Ein Buch (#236)

Ein Nachmittag.

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Ein Nachmittag. Ein ganzer Nachmittag.

Ein Buch. Ein ganzes Buch, aber ein eher schmales Bändchen.

Spannend ist es nicht, aber es ist so geschrieben, daß ich es nicht beiseitelegen konnte.

Ein Nachmittag. Fesselnde Sprache. Auch unterwegs. Suche nach Parallelen.

Und dann der distinguierte Herr, der mir in der Straßenbahn gegenübersaß. Der sich Mühe gab, den Titel meines Buches zu erkennen. So auffällig unauffällig. Immer wieder.

Dieses Geschiele. Das machte mich nervös. Als ob ich es nicht merken würde! Eine Seite mußte ich dreimal anfangen, um zu verstehen, was ich das las. Seite 84.

Der Herr gegenüber “las” auch, in so einem neumodischen Ding, das vorgibt, ein Buch zu sein, in dem aber nicht wirklich geblättert werden kann. Nein, er las nicht, er schielte noch immer nach meinem Buch. Es ließ ihm augenscheinlich keine Ruhe.

Zwei Haltestellen weiter reichte es mir, fast war ich wütend. Ich mußte ja sowieso gleich aussteigen. Ich stand auf, klappte das Buch zu und hielt es ziemlich dicht vor sein Gesicht.

“Sie hätten mich auch einfach fragen können!”

“Ja”, gibt er zu. Dann fummelt er auf seinem Lesegerät herum, dreht den Bildschirm zu mir: “Ich war mir eben nicht ganz sicher.”

Und in seinem Reader sah ich, daß auch er dieses Buch las:

Peter Handke: Nachmittag eines Schriftstellers.

Beim Aussteigen lachten wir beide: Der Dienstagnachmittag zweier Leser.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 22. August 2012 war ein entspannter Einkaufsbummel. Und schon am Montag – ich habe nur vergessen, meine Freude darüber kundzutun – ist das Dieselaggregat vor der Haustür weg, das da fast vier Wochen rund um die Uhr brummte. Nachts ist wieder Ruhe.

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236 / 366 – One post a day 2012 (WP-count: 314 words)

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Ein Buch (#236)

  1. Ellen sagt:

    Das sind die Alltagssituationen, die einem Menschen ein Lächeln in’s Gesicht zaubern. Ich habe es mir versucht, vorzustellen…und musste lächeln 🙂

  2. Elvira sagt:

    Ist das wahr? Manchmal denkst Du Dir für Geschichten, die in der Straßenbahn ihren Anfang nahmen, ein passendes Ende aus. Dieser Schluss hier versöhnt einen sogar mit E-Book-Leser, nicht wahr? Ich lese beides. Dicke Wälzer auf elektronische Art, da ich viel unterwegs lese. Mit dem Kauf habe ich lange mit mir und meinem Buchhändler gerungen. Es gab da einige Punkte, die mich davon lange Zeit abhielten: Ich kann Bücher weder verleihen noch, was bedeutender ist, verschenken. Nun bin ich ein Zwitterleser geworden, nachdem mein Buchhändler mir zusicherte, dass er an den Büchern, die ich mir auf das bei ihm gekaufte Gerät lade, auch verdient.
    Als ich das erste Mal auf dem heimischen Sofa saß und darin las, fragte mich mein Mann: „Hast Du gerade umgeblättert?“ Der leise Klick ist zu hören.
    Liebe Grüße von Elvira

  3. Mia sagt:

    Diese Parallelen machen mich geradezu sprachlos. Lieber Emil, bei mir ist es ein Kinderbuch „Reiseschuhe“ – das mich an Parallelen aus der Kindheit hinführt. Es ist schon seltsam, gerade bei Dir hier nun auch darüber zu lesen. Und dann gleich im doppelten Sinne Parallelen zu finden.
    Wünsche Dir einen schönen Tag. Gruß von Mia

  4. Amelie sagt:

    Versöhnung mit einem E-Book-Leser … SCHÖN.
    Ich kann den Dingern auch nix abgewinnen udn lese konventionell ;o)

  5. Pingback: Mit E-Reader nicht möglich | Quilt-Traum

  6. christA sagt:

    deshalb häkeln sich manche ja Buchhüllen!

  7. Dina sagt:

    Lieber Emil,

    jetzt hat du mich neugierig gemacht. Das Buch habe ich jetzt bestellt.
    🙂

    Schönen Abend dir.

    Liebe Grüße
    Dina

  8. haha komisch ^^

  9. Frau Momo sagt:

    Ich mußte beim Lesen selber lachen. Ich bin übrigens auch altbacken und habe lieber Seiten aus Papier in der Hand und deshalb hab ich heute mal wieder im Buchladen gewildert.

  10. Anna-Lena sagt:

    So spielt das Leben, lieber Emil. Eine wirklich tolle Begegnung 😉

  11. luiselotte sagt:

    Ih wünsche dir von ganzen Herzen eine gute Zeit, wo auch du sein magst!

  12. Frau Blau sagt:

    Eine wunderbare Geschichte, die das Leben schreibt. Ich hätte wohl schon vorher zu lesen aufgehört und hätte den Mann direkt gefragt… so viele gibt es, die sich nicht trauen in direkten Kontakt zu gehen! Und weil ich das weiß und auch, dass sich viele dann freuen, wenn ich es tue, erspare ich mir viel Unmut u.ä.
    aber es ging a alles gut und ich danke dir für diese Geschichte…
    herzlichst Frau Blau

  13. Ha, sowas ähnliches ist mir auch schon passiert, ich habe den Erstling einer Reihe gelesen, die Frau gegenüber den zweiten Teil. Wir mussten beide sehr grinsen als wir das Buch des anderen gesehen haben und haben uns dann noch nett unterhalten. Allerdings habe ich sie danach nie wieder gesehen.

  14. Gabi sagt:

    Eine nette Geschichte. Und so haben konventioneller Leser und „elektronischer“ Leser sogar irgendwie zusammengefunden. Warum nicht? Schließlich machen beide das Gleiche, nur jeder auf eine andere Art. 🙂 Ich mag auch Bücher sehr gerne, auch wenn ich leider viel zu wenig dazu komme, sie zu lesen und ich könnte mir sehr wohl auch vorstellen, dass ich mir mal einen eBook reader zulegen werde. Im Grunde genommen ist es ja auch egal wie, Hauptsache, die Leute lesen was.
    LG Gabi

    • Der Emil sagt:

      Ich habe mir „alle“ Neuerungen immer erst sehr spät gekauft – oder garnicht. Von daher und weil ich die Haptik eines Busches schätze werde ich mir ein solches Teil erst zulegen, wenn es ohne überhauptnichtmehr geht.

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