Werkleitz 02: Utopien vermeiden! (Nº 283)



Scheitern und Utopie

To get a Google translation use this link.

 

Irgendwie habe ich mich in diesen Text verliebt. Nun, nicht in den ganzen Text, aber in vier Teile davon. Und auch, wenn der erste Teil (für mich überraschend, aber vieleicht lag es ja nur an dem Veröffentlichungschaos) nur recht wenig Interesse fand, mache ich weiter damit.

 

 
Scheitern

Zur Frage nach der Möglichkeit von Utopie gehört die Erkenntnis der Geschichte als Geschichte der Katastrophen: Die praktisch gewordene blutrünstige Verwirklichung der Utopie, die im Terror der nachholenden Entwicklung in der Sowjetunion und der Ermordung der Kommunisten im Namen des Kommunismus endete. Die Negation der Utopie und der Sehnsucht, als totale Ohnmachtserfahrung: Die Erkenntnis, dass das Streben nach Glück nie von Erfolg gekrönt war. Immer war der Mensch Mittel, Werkzeug, objektiviert zum Zweck des Kommenden. Die technokratischen Alpträume verleiten zu einer Haltung, die jeglichen utopischen Träumen attestiert, dass ihnen die Tendenz zur Gewalt von Beginn an eingeschrieben ist.

Dojno Faber: Etwas fehlt. Kritik der Verbannung der Utopie
Erschienen in der Programmzeitschrift Oktober 2013 von Radio Corax
Online zu finden bei Radio Corax (ab 11/2013 im Zeitungsarchiv)

 

 

Ist das wirklich so? So brutal, wie es Dojno Faber hier zu beschreiben versucht? Geschichte ist tatsächlich (auch?) eine Geschichte der Katastrophen. Jede Revolution ist eine Katastrophe für das bestehende System. Krieg ist eine Katastrophe, Seuchen sind Katastrophen. Und nach jeder Katastrophe gab es einen Fortschritt. Doch ich habe nicht erlebt, daß mein Streben nach Glück nie von Erfolg gekrönt war. Vielleicht ist die Utopie eines Einzelnen nicht so gesetzmäßig zum Scheitern verurteilt, wie es bisher für größere Sozialgefüge war? (Bestes Beispiel in meinen Augen ist dafür die Art und Weise des Untergangs der DDR.)

Aber wie ist das, wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Veränderungen beginnen … Wenn viele Menschen in ihrem privaten Umfeld eine kleine, vielleicht sogar ganz private Utopie zu verwirklichen versuchen? Es hat doch jeder Mensch mindestens eine kleine Utopie, oder? Was wird dann geschehen, wenn wir alle uns daranmachen, unsere Welt im Kleinen zu verändern?

 

Veranstaltungshinweis

Vom 12. bis 27. Oktober 2013 feiert die Werkleitz Gesellschaft e.V., die sich selbst auch “Werkleitz-Zentrum für Medienkunst” nennt, ihr zwanzigjähriges Bestehen mit einem Festival. Dessen Motto ist der Text einer Neon-Leuchtschrift von Martin Conrath, die bei der ersten Medienkunstschau in Ostdeutschland, bei der Werkleitz-Biennale 1993, Premiere hatte:

Utopien vermeiden!

Radio Corax wird dieses Festival begleiten, unterstützen, sogar Bestandteil sein. Der Haupt-Veranstaltungsort ist zu finden zwischen Halle (Saale) und Halle-Neustadt, am Holzplatz, in der sogenannten “Technikhalle” des einstigen Centrum-Warenhauses bzw. des Karstadt. Für Straßenbahnfahrgäste ist es einfach: Haltestelle Saline aussteigen und auf die Rückseite des jetzigen “Wohnzentrums” gehen. Das Programm zu diesem Festival » Utopien vermeiden! « ist online verfügbar – und die Programmzeitschrift von Radio Corax ist im Oktober auch diesem Thema gewidmet.

Ich hoffe, daß ich vieles von diesem Kunstereignis sehen und hören und erleben kann. Falls jemand extra deswegen nach Halle kommen möchte, so stelle ich gern meine Dienste als “Stadtführer” oder “Festivalführer” zur Verfügung. Vielleicht habe ich auch noch den einen oder anderen Tip abseits des Festivals …

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 9. Oktober 2013 waren die vollendete Umstellung der Mail und die Vereinsversammlung.

© 2013 – Der Emil. Eigener Text steht unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

P.P.S: Meine E-Mail-Adresse, die ich für dieses Blog verwende, hat sich geändert! Im Bedarfsfall kann sie im Impressum gefunden werden.

283 / 365 (WP-count: 590 words)

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
Dieser Beitrag wurde unter Geschriebenes, One Post a Day, postaday2013 #oneaday abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.

0 Kommentare zu Werkleitz 02: Utopien vermeiden! (Nº 283)

  1. leonieloewin sagt:

    Das hört sich sehr interessant an und ich wäre sicher gerne auch mal wieder nach Halle gekommen. Doch im Moment..ein wenig weit. Dir ein schönes Festival und Grüße aus der Ferne Leonie

    • Der Emil sagt:

      Guten Morgen – bei Dir müßt es ja schon um sieben sein …

      Schau Du Dir mal noch den Rest von Indochina an 😉 und zeig noch ein paar von den Bildern, die Du siehst: Auch das ist Kunstt, die ich genießem kann.

  2. Emil ich bin hier ganz deiner Meinung.
    Ich wünsche dir ein tolles Kunsterlebnis bzw. Kunsterlebnisse.
    Segen sei mit dir!
    M.M.

  3. Sofasophia sagt:

    … dass ihnen die tendenz zur gewalt von beginn an eingeschrieben ist?

    ich kaue insbesondere an diesem satz. gibt es denn keinen weg gewaltfreie ziele, ja eine gewaltfreie welt!, ohne gewalt zu erreichen? ist denn der traum von einer gewaltfreien welt an sich schon zum scheitern verurteilt (jetzt mal allgemein – losgelöst vom kommunismus – gefragt)?
    ich finde deine zitate zum thema utopie sehr nachdenkenswert.

    danke fürs posten!

    • Der Emil sagt:

      Das ist ja nur ein Teil des Satzes. Ich verstehe ihn,dieses Schlußsatz, als eine sehr, sehr verkomplizierte Version eines Konjunktives: Die … Alpträume verleiten [nur] zu einer Haltung, die … Träumen [unterstellt], dass ihnen die Tendenz zur Gewalt von Beginn an eingeschrieben ist.

  4. Frau Blau sagt:

    ich frage mich, ob es wirklich so ist, dass alles zum scheitern verurteilt ist … ich glaube nicht … denn es gibt positive Beispiele, eins der profanen: hätten sich damals nicht die Grünen gegründet und hätte es keine Anti-AKW-Proteste gegeben, dann wäre der Rhein heute nur noch eine Giftkloake und Naturschutz ein Nichtwort?! Ich glaube an Träume, an Utopien und an die Kraft der vielen kleinen Menschen … auch wenn es manchmal ganz dunkel in mir ist, wenn ich Nachrichten höre, aber ich kann ja dann das Licht wieder anknipsen 😉

    lG Ulli

  5. Gudrun sagt:

    Es verändert sich doch schon was, im Kleinen. Ich glaube fest daran, lieber Emil. Veränderungen funktionieren nicht mehr wie vor hundert Jahren. Bis sich aber ganz neue Strukturen entwickelt haben, wird es dauern, schließlich geht es nicht mehr um die alten Einteilungen in Links, rechts, grün oder blau, sondern um Inhalte. Es wird auch Irrungen und Wirrungen geben. Na und? Das nehme ich keinem übel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert