Wie bescheuert kann ich mich verhalten?
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Es ist schon einige Zeit – vielleicht sogar schon ein oder zwei Jahre – her, da notierte ich mir auf meiner Liste der unbedingt noch zu lesenden Bücher “Herr Lehmann” und “Der kleine Bruder”. “Neue Vahr Süd” war schon vorgemerkt, nachdem ich ungefähr das letzte Viertel des Filmes einmal im Fernsehen sah.
Jetzt hatte ich alle drei in der Bibliothek ausleihen können und sie mit mir nach Hause genommen. Nicht gerechnet hatte ich allerdings mit meiner eigenen Unzufriedenheit, mit meinem Nachtragen.
In den letzten zwei Wochen versuchte ich mich an den drei oben genannten Büchern. An allen drei Büchern. Ehrlich bemüht war ich, denn ich wollte die Bücher ja unbedingt lesen.
Vom “Herr Lehmann” las ich die ersten achzig Seiten dreimal, bei den andern beiden gelangte ich jeweils bis Seite 50. Es ging nicht. Es geht nicht. Mein Kopf blockiert – oder mein Bauch? Keine Ahnung. Ich bin eingeschnappt und trotzig! Dabei empfinde ich selbst diese meine Reaktion als völlig bescheuert.
(Lange Jahre hatte ich mir doch nie gestattet, einen Menschen als böse, schlecht, vulgo «Idiot/Arschloch» zu bezeichnen. Oh, was habe ich dafür an gedanklichen Verbiegungen und Verdrehungen veranstaltet! Und ich trennte immer fein säuberlich zwischen der Person und ihren Handlungen, auch zwischen den einzelnen Handlungen. So hatte ich eben kein integrales Bild von Menschen. Vielleicht hatte ich sie in Bausätze zerlegt, von denen ich im Bedarfsfall nur das passend erscheinende Einzelteil anstelle der Person betrachtete.)
Nun hatte ich beim Lesen die Stimme des Autors im Kopf: Sven Regener. Allerdings nicht als Sänger von Element of Crime, sondern wie er verbal auf alle Nutzer des Internets einprügelt in der Urheberrechtsdebatte. Und seine Bücher scheinen mir plötzlich zu sein wie sein Statement im Radio: unreflektiert, unsortiert und – hach, mir fehlt das Wort … Bitte, sucht selbst nach seinen Äußerungen, denn ich möchte hier nicht übers Urheberrecht debattieren, sondern ich schreibe darüber, wie eine einzelne Handlung einer einzelnen Person mich dazu bringt, die Person selbst und alles von ihr Geschaffene abzuwerten.
Schade. Daß ich mich so einfach beeinflussen lasse. Dabei wollte ich wirklich endlich einmal diese Bücher lesen. Ich hasse den Autor nicht, aber ich sträube mich gegen seine Werke: Weil einmal eine seiner Äußerungen nicht meinen Vorstellungen und Einstellungen entsprach, ist der Mensch bei mir unten durch. Und mit ihm nicht nur seine Bücher, sondern auch seine Musik (dabei hatte ich fast alle EoC-Alben gekauft, zwar nur im Second-Hand-Shop, aber gekauft).
Nun frage ich mich, ob dieses Verhalten für einen fast Fünfzigjährigen normal ist? Ist das nicht eher das Verhalten eines Halbstarken und kindisch? Vielleicht sogar irgendwie krank?
Die Bücher gab ich wieder in der Bücherei ab, die CDs trug ich gestern zurück in den Laden – und doch brachte ich es nicht übers Herz, sie dortzulassen. Element of Crime steht wieder, noch hier im Schrank. Ich hoffe, denen kann ich irgendwann eine neue Chance geben. Denn eigentlich mag ich die Musik und die Texte …
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 23. Mai 2012 war ein wunderbarer Nachmittag im Schatten unter Bäumen an der Saale mit einem sehr angenehmen Interview.
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Vor Jahren hatte ich „Herr Lehmann“ als Urlaubslektüre irgendwo an der Ostsee gekauft. Ich konnte nicht fassen, dass angeblich selbst Reich-Ranicki herzhaft lachen musste, wie auf dem Klappentext u.a. stand. Mir war überhaupt nicht zum Lachen zumute; ich fand das Buch grottenschlecht und konnte gar nichts vom Songtexter Sven Regener darin erkennen. Es war mir unbegreiflich, wie „Herr Lehmann“ so ein Erfolg werden konnte und noch verfilmt mit allen Plattheiten und Banalitäten.
Also liegt es vieleicht garnicht an mir?
Das ging mir mit einem Kabarettisten genau so. Bei einem seiner Auftritte hatte er recht ungehalten reagiert als er ungefragt fotografiert wurde. Da war ich so irritiert, dass nicht mehr wusste ob seine Spässe wirklich als Spass zu verstehen waren oder doch recht ernst waren. Seitdem mag ich ihn nicht mehr. Ich glaube man sieht in gewissen Personen ein Ideal und dann lernt man sie in einer Situation kennen wo plötzlich nichts mehr zusammenpassen will.
Ach ja, das wollte ich noch mitteilen. Ich bin grade auch recht trotzig und gleicher Jahrgang 😉 Nein, krank fühle ich mich nicht. LG von Mia
ich finde es nicht kindisch, eher ehrlich. und nachvollziehbar. respektive einfach menschlich. in aller gewordenen reife können wir uns manchmal nicht gegen vorurteile wehren.
ich habe „der kleine bruder“ seines schlichten umschlags und tiefen preises – völlig ohne jegliche kenntnis von autor, vorgeschichte und vorurteil – aus einer bücherverramschkiste gezogen und grad erst neulich gelesen.
muss sagen: ich mag es. nicht so, dass ich jetzt grad alles von regener lesen müsste. die musik kenn ich nicht (muss ich mich dafür schämen, nö, keine lust). aber ich mochte diese unmittelbarkeit im erzählen. wie die leute ticken. dieses kunstgehabe, dieses so leicht durchschaubare „ich-will-dazugehören“ und die damit zusammenhängenden werdeprozesse.
hätte ich alles, was du aufgezählt hast, gewusst, hätte ich vielleicht dem buch nie eine chance gegeben.
so sind wir menschen. irrational.
Ich habe das Buch vom Sohn bekommen und auch gelesen. Kann mich an einige Lacher erinnern und an bekannte Straßen und Plätze (bin ja Berlinerin). Nur an die Handlung erinnere ich mich nicht mehr.
Doch, ich kann das verstehen. Würde mir so gehen, wenn einer auf die Idee käme, mir einen Sarrazin zu schenken.
Aber es gibt auch Bücher, bei denen ich mehrere Anläufe brauchte. Eco gehört dazu, Der Name der Rose, bestimmt ein Dutzen Anläufe gebraucht bevor es mich packte. Die Korrekturen, hoch gelobt, irgendwann verschenkt ohne über zwei Kapitel hinausgekommen zu sein. Der Turm, ging einfach nicht.
Nee, an die Handlung von Herrn Lehmann erinnere ich mich auch nicht, auweia, schlechtes Zeichen, ich erinnere mich nur noch, dass der Roman in Berlin spielt, das ist alles.
Die Musik, äh … nie gehört.
Herzliche Grüße vom sonnigen Meer, gleich fahre ich mit meinem Boot raus 🙂
Ahoi
Klausbernd
oh Sven Regener. ist Sänger von Element of Crime? war mir in dem Moment gar nicht bewußt. vllt weil ich die Arbeit von dem Sein trenne? ich liebe ein paar Stücke von denen sehr. oke, das steht so gesehn auf einem anderen Blatt. ah alte Liebe rostet nicht. eija, ich hab auch meine Fehler ^^