Unerwartet heimelig
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Letztlich nachmittags fuhr ich nicht die übliche Strecke, sondern wegen einer Besorgung über den Markt. Dort stieg ich aus und drehte mir eine Zigarette. Genüßlich rauchend schlenderte in Richtung Konsumtempel. Der Weg ist nicht weit, und so stand ich noch etwa zwei Minuten vor dem Schaufenster.
Nun bin ich nicht unbedingt einer der Zeitgenossen, die sich stets und ständig und überall mit Musik berieseln müssen. Lieber lausche ich den Geräuschen der Stadt, den Gesprächen der Menschen. (Das hat so ein “G’schmäckle” von Verbotenem, von Voyeurismus, ich weiß.) Nur deshalb konnte ich plötzlich sehr vertraute Laute wahrnehmen, die ziemlich schrill über den Marktplatz hallten:
«Kumm itze emol rieber!» … «Dohmaß! Kumm rieber!!! Ich muß Dr wos zeing!»
«Komm jetzt einmal herüber!» … «Thomas! Komm rüber!!! Ich muß Dir etwas zeigen!»
Und ein errötender Mann in den Dreißigern machte seine Zigarette aus und setzte sich in Bewegung. Erst als er die in breitestem Erzgebirgisch weiterrufende, laut weiterrufende “Muddie” erreicht hatte, mäßigte sie ihre Lautstärke.
Ich habe nichts gegen die Mundart, die in meiner Heimat gesprochen wird. Sie vermittelt mir ja auch immer ein gewissen Heimatgefül. Aber muß es so laut, so unangebracht und so – man verzeihe mir diesen Neologismus – prollig sein?
Beim Betreten des Ladens dachte ich noch darüber nach, ob ich mich für meine Landsmännin und ihr Organ schämen müßte. Als ich wieder herauskam, konnte ich über die Art, wie sie sich selbst bloßgestellt hatte, nur noch müde lächeln. Und Thomas habe ich bedauert, muß er doch weiterhin mit seiner Schreckschraube durch die Lande ziehen.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 16. November war wiederum der Schreibfortschritt.
© 2012 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Dieser Dialekt geht mir immer noch nicht glatt ins Ohr… komisch, ist irgendwie ungewohnt. Ich liebe ja Dialekte und kann sie (meistens) auch verstehen.
LG und ein schönes WE, Petra
Das Ergebirgische übrigens stirbt aus 🙁
Es ist sowieso nur selten zu hören, oft nämlich sprechen die in den Medien auftauchenden Mundartler ein erzgebirgisch angehauchtes Leipziger oder Dresdner Sächsisch.
Das Ergebirgische übrigens stirbt aus 🙁
Leider ;-(
Nu oder e klaa wing kah mr schu noch dorgegn machen, wenns aah net ebber gerod viel is.
Ich höre gerne zu und beobachte gerne Menschen, die in ihrer Muttersprache miteinander sprechen. Es hat eine Intimität, die ich nicht kenne. Die Muttersprache meiner Mutter ist eine andere als meine.
Distanzlosigkeit kann aber auch nervig und unangebracht sein (s.o. Thomas + schreckende Schraube) 🙂
Ja, das Lauschen … Auch interessant ist es hier in der Stadt, wenn zwei russisch sprechdende Kerlchen über die Deutschen herziehen, verbal, in der Straßenbahn. Deren Gesichter sind immer wieder unbezahlbar, wenn ich ihnen auf russisch entgegenhalte: Не полагают, что немцы не понимают русский язык (Nje pallagajet, schto njemmzyij nje pannimajutt russki Jasyijk – Glaubt nicht, daß Deutsche die Russische Sprache nicht verstehen.)
Mir geht es jetzt weniger um den Dialekt als um die Lautstärke, die oft gebraucht wird. – Und apropos Musik und Dauerberieselung – ich bin oft aus Kaufhäusern schon geflüchtet, weil ich dieses Gedudel nicht ertragen wollte.
Oh ja: WHAM – Last Christmas
*würg*
Nicht nur an Christmas und den Monat davor – hier immer, das ganze Jahr durch!
Aber dann ists ganz besonders schlimm …
Neiiiin. Du hast es gesagt. Und nun ist es wieder in mir. :-((((
Muss ich meiner Faustformel, ab Mitte Oktober Die Stadt zu meiden nun auch hinzufügen, bloß keine Blogs mehr lesen?
Schlimm wird der Tag, an dem mein Hirn freiwillig auf die Idee kommt, an das besagte Lied zu denken.
Das Erzgebirgische gelesen sieh
T ein bisschen aus wie Pfälzisch.
Geht mir genauso! Alleine das Lesen reicht. Ich finde es so schrecklich, das Lied. Noch dazu, wo es nicht mal ein Weihnachtslied ist…
Aber da hört man es doch ganz laut und deutlich: „Naaaaaaaaaaaaaaah christmas, na nana na naaaaaaaaaaaaaaaaa …“
Du bist sooo gemein – jetzt hab ich den blöden Ohrwurm mit „Christmas“ schon wieder. *menno*!!! 😉
😛
Ich mag Dialekte auch, aber übertriebene Lautstärke nicht unbedingt.
Und die Dauerberieselung in Kaufhäusern mag ich auch nicht. Deshalb lasse ich meinen Mann meistens einkaufen gehen
Liebe Wochenendgrüße
Anna-Lena
Komm mal nach Hamburg und hör zu, wenn jemand in breitestem Hamburgisch laut wird… da weiß ich auch immer nicht, ob ich mich nun fremdschämen soll oder nicht 🙂
Oh ja – am besten eine hohe, spitze Frauenstimme … Aber das noch weit weg von Hamburg, zB. in Köln zu erleben, ist für den Hamburger wahrscheinlich noch … noch … noch fremdschämiger 😉
ich finde hier weniger die sache mit dem dialekt peinlich (das stört mich eigentlich nie und nicht), doch wie sie ihn rumdirigiert, wie sie respektlos in seinen rhythmus eindringt, das tut mir weh. das ist eine hässliche grenzüberschreitung.
deinen beobachtervoyeurismus teile ich übrigens, und zwar relativ schamlos. ich brauche ja schliesslich stoff für geschichten, sag ich mir dann, und schliesslich höre ich den leuten ja interessiert und nicht abschätzig zu. auch wenn mir solche geschichten wie die hier von dir erzählte weh tun.
liebgrüß, soso
Bis auf den Thomas hatte ich alles verstanden.
Oh man, kann er seiner Frau nicht beibringen, dass er gern eine raucht?
’s könnt auch seine Mutter gewesen sein …
grins, noch schlimmer, kicher
Ich gebe allen Vorschreibern Recht. Störend ist nur die Lautstärke. Ob sie Dohmas rum dirigiert hat, mag ich nicht beurteilen. Vielleicht war sie ja ganz aufgeregt ob des Entdeckten. Da kann man schon mal ungeduldig werden mit dem Zeigen 😉