In die Falle gegangen (#328)

Hupfdohlen

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Viele denken, sie würden denken – dabei sortieren sie nur ihre Vorurteile neu.

Mit vorzüglichem Dank an Ellen, die das in diesen Kommentar schrieb.

 

 

Oh ja. Auch ich selbst praktiziere das immer wieder.

Wartet ihr jetzt auf ein Beispiel? Hm. Moment mal, ich weiß nicht, ob das «salonfähig» ist oder bleibt …

Ach nein, lieber nicht. Sonst muß ich meine Texte doch noch als “X-rated” einstufen (lassen). Außerdem wäre das eine Beleidigung der armen Vögel. Schließlich können die nichts dafür, daß sich die jungen Mädchen in Gruppen nicht benehmen können und ich jene deshalb als “Hupfdohlen” bezeichne.

Jaja, sieben pubertierende (Tun die das mit elf schon? Aufgedonnert waren sie jedenfalls, wie zu meinen Jugendzeiten die Messehostessen in Leipzig …) Hupfdohlen sitzen und stehen im Bus und übertönen nur mühsam mit ihrem Gekicher die aus mindesten zwölf ihrer Mobiltelefone herausquäkenden Töne, die manchmal sogar Musik genannt werden. Und ich bereitete mich schon auf eine nervtötende Tour bis zu mir nach Hause vor.

Plötzlich wußte ich aber nicht mehr, ob ich mich jetzt freuen sollte über die Freundlichkeit des Mädchens, welches sich erhob und mir ihren Platz anbot – oder ob ich mich grämen soll darüber, daß ich von der Jugend jetzt schon wahrgenommen werde als Tattergreis, dem ein Sitzplatz im Bus anzubieten ist.

Schlußendlich beschloß ich, mich zu bedanken und zu freuen. Zu einen über den Sitzplatz und zum anderen darüber, daß auch Hupfdohlen wohlerzogen sein können.

Ach ja: Meine Vorurteile versuche ich in Zukunft auch öfter in ihrer verschlossenen Schublade zu lassen.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 22. November 2012 waren die Vereinsvollversammlung und der Sitzplatz.

© 2012 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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328 / 366 – One post a day 2012 (WP-count: 318 words)

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu In die Falle gegangen (#328)

  1. luzie sagt:

    Eine Frage kann ich dir beantworten: Ja, sie pupertieren schon mit elf!!! Und es ist für alle nicht leicht 😉

  2. Manchmal denke ich auch bei meinen großen Schülern, was sind die nervig und wieso haben die so wenig Benehmen aber eine Minute später sind sie wieder hilfsbereit und nett. Aber ich denke, das die Erwachsenen damals nicht anders über uns gedacht haben.
    Mit der Nettigkeit , das jemand mir einen Platz in der Bahn anbietet musste ich mich erst anfreunden. Beim ersten mal dachte ich noch, das der nette frager spinnt, so alt bin ich doch noch nicht. Jetzt freue ich mich, wenn ich sitzen darf.
    LG Gabi

    • Der Emil sagt:

      Die Diskrepanz zwischen „Hallo! Sie!? Junger Mann?“ und „Setzen Sie sich bitte …“ ist enorm. Mal sehen, wann ich mich an letzteres gewöhnt haben werde. 😉

  3. Inch sagt:

    Das ist wunderbar! Weil, ich glaube, auch ohne Händies und so waren wir in einem gewissen Alter eine Zumutung für Mitmenschen in öffentlichen Verkehrsmitteln. Es gab zum Beispiel auch mal die Zeit der „Kofferheulen“

  4. Gudrun sagt:

    Also meine Mutter jammerte damals auch immer über die Jugend von heute. Ich glaube, das wird auch noch in 50 Jahren und Generationen später zu hören sein.
    He, lieber Emil, vielleicht waren die einfach nur sehr nett. Und du denkst über den Tattergreis nach … 😀

    • Der Emil sagt:

      Ach Gudrun … Ich glaube, ich bin nicht soooo anders als meine Eltern. Und wo ich anders bin, bin ich es oft mit einem Bedauern darüber.

      Tattergreis hatte mir erst in den letzten Tagen jemand auf den Monitor gezaubert – das nagt.

  5. Elvira sagt:

    Das ist eine der berühmten Ketten ohne Ende! Jede Generation hat IHRE Jugend nach der eigenen Jugend. Und jeder erstmalig angebotene Sitzplatz (außer, Frau ist schwanger) wirft einen etwas aus der Bahn (bemerke gerade den entstellten Sinn ideses Satzes, lasse ihn aber doch so stehen).
    Liebe Grüße von Elvira

    • Der Emil sagt:

      Zum Glück geschah es in einem Bus 😉 Und ich bin noch immer – ja, was eigentlich? Verunsichert, beleidigt, resigniert, dankbar, hoffnungsvoll?

      Ach, diese Hupfdohlen! Und meine Vorurteile!

  6. yep man sollte nie alle über einen Kamm scheren… 😉 egal um wen es da geht… manchmal haben wir Vorurteile, ich glaube niemand ist davon frei, aber schön, wenn sich dann mal Vorurteile in Luft auflösen 🙂

    • Der Emil sagt:

      Na, meine Vorurteile wurden bestätigt und widerlegt zugleich. Grauenhaft, sowas.

      Können die Hupfdohlen nicht einfach so sein, wie ich es von ihnen befürchte? Dann wäre mein Weltbild nicht ins Wanken geraten und ich müßte nicht über meine Tattergreisenhaftigkeitswirkung nachdenken 😉

  7. Martina G. sagt:

    …unsere Eltern haben von sich behauptet sie wäre früher besser und anständiger mit älteren menschen und überhaupt umgegenagen; wir gaben diesen Spruch bzw. Gedankengang an unsere Kinder weiter und diese wohl wiederum an ihre eigenen….spätestens bei unseren Enkeln denken wir : “ was solls, wir waren ja auch mal jung“
    ….also das mit der lauten Handmusik nervt manchmal schon gewaltig 🙁

  8. Gabi sagt:

    Ich denke, auch wir waren früher nervig. Nur wurde uns das nicht bewusst. Die Jugend hat halt ihre „eigene“ Welt und ich denke, das ist schon gut so, solange niemand wirklich dadurch geschädigt wird. Die Jugenzeit ist ohnehin so kurz….
    lg Gabi

    • Der Emil sagt:

      Wir waren anders nervig, nehme ich an. Nicht ganz so penetrant, nicht ganz so pöbelnd, weniger attackierend …

      Das kann es sein, was mich an „der heutigen Jugend“ so ganz besonders stört: Ich empfinde vieles als Angriff. (Damit liegt der Schwarze Peter also wieder bei mr.)

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