehr überraschend und irritierend, als völlig Außenstehender (Mann) einen so unerwarteten Einblick in doch sehr private Angelegenheiten eines anderen Menschen (Frau) zu erhalten – und dann noch einen, der nicht zur allgemeinen Vorstellung von der Lebenswirklichkeit paßt (und damit so ganz nebenbei festzustellen, daß ich von diesem Normalitätsbild so sehr geprägt bin).

  4. tonari sagt:

    Ich frage mich gerade, ob Du auch einen Beitrag geschrieben hättest, wenn es eine 18jährige mit sichtbarem Intimpiercing gewesen wäre. Warum knüpft man(n) solche Dinge an das Alter? Wir alle werden uns an den Anblick von alternden Tätowierungen und anderem Körperschmuck gewöhnen (müssen).

    • Der Emil sagt:

      Ja, hätte ich auch geschrieben, wenn es so deutlich sichtbar gewesen wäre. Und wenn diese 18jährige ähnlich zwiespältig auf mich gewirkt hätte: Elegant, damenhaft trotz Springerstiefeln – und dann so … so … so (Ist der hochgerutschte Rock ein Mißgeschick oder Absicht?) unbekümmert oder provokativ. Hinterher würde ich mich nicht um meinen fehlenden Mut (die Frau darauf anzusprechen) bekümmern, sondern mit einem Seufzer („Diese Jugend heutzutage!“) über den jugendlichen Leichtsinn mich wundern.

      Aber, liebe Frau Tonari, ich danke Dir für diese Überlegung. Das Problem war/ist wohl, daß bei dieser Begegnung meine Erwartungen so ganz anders als die Wirklichkeit waren …

    • Elvira sagt:

      „Alternde Tätowierungen“ gefällt mir!

  5. Elvira sagt:

    Ich habe früher häufig den Spruch gehört: Von hinten Lyzeum, von vorne Museum. Solche abwertenden Worte haben natürlich irgendwo ihre Spuren hinterlassen (heute wissen viele sicher nicht mal mehr, was ein Lyzeum ist). Es gab schon immer Frauen, die aus ihren „Rollen“ fielen. Sie waren Stoff für Schriftsteller und Filmemacher. Leider wendet sich das Blatt gerade wieder.

    • Der Emil sagt:

      Ja, so ähnlich tönte es noch in meiner Jugendzeit. (Ich kenne das Wort und seine Bedeutung übrigens ohne irgendwo nachzusehen.)

      Genau das ist es: Da war eine Frau, die nicht nur ihre vorgesehene (!) Rolle spielte.

      Dein letzter Satz irritiert mich: Er kann sich auf das „aus der Rolle fallen“ oder auf das „Stoff geben“ beziehen …

  6. Elvira sagt:

    Es bezieht sich auf das aus der Rolle fallen. Frauen werden zum Teil wieder zu Frauchen – und damit meine ich nicht Frauen mit Hund 😉

    • Der Emil sagt:

      Ah ja. Andererseits ist mit diesem sich wendendem Blatt auch verbunden, daß Frauen sich wieder ihrer Weiblichkeit bewußt werden und sie auch ausleben, geradezu zelebrieren (wie die Frau gestern z.B.). Und da bin ich ganz ehrlich: Ich finde es gut, daß Frauen ihre Mann-Nachahmung/Nacheiferung aufgeben und wieder weiblich sein wollen und können.

      Frauchen … das sehe ich v.a. bei den Jugendlichen, bei den Möchtegernmodels und-sternchen. Aber das kann natürlich meine ganz eigene, selektive Wahrnehmung sein (druch Sozialisation, Erziehung, Erfahrung und Wünsche und Träume beeinflußt).

      • Elvira sagt:

        Genau diese Frauchen meine ich. Frauen, die wie Klone wirken. Unter Emanzipation habe ich auch immer verstanden, als Frau einfach Frau sein zu dürfen (und nie das Aussperren der eigenen Weiblichkeit oder gar der Männer – allerdings mit denselben Rechten wie diese).

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