Sprachspiel (#176)

Metaphernabusus?

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Nur ein Spiel mit Sprachbildern, mit Schreibfluß. Nichts als ein weiterer Versuch mit dem Automatischen Schreiben. Aber anders als dort beschrieben, nutze ich ein Anfangswort, eine Vorgabe. Diesmal «Freßpaket».

 

Das Freßpaket fraß mich nicht und kam grad recht, hatte ich doch sowieso Appetit auf Süßes. Der Bär in mir hungert nach Honig, will sich aber nicht zerstechen lassen. Nichteinmal der Hafer sollte mich stechen, hat es aber doch getan.

Ich bevorzuge nämlich Gerste. Und Roggen. Und Weizen, aber meist ohne Hefe. Nur wenn es sehr heiß ist, wenn der Sonnenstich droht, nur dann greife ich nach dem rettenden Hefeweizen. Aber im Freßpaket war kein Getreide, nichtmal Reis. Und statt Dinkel kamen nur Dünkel. Nein, keine Standesdünkel, denn ich bleibe ja weiter in Bewegung, im Fluß.

Seltsame Bilder hat meine Sprache. Malt Laute und Träume und bringt ganze Filme im Kopf zum laufen. Warum eigentlich muß ein Film gedreht, nicht aber gewendet werden? Es gibt Drehbücher, es gibt Bilderbücher, es gibt Wörterbücher, es gibt Kassenbücher, es gibt Tagebücher, es gibt Lesebücher. Wo sind die Wende-, die Skulptur-, die Schweige-, die Portemonnaie-, die Nacht- und die Schreibebücher?

Notizbücher sind keine Schreibebücher, sie sind für Notizen. Skizzenbücher sind für Skizzen, nicht für fertige Zeichnungen. Märchenbücher sind auch nur für verniedlichte Geschichten gemacht. Wo sind die Märbücher?

Überhaupt Bücher. Sind nicht mehr zeitgemäß. Heute zählen nur noch books: e-books, notebooks, scrapbooks, storybooks, whitebooks, orangebooks. Auf zu den neuen Medien, die uns nach dem großen Stromausfall dann wenigstens nicht mehr belästigen.

Wenn ein Salz ausfällt, sammelt es sich am Boden des Gefäßes mit der Lösung. Wenn der Strom ausfällt … Früher hätte sich der Strom dann wahrscheinlich am Ende der Leitung gesammelt, auf den Böden der Häuser. Heute aber gibt es immer weniger Freileitungen. Der Leitungen sind nicht mehr frei sondern zum Erdkabel mutiert.

Wo sammelt sich der aus einem Erdkabel ausfgefallene Strom? Im Erdboden nicht, dort versickert er, nachdem er sich ausgebreitet hat, der Strom. Nachdem er dem Meer zufloß, sich mit anderen Strömen vereinigte. Und dann verströmte er, der Strom.

Und als ich meinen Finger ins Wasser des Meeres tauchte und danach ihn ableckte, war nichts Süßes mehr daran, sondern nur noch Salz und Bitterkeit.

Tränengeschmack …

Von Freudentränen.

 

Seltsame Wege geht mein Geist.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 23. Juni 2012 war das Ausschlafen.

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu Sprachspiel (#176)

  1. Elvira sagt:

    Ein interessanter Text, führt doch ein Gedanke zum nächsten und scheint am Schluss mit dem Ausgangswort nichts mehr gemeinsam zu haben. Aber der Leser kann den Gedanken noch folgen, sie scheinen sich logisch aneinander zu reihen. Es entsteht der Eindruck, dass Wörter und Sätze nicht unzensiert in die Tastatur übertragen wurden. Das ist das wirklich schwierigste am Automatischen Schreiben – sich völlig gehen zu lassen, jeden Blödsinn auch stilistisch „verkehrt“ niederzuschreiben und ihn dann so auch öffentlich zu machen. Diese Texte haben den Anschein, nichts mehr mit uns gemeinsam zu haben. Manchmal ist das verstörend, ich habe das jedenfalls so erlebt. Sie sind wie Bilder, bei denen man sich fragt, ob der Künstler mit diesem Wirrwarr an Formen und Farben etwas aussagen möchte oder ob er einfach drauflos gepinselt hat.
    Einen schönen Sonntag wünscht mit lieben Grüßen Elvira

  2. seltsame Wege geht der Geist – vom Süßen zum Salzigen, das aus dem Süßen kommt …
    Ich grüße

  3. Frau Blau sagt:

    p.s. es gibt auch noch die gedankenauffangbücher ;o) und klar, gibt es schreibebücher, auch wenn es dem einen oder anderen hahnebüchen rüberkommt…

    ich mag dieses automatische schreiben, elvira hat es wunderbar beschrieben, dieses sich treiben lassen von einer scholle zur anderen, von der man anfangs noch gar nicht wusste, dass sie überhaupt existierte…

    noch einen wunderbaren sonntagabend wünsche ich dir liebgrüßt frau blau

  4. Pingback: Arbeits-Stilfrage (#177) | Gedacht | Geschrieben | Erlebt | Gesehen

  5. Amelie sagt:

    Ein wunderbarer Text ist Dir hier gelungen.
    Ich bemerke an mir, dass in meinem Kopf manchmal sagenhafte Assoziationsketten durch ein aufgeschnapptes Wort losgetreten werden. Und dann laufen sie, die Gedanken, nach dem Dominoprinzip.
    Schön, mit solchen Phänomenen nicht allein zu sein!
    Lieben Gruß Amelie

    • der_emil sagt:

      Unterwegs klappt es bei mir mit dem Aufschreiben au, weil ich ja immer (und das ist wirklich so, nicht wie mit der Kamera, die ich manchmal schon zuhauselasse) etwas zu schreiben dabeihabe.

      Ob für diese Assoziationsketten jemand anderes auch den Begriff des écriture automatique verwenden würde … Ich weiß es nicht.

  6. Kool Karl sagt:

    Automatisches Schreiben, da dachte ich erstmal an Computergenerierte Texte. Das gibt aber leider bis heute fast immer komische Resultate. Ohnehin kommt die Maschine nie an Menschen ran, die sich mit Sprache als der organischsten und Künstlerischsten Domäne versuchen und sich mit ihr beschäftigen. (Tipp: Der Sprachfetzen-Blog) Es heist nicht ohne Grund Rechner und nicht Redner.

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