Denkschluckauf (Nº 166)

Davon fühle ich mich gestört und angegriffen

To get a Google translation use this link.
 

Unsortierte Gedanken.

Für Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt ist jetzt schon “nach der Flut”. Und bei vielen Nachrichten und Wortmeldungen in den Medien vor allem von Bundes- und Landespolitikern und Finanzfachleuten und Wirtschaftsexperten fällt mir eines unangenehm auf. Oft, wenn von den durch das Hochwasser Geschädigten, den Flutopfern, gesprochen wird und von den Hilfen, die ihnen zuteil werden sollen, wird nicht von Menschen oder gar Bürgern gesprochen, sondern von
 
“Verbrauchern”.
 
(Doch, seht und hört einmal genauer hin!)

Das stört mich, daran habe ich zu kauen; diese Kröte mag ich nicht schlucken.

Ach. Und was ist daran so unangenehm, so sonderbar, gar kritikwürdig?

Menschen haben dank vieler internationaler Vereinbarungen und Übereinkünfte, dank des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland unveräußerliche, unabdingbare, universelle Menschenrechte.

Bürger haben Bürgerrechte, die im Grundgesetz der BRD ebenfalls festgelegt sind (und in anderen Gesetzen).

Und Verbraucher? Haben nur dann Rechte, wenn sie verbrauchen, also kaufen o.ä. Und während Menschen- und Bürgerrechte vom Staat und von überstaatlichen Organisationen garantiert werden und durchgesetzt werden müssen, sind Verbraucherrechte nur einfachgesetzliche Rechte (IANAL – I am not a Lawyer; d.h. ich bin kein Rechtsgelehrter, aber dieses einfachgesetzliche Recht ist kein Recht mit Verfassungsrang).

Die Menschen, die Bürger werden also (schon wieder? immernoch? wie üblich?) degradiert. Vom Subjekt unveräußerlicher Rechte zu Objekten verzichtbaren Rechts. So, wie aus dem (in einer Notlage befindlichen) bedürftigen Bürger mit Anspruch auf Sozialhilfe vom Sozialamt der erwerbsfähige Hilfebedürftige, der “Kunde” von Arbeitsagentur (Achtung: Das ist KEIN Amt mehr! Und welche Folgen hat das?) und Jobcenter o.ä. gemacht wurde (und der damit auch gleich dem Generalverdacht des Betruges anheimfällt).

Und zum Verbraucher. Dessen Hauptaufgabe nunmal der Verbrauch, der Konsum ist. Nicht die Einforderung von Menschen- und Bürgerrechten.

Der Staat ist für den Menschen, für seine Bürger da. Er hat die Pflicht, seine Bürger zu schützen und zu unterstützen. Der Bürger hat viele Rechte, und doch auch Pflichten seinem Staat gegenüber (Steuer, Verteidigung usw.).

Ich bliebe gern Bürger dieses Landes (und hätte gern statt eines Ausweises für Personal einen Bürgerausweis). Ich möchte nicht nur auf meine Eigenschaft als Verbraucher reduziert sein.

Mensch. Bürger. Mann. Sohn. Vater. Bruder. Geliebter. Lebenskünstler. All das bin ich. Und danach erst bin ich Verbraucher.

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 14. Juni 2013 waren der Buchfink und das Gespräch mit den Revolverhelden.

© 2013 – Der Emil. Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

166 / 365 (WP-count: 419 words)

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
Dieser Beitrag wurde unter Gedachtes, One Post a Day, postaday2013 #oneaday abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.

0 Kommentare zu Denkschluckauf (Nº 166)

  1. Sofasophia sagt:

    warum dieses wort? wie hat das eingang in den sprachgebrauch gefunden? wer verwendet es und warum?

    ich bekomme gänsehaut, wenn ich es höre. verbraucher wird in der schweiz nicht gebraucht, dafür konsument/in – dies allerdings wirklich nur im nachvollziehbaren kontext (konsumentinnenzeitschriften oder -schutz etc.). allerdings ist bei uns auch das wort bürger nicht sehr üblich, ausser im kontext mit stimmbürger/in. die ganze zeit überlege ich, wie es denn dann bei uns heisst. vermutlich müsste ich mal wieder zeitung lesen oder nachrichten schauen/hören … *hüstel*

    wirst du leserbriefe schreiben? vielleicht wäre das eine gute möglichkeit, dich gegen dieses wort zu wehren?

    apropos flut: wie sieht es denn jetzt aus? ist das wasser abgezogen? und die schäden? ich hoffe, dir gehts soweit gut …!

    • Der Emil sagt:

      Zunächst: der Saalepegel ist jetzt, am 15.6.2013 um 16 Uhr, zwar immernoch doppelt so hoch als normal, aber schon unter 5 m gesunken, d.h. Wasser und Gefahr für HaNeu sind weg.

      Leserbriefe schrieb ich früher öfter als heute – ich bin es müde geworden, scheint mir. Nur eine einzige Mail an MDR info habe ich geschrieben …

      Tja, Bei euch ist das einfacher: da gibt es Schweizerinnen und Schweizer. Deutsche (mit schnarrender Stimme und demonstrativ aggressiv ausgesprochen) ist nicht so gern gehört – wegen der Vergangenheit, glaube ich. Es ist hierzulande wirklich eine Krux mit der political correctness*) und mit dem gender mainstreaming*) geworden. Und in ihrer großen Angst, da irgendeinen Fehler zu machen, weichen manche eben auf die „unverfänglichen“ Verbraucherinnen und Verbraucher aus, denke ich.

      Wir haben ja auch eine Verbraucherschutzministerin (ist das wie beim Feuerschutz gemeint?) und einen Verbraucherschutzverein (okay, viele, in einem Bundesverband). Ein „Verein zum Schutz der Menschen und Bürger vor Politikern, Bankstern, Qualitätsjournalisten, Genmanipulatoren und der Gemeinen Nopf e.V.“ sollte ins Leben gerufen werden 😉

      *) wer mir beide Begriffe in jeweils zwei deutsche Worte so übertragen kann, daß ihre Bedeutung tatsächlich erkennbar wird, der sollte das mal tun!

  2. irgendlink sagt:

    Guter Hinweis. Interessant ist auch das Wort Arbeitsmarkt. (Wer hatte neulich darüber gebloggt? Bzw. wo habe ich es gelesen?)
    Wir sind Ware und wir verbrauchen Ware. Also verbrauchen wir uns gegenseitig.

    • Der Emil sagt:

      Arbeitsmarkt. Hach ja.

      Und dann gibt der Arbeit(sstellen)nehmer seine Arbeit dem Arbeit(sstellen)geber, welcher die Arbeit annimmt – auch da sind die Begriffe den tatsächlichen Verhältnissen genau entgegengesetzt benutzt.

  3. Anna-Lena sagt:

    Es ist schon erschreckend, mit welchen Begriffen für Menschen umher geworfen wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert