Waldschrats Jul
Wieder ein Märchen vom Waldschrat.
To get a Google translation use this link.
Der Waldschrat schreckte aus seinen Gedanken, als es heftig an seiner Haustür klopfte. Er blickte kurz zur Uhr – so spät schon? – und eilte, seine Freundin ins Haus zu lassen. Für das Julfest hat er sie eingeladen, auch um den Abend nicht allein verbringen zu müssen. Und weil er weiß, daß Kruziblicka Dreischlurb-Eier mehr als alles andere mag, hat der Waldschrat gar viele Goldstücke gegeben für zwei dieser wundersamen Eier.
Nun war Kruziblicka also pünktlich eingetroffen. Auch der Waldschrat war mehr als rechtzeitig fertiggeworden mit dem Hausputz und all den kleinen Vorbereitungen für den Besuch seiner Freundin. So blieb den beiden noch ein gutes Stündchen Zeit, um den neuesten Klatsch und Tratsch aus dem Halltal zu besprechen. Dazu saßen sie in der Küche neben dem Herd, in dem ein Feuerchen gar lustig vor sich hin prasselte. Der Tee, den Kruziblicka aus verschiedenen Kräutern selbst zusammengestellt und mitgebracht hatte, schmeckte vorzüglich.
Dann war es Zeit, die Herdplatte herauszunehmen und die goldene Pfanne direkt auf die Flammen zu stellen. Nur so nämlich geschieht, was das Besondere an den Eiern des Dreischlurbs ist: Sie schmecken jeden Tag anders passend zum Tag. Kruziblicka und Elim erinnerten sich an Bratäpfel, Thymian, Heidelbeeren und milde Radieschen, die sie schon geschmeckt hatten. Beide waren gespannt auf das, was heute geschehen würde. Elim schlug die Eier auf, Kruziblicka verrührte sie. Gemeinsam schauten sie zu, wie sich die Eier beim Braten leicht bräunten. Ein zarter Duft von Zimt und Kardamom durchzog die Küche.
Nach Zimt und Kadamom schmeckten sie auch, die Eier – fast wie ein Lebkuchen. Kruziblicka hatte Elim gebeten, ein Gedeck mehr aufzulegen und dort auch aufzutun. Manchmal, so sagte sie, sind zu Jul Lichtelfen zu Gast, die nur dann zu sehen sind, wenn keine Flamme, kein Mond- oder Sonnenlicht sie bescheint. Und während sie aßen, verschwanden in unbeobachteten Momenten winzige Bissen vom dritten Teller.
Nach dem Essen wurde der Abwasch erledigt und das Herdfeuer gelöscht. Nach und nach bliesen Kruziblicka und der Waldschrat auch alle Kerzen aus bis auf die eine auf dem Eßtisch. Schweigend saßen sie und sahen dem Mond zu, wie er hinter den Hügeln verschwand. Dann begann die Glocke Mitternacht zu schlagen, und beim ersten Glockenschlag blies der Waldschrat auch die letzte Kerze aus. Mit dem zweiten Glockenschlag wurde auf dem Tisch ein feiner Schimmer sichtbar. Und beim dritten war die Lichtelfe ganz zu sehen.
Sie saß dort auf der Tischkante, ganz silberweiß und von innen heraus leuchtend. In ihren blonden Haaren blitzen immer wieder Fünkchen, und die sich unablässig leicht bewegenden Flügelchen hinterließen Lichtspuren wie Sternenstaub. Der Waldschrat hatte ein solch zartes Wesen noch nie gesehen und noch nie eine so wunderschöne Stimme gehört wie die, mit der sich die Lichtelfe jetzt für die Bewirtung bedankte.
Und dann wünschte dieses Wesen dem Waldschrat und seiner Freundin noch ein sehr, sehr glückliches nächstes Jahr. Nie sollen Unglück und Mangel die beiden Gastgeber betreffen. Alle schlimmen Krankheiten sollen sie verschonen. Und mit dem zwölften Glockenschlag, während die Lichtelfe ihren Wunsch noch zuendesprach, schwebte ein glänzender Funke aus ihr. Gebannt verfolgten Kruziblicka und Elim das tanzende Lichtlein, das die Kerze auf dem Tisch wieder entzündet. Der Waldschrat und seine Freundin beobachteten die entstehende Flamme und erhaschten dann gerade noch einen Blick auf die mit einem glöckchengleichen Lachen verblassende Lichtelfe.
Nach einigen Minuten Stille wurden auch die anderen Lichter und der Herd schweigend wieder angezündet. Bis zum Abschied sprachen die beiden nicht mehr miteinander, so ergriffen waren von ihrem Julerlebnis. Kruziblicka umarmte Elim wortlos an seiner Haustür und ging mit einer kleinen Laterne langsam davon. Kurz darauf ging unser Waldschrat schlafen, steckte sich die Enden seines Bartes in die Ohren und träumte von einer Lichtelfe, die er ab morgen desöfteren bewirten wird.
Und euch, liebe Leser, wünsche ich euch eine ebenso wundervolle Nacht.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 22. Dezember 2011 war die aufgeräumte Schreibtischecke, die (fast) erledigte Rentenkontoklärung und ein gutes Gefühl am Abend.
P.P.S.: Sind hier Leser mit großem Latinum? Dann bitte ausprobieren!
© 2011 – Der Emil. Dieser Text steht unter einer creative common license für Deutschland 3.0
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung):
357 / 365 – One post a day (WP-count: 700 words)


Zauberhaft, Dein Waldschrat-Jul-Märchen. Vielen Dank dafür. Vor allem diese Eier sind ja deliziös … 😉
Pingback: 23. Türchen (Nº 357 #oneaday): Ein Weihnachtsmärchen | Germanys next Kabinettsküche
Um den Bart beneide ich den Waldschrat sehr, weil er die Enden des Bartes in die Ohren stecken kann. 😀
Lieber Emil, ich danke dir für die schöne Weihnachtskarte. Ich werde sie aufheben, weil deine Schrift sehenswert ist. Ich bin leider nicht zum Karten verschicken gekommen, denn mir fehlten tatsächlich die Worte in diesem Jahr. Ich habe es dann aufgegeben, am Stift zu kauen…
Und so wünsche ich dir eben so, ein schönes Fest. Lass dir deine Rouladen schmecken.
Sehr schön Dein Weihnachtsmärchen.
Ich wünsche Dir ein wunderschönes Weihnachtsfest!
lg Gabi
FRÖHLICHE WEIHNACHTEN
Herzlichst ♥ Marianne
Lieber Emil,
du hast mir eine große Freude mit deiner Weihnachtskarte bereitet. Die deutsche Schrift kann
ich sogar noch lesen, musste ich sie doch vor gefühlt 100 Jahren in der Schule im Zeichenunterricht lernen. Schön, diese Schrift mal wieder zu sehen. Ein wunderschönes Weihnachtsfest wünsche ich dir. Ich werde wahrscheinlich meine nicht vorhandenen Bartenden
in die Ohren stecken und schlafen gehen. Herrlich, deine Geschichte.
Lieber Emil,
Die und Deinen Märchenwesen wünsche ich ruhige und besinnliche Feiertage. Zwischen den Jahren lesen wir uns wieder.
Bis dann sei herzlich gegrüßt von
Elvira
Lieber Emil,
was für eine nette Geschichte, ich habe sie ganz gebannt gelesen.
Allein der Name Kruziblicka ist so herrlich, den öfter zu schreiben, erfordert schon Konzentration, lach.
Liebe Grüße und dir ein wundervolles, gesegnetes Weihnachtsfest ♥
…äußerst langweiliger Artikel…
Bitte. Meinung ist Meinung …
…und wer Kommentare erst moderiert, wird schon wissen warum. Darf ja schließlich nix NEGATIVES in den Kommentaren stehen…
Vielleicht recherchieren Sie einmal nach “Störerhaftung” u.ä. «Rechts»-Begriffen. Wer einmal zahlen mußte, wird einfach vorsichtig.
Und trotzdem wünsch‘ ich auch Ihnen, Frau Paschlompke, ein wundervolles Fest.
Was für eine wundervolle Weihnachts-Waldschrat-Geschichte. Tja, manchmal tauchen dann zum Jul auch Trolle auf. Wie immer zur Unzeit, aber das muss man dann auch wohl aushalten. Bitte nicht füttern.
Ich wünsche Dir ein wundervolles Weihnachtsfest zwischen Deinen Kerzen, Räuchermännchen und Lichtwesen. God Jul, wie man im hohen Norden zu sagen pflegt!