Aus meiner Leseempfehlung vom 06.03.2011
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Es ist ja nicht immer leicht, seinen Humor zu behalten. Insbesondere, wenn mensch die Nachrichten im Radio oder im Fernsehen verfolgt. Gestern war es mal wieder soweit: Ich brauchte Ablenkung.
Nein, mein eigenes Kopfkino reichte dazu nicht aus, ich wollte mal wieder richtig lachen. Also griff ich auf dieses Buch zurück.
Und heute verkneife ich es mir nicht, eine der vorgestellten “Krankheiten” hier zu zitieren:
Begriffs-Verrenkung | lat.: logo pogo
Beschreibung:
Schmerzliches Winden, Herumlavieren und Herumdrucksen politisch korrekt erzogener Ü-30er, die um die einfachsten Begriffe einen wahren Veitstanz aufführen.
Folge:
Der Begriff schwillt zu einem riesigen Begriffs-Ungetüm an.
Mögliche Auswüchse:
- Ausländer: Mitbürger mit Migrations-Hintergrund
- Dicker: Mitbürger mit Expansions-Hintergrund
- Mutter: Mitbürger mit Kopulations-Hintergrund
- Wichser: Mitbürger mit Masturbations-Hintergrund
- Makler: Mitbürger mit Kautions-Hintergrund
- Ossi: Mitbürger mit Annexions-Hintergrund
- Trinker: Mitbürger mit Degustations-Hintergrund
- Frau: Mitbürger mit Beziehungsdiskussions-Hintergrund
- Schwuler: Mitbürger mit Innendekorations-Hintergrund
- Klofrau: Mitbürger mit Kanalisations-Hintergrund
- Teenager: Mitbürger mit Hormon-Hintergrund
- Toter: Mitbürger mit Obduktions-Hintergrund
Obacht:
Besonders angeschwollene Begriffe können zu Maulsperre, Kieferbruch und Schäden im Rachenraum führen.
Nina Puri: Ü-30 Krankheiten. Knaur 2009. S. 28
ISBN 978-3-426-78249-1
Na gut, nicht jedermanns Humor, aber: geht so.
Ich könnte fortsetzen mit Kriegseinsatz: bewaffneter humanitärer Hilfseinsatz in Konfliktgebieten (oder wie war das damals?), Steuergeschenk: Wachstumsbeschleunigungsgesetz; Zensur im Internet: Jugendmedienschutzstaatsvertragsnovelle, Kopie: wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung eines akademischen Grades usw. etc. pp.
Oh weh! Was wird nur aus unserer Sprache gemacht im Zuge von gender mainstreaming und political correctness und Europäisierung?
Und nun, wenn ich jetzt etwas genauer über die Begriffs-Verrenkung nachdenke, dann gibt es die nicht nur bei Ü-30ern, sondern sie scheint Bedingung für eine Verwaltungs- oder Politiklaufbahn zu ein.
Jetzt weiß ich also, wo ich nie arbeiten werde …
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 13. Juli 2011 waren die erledigte Überweisung, die fertiggestellten Bilder und der abgeschickte Brief.
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Hintergruendig …
*Lach!* 😆 Wenn ich mir mein Feinkostgewölbe so ansehe, dann denke ich, zähle ich auch schon zu den Mitbürgerinnen mit Expansionshintergrund. 😉
Einfach toll geschrieben. ♥
ich schreibe später dazu, muss denken, nachdenken!
Mitbürger mit Expansions-Hintergrund finde ich aber sehr schön. Werde ich sofort in meinen Wortschatz aufnehmen. Darf ich ja auch, bin ja Ü30
Herrlich 🙂 – habe herzlich gelacht und weiß gar nicht was mir am Besten gefällt.
Und lieber Emil, ich habe mir erlaubt, eines der weiter unten stehenden Bandwurmwörter für meine Blogsammlung zu kopieren: http://mayarosasweblog.wordpress.com/2011/07/04/bandwurmworter-ergebnisse/#comment-2760
Zum Ausländer muss ich noch was sagen. Da irrt sich die Autorin nämlich ein bisschen: Da geht es weniger um politische als vielmehr um sachliche Korrektheit.
Der Begriff Ausländer bezeichnet die Staatszugehörigkeit – in Deutschland ist ein Ausländer also nicht-Deutscher (US-Bürger, Japaner, Türke, Franzose, Thai, Rumäne, Pole, Luxemburger, Brite etc.) Die Staatszugehörigkeit steht im Pass. Man sieht sie den Menschen nicht an.
Aus der Grundschule meines Sohnes gesprochen:
Die Mutter eines Schulfreundes ist Irin, also Ausländerin. Bei ihrem Sohn weiß ich nicht, ob er Deutscher oder Ire oder beides ist. Ist auch egal. So blond wie die beiden sind, würde sie niemand „Ausländer“ nennen.
Das gleiche gilt für das Mädchen mit französischen Eltern in der Klasse meines Sohnes und den Jungen mit der kroatisch-stämmigen Mutter (da weiß ich auch nicht, welche Staatsbürgerschaft sie hat, ich nehme an, Deutsche).
Bei Hasan und Yousuf und Aishe und Hamid und Ali und all den Kindern mit asiatischen Gesichtszügen oder brauner Hautfarbe ist das anders. Die sehen anders aus, egal ob sie Deutsche sind oder Ausländer. Insofern hat der Begriff Migrant (im Ausland geboren und ausgewandert) oder Migrationshintergrund (in Deutschland geboren/Eltern oder Großeltern im Ausland geboren und ausgewandert) eher mit sachlicher und nicht unbedingt mit politischer Korrektheit zu tun.
(Meinen versprochenen Text hab‘ ich nicht vergessen, hatte nur noch keine Zeit)
LG
Könnte man dann die Mibmimihig nicht wie früher einfach Einwanderer, Zugezogene oder Zugroaste nennen?
Ich warte auf den ersten Kommentar eines Mibmiobdhig …
In Köln heißen die Nicht-Kölner Imis, als Abkürzung von Immigranten. Da weiß sich der Volksmund zu helfen. Wobei aus kölscher Sicht ein in Köln geborener Ali mit Mighig eher ne kölsche Jung wär als ich in Franken geborene. Isch bin ene Imi. Und das ist in Köln völlig wertfrei.
Die Zuazognen in Bayern sind nicht gleichwertig. Ich habe den Begriff in der Tendenz eher als abwertend im Sinne von „nicht echt“, „kein Original“, „fremd“ und „nicht dazugehörig“ erlebt.
Warte mal, hatte ich dazu nicht mal was auf meinem Blog? … moment…. wühl… hab’s gefunden: http://mayarosasweblog.wordpress.com/2010/11/11/integration-op-kolsch/
Du hast natürlich recht, Menschen, die im Ausland geboren sind und zum Beispiel nach Deutschland eingewandert sind, sind Einwanderer. Deren Kinder, also die in Berlin, Köln, Hamburg etc. geborenen Murats, Aishes, Yousufs etc sind dann Einwandererkinder und deren Kinder Einwandererenkel… ob das auf Dauer besser ist?
Für die sauberen Deutschmeister in den Amtsstuben bist du nicht unfreiwillig komisch genug, deine Neuschöpfungen sind nicht verharmlosend bzw. -niedlichend, zu konkret. Es müssen verklausulierte Kosenamen sein, die mit ihrem hohen Süssholzgehalt das Gehirn lähmen, die Beispiele aus dem Buch sind nicht wirklich überspitzt:
Kriegseinsatz: Nachbarschaftshilfe mit Aggressions-Hintergrund
Steuergeschenk: Wirtschaftsförderung mit Korruptions-Hintergrund
Zensur im Internet: Jugendschutz mit Manipulations-Hintergrund
Plagiat: Doktorarbeit mit Reproduktions-Hintergrund
Hier noch ein Beispiel, wie doof beide Seiten (PC & Non-PC) sein können:
http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Rassistisch-Pappkamerad-sorgt-in-Augsburg-fuer-Aerger-id15676586.html
Nun, vom Hintergrund wollt ich mit meinen Beispielen weg, die ja nicht von mir, sondern aus dem allgemeinen “Sprach”gebrauch in “Medien” oder Ämtern stammen.
Ich finde das Plakat übrigens ganz gut, würde würde sogar mit meinem “Weng-eng” dem Hinweis von Meister Da Lang folgen können 😉
(Weng-eng: {kolportiert} ostasiatische Bezeichnung des Trabant P601 und seiner Vorgänger)
ich finde da-lang lustig. Und weng-eng kann ich spontan spüren. Wohnte Ende 1989 noch im Zonenrandgebiet und bin viel in Trabbis mitgetrampt. Weng-eng stimmt 🙂
Andererseits kann ich die Empörung verstehen und ich glaube ich verstehe auch den Unterschied: Manche Dinge kann man sagen, aber nicht schreiben. Wenn Privatleute Witze machen hat das eine andere Wirkung als wenn das Unternehmen oder Kommunen tun. Und da liegt irgendwo der Unterschied.
MIr fällt da spontan ein Beispiel ein:
Letztens im Hotel machte eine Frau einen echt zotigen Männerwitz (einen recht frauenfeindlichen). Klar habe ich gelacht.
Käme dieser Witz in einer Männerrunde, hätte das bereits eine andere Qualität und es käme auf die Kerle bzw. meine Einschätzung derselben an, ob ich darüber noch lachen könnte.
Wäre dieser Witz Teil einer Autowerbung, fände ich ihn geschmacklos.
Da ist aber auch gleich wieder was diskriminierendes drin: Zonenrandgebiet. Staatlich verordnete Diskriminierung war das. Das mein ich jetzt ernst, denn es gab viele DDR-Bürger, die sich (trotz allem) mit ihrem Land identifizierten und seine Herabstufung zur (abwertend augesprochenen) “Zone” oder härter noch “Soffjett-Zone” und sich irgendwie – naja, Du weißt schon …
Grins. Siehste. Da bedeutet das Wort für dich was ganz anderes als für mich. Ich bin 1 km weg von der DDR aufgewachsen auf eine Landzunge ohne Meer dafür mit Mauer drum rum. Im Westen am Ende der Sackgasse. Für mich bedeutet Zonenrandgebiet: wirtschaftliche und kulturelle Diaspora. Da, wo die Scheibe zu Ende ist.
Also das Randgebiet im Westen ist die Diaspora. Was hinter der Mauer war, war ja unzugänglich.
Oh, diese Nina Puri hat also noch andere Bücher gemacht, toll.
ich habe von ihr (+CO-Autorin) das auch sehr witzige „Elternkrankheiten. Geschickt vorbeugen.Messerscharf erkennen. Erfolglos behandeln.“ Das ist im selben Stil aufgemacht, so mit Latein und A bis Z.
eija, so lang es immer noch was gutes gibt, gehts ^^
also, was positives in dem Sinne (H)
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