En[d/t]-Wirrung (#289)

Erklärungslos regradierend

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Es sind nur noch kurze Gedanken, die in mir wühlen und brodeln und wachsen und streiten. Für lange Gedankengänge fehlt mir die Zeit. Ein Gedankengang ist geprägt von Gemächlichkeit, genügend Zeit und Muße, fast ausschweifendem Mäandern um die Denkrichtung herum; und trotzdem ist da eine Ahnung von einem Denkziel … Zur Zeit kann ich gedanklich nicht weit gehen: eine Art Rheumatismus plagt mich schmerzhaft, wenn ich zu lange Gedanken hege. Rheumatismus? Beim Denken? Ja, natürlich. Oder zweifelt jemand an der Existenz schmerzhafter Überlegungen? Ah, noch nie schmerzhafte Erinnerungen gehabt? Ja, auch Erinnerungen sind Gedanken.

Lange Gedanken? Was soll das sein? Sind das die, denen ich länger als nur einen Augenblick mich widme? Sind das die, die Zeiträume von mehreren Stunden Tagen Wochen Jahren umfassen, in die Zukunft reichend oder aus der Vergangenheit hervorschimmernd? Jaja, irgendwo sind es tatsächlich längerwährende Denkphasen, zusammenhängende natürlich, über längerwährende Zeiträume, über, nicht nur während.

Denken ist schwer. Muß ich das selbst tun? Dafür haben wir doch unsere Regierung. Die wissen schon, was sie tun. Zur Not hilft mir die Kirche. Außerdem ist RTL sowieso interessanter. Und Fußball. Und WoW. Ach, laß mir meine Ruhe. Denken nervt. Ist anstrengend. Ich bin Konsument: Lenkt mich ab!

Zweiwortsätze denken. Schreiben drüber. Zusammenhängend formulieren. Kryptisch bleiben? Da schau! Lies selbst! Bringt nichts. Macht unbeliebt. Stört fernsehen. Gehzett Eßzett.

Selber denken. Ich faul. Hunger haben. Alles gegeßt. Nicht wegnehmen! Mein Bier. Ruhe jetzt!

 

Tante lieb. Mieze süß. Kopf bumms.

 
 
 

Text alle.

 

 

Bitte: Der erste Gedanke interessiert mich, der nach dem Lesen aufkommt, oder währed des Lesens, wenn nicht bis zum Ende gelesen wird. Auch ein einfaches: Blödsinn. oder: Versteh ich nicht.
 
Nein, ich werde diesem Text nicht zu erklären versuchen.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 14. Oktober 2012 war mein Besuch beim Werkleitz-Festival “move forward”.

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289 / 366 – One post a day 2012 (WP-count: 345 words)

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu En[d/t]-Wirrung (#289)

  1. irgendlink sagt:

    Nicht nach dem ersten Gedanken fragen! Die Frage radiert ihn aus. Ich bin sicher, dass ich einen Zweiwortsatz kommentiert hätte, ohne die kleingedruckte Frage nach dem ersten Gedanken. Ganz besonders mag ich die Passage „Tante lieb. Mietze süß. Kopf bums.“ vermutlich hätte mein Hirn sich an dieser Trilogie der Zweiwortsatzigkeit festgekrallt und darauf zweiwortig kommentiert.

    • Der Emil sagt:

      (Psssst! Alles Teil des Experiments. 😉 Nein, natürlich nicht. Aber wie sag ich das meinem Leser sonst? Hätte ich “Zen-Text” oder “Koan” drüberschreiben sollen?)

  2. Anna-Lena sagt:

    Warum selber denken, wenn man abschreiben kann? Vielleicht rollt bald ein zweiter Politikerkopf?

    Nur Verdacht?
    Welche Pleite!
    Armes Deutschland!

  3. Tante lieb. Mietze süß. Kopf bums. Darüber mußte ich jetzt lachen. So lustig wie es sich liest, so traurig ist es. Da ich ja jeden Tag mit Kindern zu tun habe, habe ich mir da auch schon mal den ein oder anderen Gedanken darüber gemacht. Die kleinen lernen noch in ganzen Sätzen zu sprechen, aber je älter die Kinder werden, umso kürzer werden die Sätze. Aber man unterhält sich ja heute auch nicht mehr. Man twittert, chattet und was weiß ich. Schade ist es!

  4. mein erster Gedanke am Ende deines Textes… Ich habe fertig 🙂

    Denken ist immer anstrengend finde ich jedenfalls…

  5. snoopylife sagt:

    Der erste Gedanke NACH dem Lesen war „Hihi“, aufgrund des Schlusses „Text alle“. Der erste BEIM Lesen war „Ach du Sch…ande, noch so’n Text darüber, wer was denkt – den lese ich später“. Was dann aus irgendeinem Grunde doch nicht so war, warum, weiß ich auch nicht.

  6. Elvira sagt:

    Denken kann man sich schenken! Würden mehr Menschen denken, würden viel, viel, viel mehr auf die Straßen gehen. Aber Brot und Spiele haben schon immer das Denken ermordet. Es lebe der Flachbildschirm und das WoW-Abo! Ach, fast hätte ich noch die Blöd vergessen. Die denkt doch auch für Millionen!

  7. minibares sagt:

    Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur du denkst…
    Jaja, Fernsehen lenkt vom Denken ab, kann aber auch zum Denken anregen.
    Lesen ist da besser, es lässt einen nach dem Lesen weiterdenken.

  8. Frau Blau sagt:

    Das gelungen! Feiner Text. Gute Gedanken. Denken lassen. Dann schreien 😉

    herzliche Grüße

  9. syntaxia sagt:

    Rheumatismus beim Denken – das ist gut!! 🙂
    Denken kann anstrengend sein und nachdenken noch mehr. Sich berieseln lassen ist vielleicht einfacher. Wenn wir dann alle nur noch in der Comicsprache kommunizieren gibt es keine langen Sätze ohne Punkt und Komma mehr was vielleicht auch den einen oder anderen freuen würde der immer meint in der Kürze liegt die Würze oder bin ich jetzt über das Ziel hinausgeschossen?
    ..grüßt Monika

  10. wildgans sagt:

    dadarumms- und Hugo Ball.
    Das Wort „mäandern“ reicht doch schon….
    Gruß von Sonja

  11. Sofasophia sagt:

    hammer text! echt wahr!
    ***
    ich kenn das. und ja, mir gehts zurzeit ähnlich. viele verschiedene baustellen, denkorte, die mich ausfüllen, die mir energie geben oder nehmen. mäandern tu ich oft.

    ich glaube, das ist jetzt nicht so schlimm. manchmal aber leide ich daran.

    herzlichen dank für dieses posting. ich mags.
    soso

  12. Michelle sagt:

    erfahrungsgemäss ist das beste gar nichts zu denken. wie mal jemand zu mir sagte: „das denken habe ich schon lange den pferden ueberlassen!“ probier’s mal aus…

    • Der Emil sagt:

      Dieses Nicht-Denken, ist das nicht ein wenig wie „zu faul zum Atmen“ zu sein?

      Aber ich merke: Das mich belastende Denken ist meist das „mir einen Kopf machen“ wegen der und um die „ungelegten Eier“ …

  13. Gabi sagt:

    Mein erster Gedanke? Kein Blödsinn und ich versteh Dich. Und der Schluß dann eben auch kurz und prägnant und witzig.
    lg Gabi

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