2. Türchen (Nº 336 #oneaday): Dezember

Mundartliches Gedicht

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Als Erzgebirger (nicht Erzgebirgler, darauf leg ich Wert, sonst gäb es ja auch Sauerländler) bleibe ich auch in diesem Jahr besonders zur Adventszeit mit dem Brauchtum, der Sprache und der Gegend verbunden. Heute erinnere ich mich mit und an Werner Kempf:

 
Werner Kempf

Dezember

 

Is es net schie, dos mr Gebirgler uns habm?
Zengstrem is Winter – kommt, ruck mr weng zam!
Dezember, wie gern mr dan Monat benennt,
do feiert mr Weihnacht un vorher Advent.

Sogar manch Alter werd wieder zum Kind,
Engel un Bargma werd agezündt,
’s Raachermannel nabelt drzu –
ich mog fei dan Monat, dar macht mich su fruh.

Guckt när, de Peremett dreht sich wieder,
kummt, singe mr doch e paar Haamitlieder,
un dodrzu loden mr de Nachbarschleit ei,
im Dezember soll niemand allaane sei.

Of dr Ufenbank is es gemütlich un warm,
do sitzt unner Maadel, is Püppel im Arm,
dos hot dr Rupprich mietgebracht,
horcht – Glockengeläut in dr Heiligen Nacht.

Suwos gibt uns Kraft, un Kraft brauchn mr viel,
zesammehalten müss mr, moch kumme wos will!
Oh Weihnachtszeit mach unner Harz doch weit auf,
Weihnachten drham, dr Haamit “Glückauf”!
 

Mei Schneebarg. Gedichte von Werner Kempf. S. 144
Br. Fr. Goedsche’s Buchhandlung OHG, Schneeberg
Druckerei & Verlag Mike Rockstroh, Aue, 2002
 
 

Einmal anhören? Bittesehr:

’s is nu emol de Sprooch vu drhaamm – oder for eich waar ichs geleich noch übersetzn:

 
    Ist es nicht schön, daß wir Gebirgler uns haben? / Rundherum ist Winter – kommt, rücken wir ein wenig zusammen! / Dezember, wie gern man den Monat benennt, / da feiert man Weihnacht und vorher Advent.
 
    Sogar manch Alter wird wieder zum Kind, / Engel und Bergmann wird angezündet, / das Raüchermännlein nebelt dazu – / ich mag tatsächlich den Monat, der macht mich so froh.
    Schaut nur, die Pyramide dreht sich wieder, / kommt, singen wir doch ein paar Heimatlieder, / und dazu laden wir die Nachbarsleute ein, / im Dezember soll niemand alleine sein.
 
    Auf der Ofenbank ist es gemütlich und warm, / da sitzt unser Mädel, das Püpplein im Arm, / das hat der Ruprecht mitgebracht, / horcht – Glockengeläut in der Heiligen Nacht.
 
    Sowas gibt und Kraft, und Kraft brauchen wir viel, / zusammenhalten müssen wir, mag kommen was will! / Oh Weihnachtszeit mach unser Herz doch weit auf, / Weihnachten daheim, der Heimat “Glückauf”!
 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 1. Dezember 2011 war ein erfolgreicher Besuch bei der argen Behörde.

 
    P.P.S.: Gestern starb 82jährig eine von mir sehr hochgeschätzte Schriftstellerin: Christa Wolf. Es gibt einen Beitrag dazu im Neunten Stock.
 

© 2011 – Der Emil CC by-nc-nd der_emil(at)arcor(dot)de

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Über Der Emil

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18 Kommentare zu 2. Türchen (Nº 336 #oneaday): Dezember

  1. ach ja schon wieder dezember und der countdown beginnt, diesmal ab 1. 1. 😉 liebe grüsse steff

  2. Follygirl sagt:

    Verstehen kann ichs schon, nur sehr ungewohnt der Zungenschlag…
    Hab einen schönen Tag heute, Petra

  3. Schön! Aber der Her Kempf sagt (oder heißt es „sogt“?) auch „Gebirgler“

  4. warfrank sagt:

    Do hot siech oder aaner Mieh gaahm …

    Schie!

  5. Inch sagt:

    Aber im Gedicht, dem in der Mundart, ist doch auch vom Gebirgler die Rede? Also hier bei uns sind alle, die so auf 500m und höher leben, Gebirgler.

  6. Himmelhoch sagt:

    Emil, auch ich wollte das gleiche wie der Medienkanz-l-er einwerfen – und leider hat mich deine Antwort nicht überzeugt. Du weißt: Keine Regel ohne Ausnahme – ich bleibe bei den Erzgebirg-l-ern, du hörst mich ja nicht.
    LG von Clara

  7. sweetkoffie sagt:

    Emil, das Gedicht gefällt mir. Noch mehr gefällt mir die gesprochene Version, denn den dialekt zu hören macht einen ganz besondere Note des Verstehens aus.
    Dank Dr, mei Gutster!

    SK

  8. Gudrun sagt:

    Lieber Emil, das Erzgebirge war nicht weit weg von meiner ursprünglichen Heimat. Das Lied vom Rachrmannl hat mir immer sehr gefallen und ich kannst sogar noch in Mundart singen. (zumindest denke ich das.)
    Und die Gebirgler hießen bei uns immer … Nee, lieber nicht, sonst verderbe ich mir’s noch. 😀

  9. M. sagt:

    Oh Arzgebirg wie biste schie, vun Frettich Ohmd bis Mantich frieh.
    .Griene Kließ un Schwamme-Brie. Ne treiche Bemm un Haarich-Brie.
    Mr sei ahm, wie mr sei un dös is gud su.

  10. nextkabinett sagt:

    *smile*
    Sag mal Emil, meinst Du, Du könntest Deine Türchen selbst in unserer Kabinettsküche posten? Damit würdest Du mich total entlasten, denn ich bin zeitlich richtig dicht. Marina postet ihre Türchen dort auch selbst. Ich werde es wohl nicht täglich schaffen, Deine schönen Beiträge dort online zu stellen. Es ist ja ein informelles Angebot, den Küchentisch dort zu nutzen.

    http://germanysnextkabinettskueche.wordpress.com/

    LG, Renate

  11. Wildgans sagt:

    Das Anhören war die reinste Erzgebirgsluft-duft in meinen Ohren….
    Rheinhessisch – uiiiih, des wär….naja, wie die in der ollen Sitzung „Mainz bleibt Mainz“ so reden…
    Ich liebe Dialekte- und Deine Stimme klingt nach Heimatliebe, so angenehm authentisch -gut!
    Gruß von Sonja

  12. der_emil sagt:

    Ich bleibe dabei: Erzgebirger. Oder, wie auch Anton Günther es schrieb (und sang): «Weil mir Aarzgebirger sei!»

  13. Pingback: Türchen No. 20 | Germanys next Kabinettsküche

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