Weltgeschichtentag (#080)

Erzähl doch mal

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Heute ist wieder einer dieser Welttage für irgendwas, die normalerweise niemand beachtet. Deshalb weise ich gerne darauf hin, daß heute, am 20. März, der Weltgeschichtentag ist. Er ist aus dem älteren Erzähltag in Schweden hervorgegangen und der Kunst des mündlichen Erzählens gewidmet. Menschen finden sich zusammen und lauschen der Sprache, die sie mitreißen, in Phantasiewelten entführen kann.

 

Seit 2004 wird jedes Jahr am 20. März der Weltgeschichtentag gefeiert. Die Idee, an einem festen Tag im Jahr die Aufmerksamkeit auf das mündliche Erzählen von Geschichten zu richten und sich weltweit mit anderen Erzählerinnen und Erzählern sowie Zuhörerinnen und Zuhörern verbunden zu wissen, war Auslöser für die Ausrufung des “World Storytelling Day”. Jeder Weltgeschichtentag steht unter einem bestimmten Motto. Diesmal dreht sich (fast) alles um das Thema “Bäume”.

 
Quelle: Lesen in Deutschland – Projekte und Initiativen zur Leseförderung in Deutschland 
 

 
Das gesprochene Wort kann nocheinmal ganz anders wirken als das “nur” still gelesene. Ein erzähltes Märchen wirkt anders als ein “nur vorgelesenes”.

Wortgewaltige Redner, Sprecher, Schauspieler und Erzähler gibt es noch immer – nur unter den Politikern sind die Sprachgewaltigen selten geworden in Deutschland.

Einige der von mir verfaßten, aufgeschriebenen Geschichten habe ich auch schon vorgelesen. Manches davon ist in meinem Soundcloud-Account zu hören. Doch wie dürftig höre ich mich an im Gegensatz zu einem wirklichen Künstler der gesprochenen deutschen Sprache:

 
Gut, Ben Becker hat Unterstützung und sicherlich mehr Stimmbildung als ich genossen. Aber das nenne ich stimmgewaltig, was und wie er da spricht! Wie er diese Geschichte erzählt! So möchte auch ich …

Erzählt Geschichten. Am einfachsten zur mündlichen Weitergabe geeignet sind Witze, also kurze, erheiternde Geschichten mit einer Pointe. Wer Kinder hat, darf auch selbst Märchen erfinden und die erzählen.

Und nächstes Jahr zum Weltgeschichtentag werde auch ich eine Geschichte erzählen, so, daß sie hörbar wird. Denn dann werde ich den Weltgeschichtentag nicht wieder vergessen.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 19. März 2012 waren eine geglückte Reparatur, ein Mitagsschläfchen und ein Wannenbad.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Weltgeschichtentag (#080)

  1. Himmelhoch sagt:

    Die Sache mit dem Weihnachtsgeschenk gefiel mir – vorgelesen oder rezitiert, meine ich. Beim ersten warst du mir zu starr in der Sprache, für die anderen war ich zu müde.

  2. Follygirl sagt:

    Schöner Beitrag… was es nicht alles gibt. Aber Geschichten erzählen in gemütlicher Runde, leider wird das viel zu selten gemacht.
    LG, Petra

  3. Inch sagt:

    Hm, ich bin ja viel draußen, mit Freunden. Da wird viel erzählt. Geschichten eben, die meist selbst erlebtes wiedergeben. Oder selbst gehörtes 😉
    Manchmal wird dann sogar aufgefordert, eine Geschichte noch mal zu erzählen.
    Als die Kinder noch klein waren, also bis sie etwa 12 waren, haben wir ihnen selbst erfundene Märchen erzählt. Märchen, die sich um sie herum abspielten. Mein Neffe, diese Art der Märchen nicht gewohnt, war davon dermaßen beeindruckt, dass er mich ein Jahr später am selben Ort noch einmal nach dem Troll fragte. (und immer seine Süßigkeiten bewachte. Denn Trolle, das weis man ja, klauen diese gern)
    Überhaupt hatten „fremde“ Kinder, die wir zu Jugendfahrten mitnahmen, manchmal Schwierigkeiten mit der Phnatasie der sie betreuenden Erwachsenen. Zumal wir die Märchen gern Wirklichkeit werden ließen, Teile davon jedenfalls.
    Aber wir sind eine Ausnahme, ganz sicher. Geschichten werden nur dort erzählt, wo Menschen die Couch vorm Fernseher verlassen und sich mit anderen Menschen zusammenfinden.
    Die Hoffnung, die bleibt, ist, dass wir unseren Kinder, den eigenen wie denen in den Kinder- und Jugendgruppen, zum Erwachsenensein diese Art des Zuasammenseins und Geschichtenerzählens

  4. christA sagt:

    Der wunderbarste Geschichtenerzähler, den ich kenne, ist Rafik Schami. Es war ein großartiges Erlebnis ihn zu hören. Viele Kinder und Erwachsene saßen um ihn herum und lauschten gebannt.

    Nun, heute sieht es in Damaskus leider anders aus.

  5. Elvira sagt:

    Erzählen verliert sich leider – es wird nur noch berichtet. Ich habe früher viel erzählt, ausgedachte Geschichten für die Kinder. Die Geschichten entwickelten sich während des Erzählens. Das war spannend!

  6. bauchundnase sagt:

    Ben hat eine wahnsinnig eindrucksvolle Stimme, auch wenn ich die Lesung selber leider etwas schwülstig finde.
    Das mit dem Weltgeschichtentag finde ich eine witzige Idee. Im Urlaub haben wir letztens sehr zur Freude der Kinder und weil wir uns am Tisch die Zeit vertreiben mussten, eine weitererzähl-Geschichte erzählt.

  7. Gudrun sagt:

    Emil, deine geschriebenen Geschichten finde ich rchtig gut. (Du weißt ja, der „Kramkalender“.) Erzähl sie mal. Das ist eine gute und eine schöne Idee. In Leipzig gibt es einen Hörspielsommer. Ich war erstaunt, wie viele Menschen dort waren. Warum nicht auch Geschichten zum Hören?

    • Inch sagt:

      Gudrun, das ist eine Superidee! Vielleicht sollte man ein Café, einen Pub oder eine Eckkneipe finden, die daran interessiert ist, sagen wir mal, einmal in der Woche einen Geschichtenerzähler einzuladen? Das muss kein Profi sein. Jeder, der möchte, kann sich melden. Das Publikum entscheidet letztlich, was gefallt und was nicht. Und die gefallen, können nochmal und nochmal eingeladen werden?
      Emil, wer das nicht was für Dich? Gibt es in Halle eine Kneipe, wo so was vorstellbar wäre?
      Hier in L.E. fiele mir da sofort das Waldi ein. Das ist auch BookCrossing Stützpunkt.
      Ach ja, und ich suche immer noch die Kneipe, wo einmal in der Woche ALLE zusammen singen. Also so eine Art Karaoke, nur nicht mit vor auf die Bühne und einzeln. Sondern vom Thresen oder Tisch aus und im Chor. Hach. Ich singe so gern.

  8. minibares sagt:

    Tja, erzählen, das gfibt es nicht mehr allzu oft.
    Schön, dass es solch einen Tag gibt.
    So eine Stimme wie Ben Becker ist schon gewaltig…

  9. Gabi sagt:

    Geschichten zu erzählen, muss einem aber auch gegeben sein. Ich kann das leider nicht und konnte das auch nie. Mir fehlt nicht nur die Idee zu einer Geschichte, sondern auch die Gabe, dass mir schnell genug die richtigen Wörter einfallen. – Darum schreibe ich lieber, lasse andere reden und höre ihnen gerne zu. 🙂

    lg Gabi

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