Gewöhnung (Nº 235 #oneaday)

Oder Gewohnheit? Alltag?

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Es erstaunt mich immer wieder, wie schnell ein Mensch – in diesem Fall ich – sich an Angenehmes gewöhnt. Gewöhnt aber nun nicht in dem Sinne, daß etwas “nur noch aus Gewohnheit” getan wird, daß es außer dieser Gewohnheit keinen anderen Grund für das Handeln (oder Nicht-Handeln) gibt. Es ist nicht so, daß ich, nur weil ich keinen Grund habe, mit etwas aufzuhören, nicht damit aufhöre.

Da gibt es doch auch Liebenswertes, das auch in der Wiederholung so schön ist, bei dem ich mich jedesmal auf's Neue darauf und darüber freue, daß es geschieht. Und es ist unangenehm, schmerzhaft, es macht mich traurig, wenn die schöne Regelmäßigkeit unterbrochen oder gar abgebrochen ist.

Ich habe das erst letzte Woche wieder festgestellt.

Drei Wochen lang hatte ich donnerstags oder freitags Besuch von meiner Liebsten. Jetzt am Wochenende war das nicht möglich. Und ich war kurz davor, in mein großes, schwarzes Loch zu rutschen. Doch das ist nicht geschehen – aus mehreren Gründen.

Zum einen bin ich mit dem Sortieren in meinen Erinnerungen beschäftigt. Auch, wenn meine Erklärungsversuche für den einen oder anderen Fehler in meiner Vergangenheit die Gefahr bergen, daß ich mir diese wieder schöndenke, so glaube ich doch, daß einiges davon durchaus berechtigt ist und richtig ist.

Warum zum Beispiel habe ich mich nie ernsthaft um den Erhalt von Beziehungen bemüht, sondern immer eher halbherzig und unverbindlich gelebt? Es gibt da so romantische Annahmen und Aussagen über die “einzige, wahre, große Liebe”: Enthalten sie (mehr als) ein Körnchen Wahrheit?

Oder trauere ich da einem Phantom hinterher? Oder beschönige ich nur mein Versagen?

Doch, das, was ich “ausgrabe”, ist oft mit dem Makel des Versagens, des Falschgemacht, des Versäumt und Verpaßt versehen. Nur diese Frau und das, was ich da fühle, haben dieses Etikett nicht (und ich hoffe, daß ich es auch noch von ganz vielen anderen Sachen ablösen kann).

Vielleicht, weil ich es eben als angenehm empfinde, was da geschieht? Weil es einfach nur schön ist wie früher, noch Urlaub ist vom Alltag – und weil ich mir das sogar als Alltag vorstellen und wünschen kann?

Ich werde darauf achten, daß ich mich daran gewöhne und es nicht zur ”Gewohnheit“ im schlechten Sinne verkommen lasse.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 22. August 2011 war, daß ich mich über die Blödheit in einem Amt nicht länger als 5 min echauffiert habe, und daß ich noch immer aus der Ferne helfen kann bei Reparaturen.

© 2011 – Der Emil CC by-nc-nd der_emil(at)arcor(dot)de

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Gewöhnung (Nº 235 #oneaday)

  1. Gisi sagt:

    Ich denke es sind die Verletzungen vor denen man
    sich irgendwann schützt oder besser gesagt: “ Eigenschutz!“
    Es hat nicht’s mit Gewohnheit zu tun oder vielleicht doch,
    weil, alles was schön war, daran hängt man, es sind Erinnerungen,
    die man nicht loslassen kann und doch tut man es…weil das Herz
    sonst nur noch Schmerzen spürt!
    Meine Gedanken sind so, mittlerweile,
    weil ich nicht mehr leiden möchte!

  2. Ilona Form sagt:

    Moin lieber Emil,,,,,wer hat nicht lieber Angenehmes, als Unangenehmes ????
    Butter bei die Fische !!!!!
    Alles Gute Illo.***

  3. wupperwasser sagt:

    Es hört sich so an, als würden Sie sich das Etiketten kleben abgewöhnen. Find ich gut, weil es in meinen Augen für eine differenzierte und reflektierte Betrachtungsweise von Gedanken, Handlungen und Gefühlen steht. Andererseits hilft uns das Etikettieren ja auch dabei mit belastenden Situationen umzugehen. Sie hatten also sicherlich gute Gründe, weswegen Sie in der Vergangenheit so und nicht anders gehandelt/gedacht/gefühlt haben. Der Kraftaufwand sich zu sortieren und dem auf den Grund zu gehen muss enorm sein. Mutig, dass Sie sich dem stellen.
    Lieben Gruß,
    Wupperwasser

    • der_emil sagt:

      So groß ist der Mut nicht – oder: es ist der Mut der Verzweiflung, der mich antreibt.

      Beim Etikettieren gehe ich nun nicht mehr nach dem äußeren Anblick, sondern schau mir an, was da in den diversen Schachteln und Schächtelchen ist; das ist alles.

      Danke für den Kommentar und herzlich willkommen hier.

  4. minibares sagt:

    Es kann nicht sein, dass nur DU alles falsch gemacht hast. Da ist gewiss vieles zusammengekommen, dass es dann nicht passte.
    Aber du hast Recht, man sollte sich das Gute, das einem täglich oder regelmäßig widerfährt nicht als normal annehmen.

  5. ah jetzt wollt ich schon die Gewöhnung kommentieren, ohne den Artikel gelesen zu haben. aber wie ich schon mal an anderer stell bemerkte: Eigentlich liebe ich die Langeweile. Nur kein Stress.

    so. aber jetzt les ich doch mal. mom. ja, vllt sollte man sich daran gewöhnen, dasses is wies is oder macht man was ma will?

    wer aber die “einzige, wahre, große Liebe” gefunden hat, sollte an ihr festhalten. glaubsch mal. solang es nur irgendwie geht.

    aber dabei immer locker bleiben. (H)

  6. freidenkerin sagt:

    Du wirst dich bestimmt an das Gute, Angenehme, die Liebe, die Schönheiten des Lebens gewöhnen. Sie aber nie zur Gewohnheit werden lassen. Dafür bist du viel zu ernsthaft, zu gewissenhaft, zu ehrlich, vor allem dir selbst gegenüber…

  7. mayarosa sagt:

    Mir blubbern gerade so mehrere Gedanken durch den Kopf, wenn ich dein Post lese.
    1. Et iss wie et iss. Et kütt wie et kütt. Und: Et hätt noh immer jut jegange.
    2. Leben ist das was passiert, während wir andere Pläne machen.
    3. Wir Meschen sind Gewohnheitstiere. Unser Gehirn ist darauf trainiert. Die ganze liebe Evolution lang. Das hat ja auch viele Vorteile (sonst hätte uns die Evolution nicht so gebaut)
    4. Achtsamkeit ist wichtig. Dankbarkeit auch. Und Demut.
    5. Wer sich nimmt, wie er/sie ist und akzeptiert, dass er/sie Fehler macht, lebt leichter.
    Iss‘ nicht so, dass ich mich nicht furchtbar – wahlweise über mich oder über andere – aufrege. Der Weg zu meinem inneren Buddha ist weit. Aber dahin möchte ich gerne gelangen.

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