Einblick I
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Als ich am Donnerstag bei einem Termin noch warten mußte, fiel mir ein IRRGARTEN in die Hände. Das ist eine Zeitschrift, die sich “Sprachrohr für Menschen mit psychischen Störungen” nennt. Darin fand sich ein Text über somatoforme Krankheiten und ein Interview mit einem Betroffenen. Der erwähnte etwas von einem “Positiv-Buch, wo ich mir notiere, was positiv am Tag war. Das ist nicht immer einfach.” (IRRGARTEN 2. Ausgabe 2011, S.8)
Eine therapeutische Empfehlung, jeden Tag etwas Positives zu bemerken und zu notieren. Das könnte ich zum Beispiel in meinem Kalender tun, zuerst im Moleskin und dann im KdePIM mit eigener Kategorie.
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr verwirrt mich dieses Positiv-Buch allerdings auch. Ich sah mich freudestrahlend ein besonders gutaussehendes PaperBlanks vorbereiten und mit besonders sorgfältiger Schrift Eintragungen vornehmen:
Montag. Zum ersten Mal notiere ich etwas in meinem Positiv-Buch.
Dienstag. Ich gönnte mir eine Wannenbad und eine Extra-Portion Haarspülung.
Mittwoch. Endlich habe ich einen Brief fertiggeschrieben.
Donnerstag. Heute gab es Nudeln mit wirklich selbstgemachter roter Soße.
Das sind doch alles Dinge, die normal sind? Bin ich schon so kaputt, daß Normales für mich positiv ist? Nein, ganz sicher nicht. Deshalb werde ich solche Dinge wohl auch nicht notieren. Aber was war denn dann an all den Tagen positiv?
Ich lasse die Szene vor meinem geistigen Auge nocheinmal ablaufen und notiere diesmal:
Montag. Der Papierkram, den ich unbedingt sortieren wollte, liegt noch immer unberührt da. Versager!
Dienstag. Das Bad wollte ich putzen. Ich hab alles wieder an seine dreckigen Plätze geräumt. Versager!
Mittwoch. Das Schreiben für die Behörde ist wieder nicht gemacht. Versager!
Donnerstag. Weder habe ich meinen Eßtisch abgeräumt noch meinen Abwasch erledigt. Versager!
Ich finde täglich einen normale Sache, die ich wahrscheinlich positiv bewerten sollte – und ein bis zwei Dutzend andere Dinge, in denen ich versagt habe. Daß das eine Frage der fehlkonditionierten Selbstwahrnehmung ist, weiß ich sehr wohl. Aber alleine kann ich das nicht ändern, und das weiß ich nicht erste seit gestern oder heute. Denn ich geh seit bald zwei Jahren zur SHG und habe ein Jahr ambulante Therapie gemacht.
(Leider. Denn nicht ein Mal habe ich dabei meine Maske abnehmen können. Wieder und wieder habe ich eine Rolle gespielt. Mit Unwahrheiten, Ablenkung, Verschweigen und Flucht in ein Verhalten, von dem ich annahm, daß der Therapeut es erwartet oder zumindest als Köder akzeptiert. Damit das mich wirklich Belastende nicht zur Sprache kommt. Dramatisieren, beschönigen, lügen – damit ich interessant bleibe …)
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
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Lieber Emil, das klingt schwierig. Und doch möchte ich dir danken für diesen Post, hast du mich doch dazu gebracht, in meinen Blog zu wühlen, weil ich mich an diesen Post erinnert fühlte und ihn suchte; http://mayarosasweblog.wordpress.com/2010/05/10/gedankensplitter-mitten-im-leben/
Und wie das so ist, wenn man etwas sucht, dann findet man noch ganz andere Dinge, wie das zum Beispiel: http://mayarosasweblog.wordpress.com/2010/06/29/entscheidung-wege-und-irrwege/ und das auch noch: http://mayarosasweblog.wordpress.com/2011/02/22/probleme-losen/
Ich hoffe, du findest das jetzt nicht blöd mit den Links. Sonst lösche sie.
Dank dir jedenfalls und vielleicht sollte ich selbst mal genauer hinsehen, was ich im letzten Jahr alles so in mein Blog geschrieben habe. Liebe Grüße, eine gute Nacht und gute Gedanken für den nächsten Morgen. Wünsche dir, dass du voran kommst in und mit dir 🙂
Dankefein. Eines davon war wirklich gut für mich …
Welches denn?
http://mayarosasweblog.wordpress.com/2011/02/22/probleme-losen/
Also ich finde, wenn es soviel Dinge gibt, die Du mit dem Wort Versager beendest, solltest Du wirklich anfangen mit dem Positiv-Buch. Wirklich!
Aber … wenn ich nix positves finde …oder das andere offensichtlich ist und ich das Gute verzweifelt suchen müßte mit dem Gefühl, daß es dann doch nicht echt ist …
Du hast doch was Positives gefunden! Nur erscheint es Dir als zu banal. Du siebst also aus, fast als wolltest Du nichts Positives finden. Ich finde dagegen, nicht beseitigter Papierkram, ein ungeputztes Bad oder ein unerledigtes Schreiben an die Behörde sind genauso alltäglich/banal. Du aber bezeichnest es als Versagen. DESHALB sag ich, schreib die positiven Dinge auf. Bewerte sie nicht nach unwichtig und wichtig, weil das ist subjektiv. Am Ende wirst Du ein Büchlein haben, in denen die positiven Dinge überwiegen, da bin ich sicher. Du musst nur lernen, sie als solche zu akkzeptieren.
Nachher kommt die Fortsetzung …
Schau doch mal rein 😉
Das ist nachvollziehbar schwierig, wenn die integrierte Stimme die Dinge gegeneinander aufrechnet und somit den positiven Genüssen das Daseinsrecht abspricht, ähnlich wie der Versuch, wenigstens mal über einen Tag negative Ausdrucksweisen zu vermeiden.
Also ich gebe dir hiermit mal etwas zurück was DU mir mal an meinen Kühlschrank geheftet hast:
*ganz fett gedruckt* – Nicht das Schlechte suchen – das Gute finden!
*normal geschrieben* – Nicht das Unglück verdirbt den Verstand, sondern das Grübeln über noch nicht geschehene, vielleicht unter aller widrigsten Umständen eventuell entstehende Unglück.
Ich sage Dir einfach mal das was du mir immer wieder sagst: „Denke Positiv“!!!
Wenn du reden magst, du weißt, ich bin auch für Dich JEDERZEIT da. WIRKLICH!!!!
Allen Lesern wünsche ich einen schönen Samstag und einen entspannten Sonntag.
Darauf hab ich ja gewartet … Danke.
Wenn’s nur so einfach wär – aber das weißt Du auch!
Ich selber habs ja nicht so mit Therapien… zum Glück kam ich immer irgendwie wieder aus allem raus..
Eines der Dinge, die mir gutgetan und auch geholfen haben, ein „Danke Tagebuch “ zu führen. darin wurden jeden Tag FÜNF Dinge aufgeschrieben, für die ich Dankbar bin.
(Ich bin dankbar, das … oder Ich bin dankbra, weil…) hört sich leicht an ist es aber nicht. Will man nicht jeden Tag das Gleiche schreiben, muß man schon sehr aufmerksam werden … eben für die kleinen und ganz kleinen Dinge, für das „normale!“
Ich hab schon ein paar mal darüber geschrieben… und es haben auch einige diese Idee aufgegriffen (nein ist ist nicht von mit, ich hab sie von Opa…)
LG, Petra
PS: Sorry für den langen Kommnetar, ich hasse sowas wie die Pest… sonst lösche es ruhig hinterher.
Aber warum soll ich’s denn löschen?
(Bis vor zwei Jahren kam auch ich ohne Therapie hin. Aber dann eben nichtmehr)
Deines Opas Danke-Tagebuch ist auch eine Idee, die funktionieren kann. Mir gefällt sie sogar besser als das Positiv-Buch 😉
OH , ich meinte Oprah Winfrey, bei der hab ich das kennengelernt. Ich hab kaum noch erkennbare Tasten, und blind kann ich leider nicht gut schreiben.
(Löschen…weil ich lange Kommentare echt ätzend finde!) LG, Petra
Ah – Ophra Winfrey … Aber trotzdem ist die Idee gut, und immernoch gefällt sie mir besser.
Wie Du übrigens hier sehen kannst, gint es längere Kommentare als Deinen – und ich mag sie 😉
Ich nicht… aber so sind die Menschen eben verschieden…gut so…
Wünsche einen schönen Sonnntag, Petra
Nimm doch einfach einmal positive Erlebnisse die nicht in deinen eigenen vier Wänden geschehen. Momente die nicht in deiner Wohnung und auch nicht in deinen Gedanken abspielen. Und auch wenn du so siehst das es alles normal ist, so sind es aber immerhin Dinge die du nur für dich getan hast. Du hast dir die Zeit genommen und hast dir eine Wanne gegönnt. Nicht jeder nimmt sich heute diese Zeit.
Du hast einen Brief geschrieben vor dem es dir lange gegraut hat, also bis du über deinen eigenen und persönlichen Schatten gesprungen.
Du hast für dich gekocht und nicht nur einfach irgendein Fertiggericht sondern du hast dir die Mühe gemacht alles ganz frisch zu zubereiten und das alleine nur für dich.
Die kleinen Wunder und die Schönheit der Lebens steckt nur im Leben selber. Unser Leben besteht aber aus unserem Alltag. Aus den Dingen die wir für vollkommen normal erachten. Also kannst du die positiven Dinge genauso auch nur darin finden und entdecken. Genauso wie die negativen. Jedoch geht es bei den positiven Buch doch auch darum, das denken zu ändern und nicht mehr sich destruktiv niederzumachen, damit man sich wie ein Versager fühlt, sondern auch wieder die Schönen Dinge in die Gedanken und somit ins Leben zu lassen.
Also mein Positiv Buch würder so ausschauen.
Montag: ein Traumhafter Sonnenaufgang mit einem Vogelkonzert vom Dach unseres Hauses aus. Ein schönes Telefonat mit meinem Vater, weil er Geburtstag hatte und sich wirklich darüber freute, und das obwohl ich sein Ritual die Tagesschau störte.
Dienstag: Ich habe in einem Straßenkaffe gesessen udn bekam wieder einmal de ganze Zeit tierischhen Besuch. NUr das es diesmal nicht Raben waren sonden Spatzen, die sich direkt vor mich auf den Tisch setzten und da ihre Zeit verbrachten.
Mittwoch: Endlich beginnen die Ferien und ich brauche für 6 Wochen nicht mehr in die Schule und kann mich von der Verblödungsmaschinerie unserer Gesellschaft und Bildungspolitik erholen.
Donnerstag: Ich habe einen freien Nachmittag und ich verbringe ihn nur noch mit Ungestörtheit und mit Schreiben.
Freitag: Kind möchte seine Ruhe, somit haben wir einen faulen Tag und ich kann weiter schreiben.
Natürlich könnte ich auch sagen, was für eine Scheiß woche. Diese ganzen Intriegen Politischen Machenschaften gegen die ich ankämpfen musste. Und meinen Ferienbeginn verbringe ich erst einmal mit einem Schub. Aber wieso, wenn ich die Liste der Erlebten Dinge darüber lese, dann bin ich dankbar für alles was ich erleben darf, denn das positive überwiegt und somit verliert das Negative sein Gewicht.
Also lebe einfach alles mit offenen Augen und klaren Blick. Mit all deinen Sinnen und beginne immer bei dir, doch höre auf dir immer das Leben schwerer zu machen, denn es sind nur deine Gedanken mehr nicht. Deine Gedanken die dich zu dem machen was du bist. und was du fühlst.
schicke dir ganz viele liebe Grüße zu dir
Ach Emma, es gibt aber Tage, da geh ich nicht aus meinen vier Wänden raus.
AUßerdem: Es kommt ja noch eine Fortsetzung.
Guten Morgen lieber Emil, Du schreibst tolleBlogs, Du machst wunderschöne Fotos,Du hast
tolles auszudrücken;;;wo ist da der VERSAGER. Du bringst uns zum grübeln und zum lachen.
Seh es mal von dieser Seite….Optimismus statt Pessimismus..Ich sag immer noch;;
DAS LEBEN IST SCHÖN !!! Auch das unserer Family.
Sei ganz lieb gegrüsst von Illo.*******
Ganz ehrlich: Wenn ich das Leben nicht auch schön finden würde, hätt ich es nicht so lange ausgehalten.
Nur manchmal, dann drückt es mir aufs Gemüt.
Danke!
Emil gib Dir Recht, oft gehts an die Substanz und dann aushalten,sag ich mir,
stark bleiben. Wenn die Seele weint sieht man keine Tränen…..Und;;;;
DAS LEBEN IST SCHÖN !!!!!!
Positives sehen fängt mit den kleinsten Dingen an und wenn dazu gehört, die selbst gemachte Soße aufzuschreiben, dann ist das völlig in Ordnung.
Alles Negative hat immer positive Seiten. Das sollte man sich merken und man muss sie nur finden wollen. Keinesfalls darf man den ersten Satz umkehren, dann ist man auf dem völlig falschen Weg 😉
Ich habe ja auch ein Motto, daß mit Deinem Hinweis „spielt“: Ich bereue nur, was ich nicht getan habe …
Ich meine schon, dass es diese kleinen Dinge des Alltags sind, die uns erfreuen, und eben auch positiv zu bewerten sind. Das Lächeln eines Fremden, der Anruf eines Freundes, eine schöne Blüte. Es gibt so viele kleine, überraschende, nicht erwartete, schöne Momente am Tag.
Ok,mit dem Aufräumen hapert es bei mir auch gewaltig…. jaaaa, ich gebs zu. Muss ich auch mal was dran ändern……
Genau das übe ich gerade wiedereinmal, diese Momente zu bemerken.
… ich weiß nur eins das es sehr schwer ist Ängste zu überwinden und im Grunde genommen kann niemand hefen nur der jenige der da drinnen fest sitzt, muss sich irgendwie überwinden bzw. irgendwie Kraft finden gegen die Situation anzukämpfen … das ist immer sehr leicht gesagt aber sehr schwer umzusetzen …
alles Liebe …und einen schönen Tag 😉
Mir wurde die Angst vorm Versagen sehr nachdrücklich anerzogen …
Manchmal beutelt einen das Leben ganz schön. Und dann nimmt man die vielen kleinen und schönen Dinge und Erlebnisse einfach nicht mehr war. Man glaubt, esreicht noch ein Wattebällchen auf die Schultern und man geht in die Knie. Positives und Schönes, glücklich Machendes wieder zu sehen und zu erleben ist möglich. Und es betrifft auch alle Menschen, weil ja alle so etwas wie eine Seele haben. Jede Seele wird krank, wenn sie nur Düsternis erlebt.
Für den einen ist es vielleicht ein großes Glück, die Schnürsenkel richtig zubinden zu können. Und das schreibt der eben in sein Tagebuch. Es ist eben für jeden anders und beurteilen kann das auch nur jeder selbst.
Das Wort „Versager“ finde ich so schrecklich. Meist hört man das als Schimpfwort. Zu sich selber sollte man das nie sagen. Egal in welcher Situation man ist.
Liebe Grüße von der Gudrun
Das mit dem Wattebällchen, das trifft es. Und ich weiß ja, daß Schönes möglich ist – und glaub trotzdem manchmal nicht dran.
Übrigens sag nicht ich dieses Wort zu mir, es ist ein Echo aus der Vergangenheit. Aber es wirkt immernoch …
Lieber Emil, ich persönlich halte ja diese Positivbüchlein für einen ziemlich üblen Humbug, besonders wenn sie noch mit Verpflichtung daherkommen, jeden Tag eine vorgegebene Anzahl schöner Ereignisse abzuarbeiten. Die Pervertierung eines pfiffigen Grundgedankens, besonders wenn er Menschen anempfohlenen wird, die an Leistungsdruck zerbrochen sind. Demnächst werden wir wohl noch Freuarbeit leisten müssen, die Trauer ist uns ja schon durch Trauerarbeit enteignet worden.
Und wer entscheidet eigentlich, wer ein Versager ist. Je älter ich werde desto mehr bin ich der Überzeugung, die Versager sind die, die ihr ganzes Leben damit vergeuden, in dieser Gesellschaft zu funktionieren. Dazu muss man nämlich schon verdammt gefühlsarm und gedankenfern sein.
Emil, das soll dir doch erst mal einer nachmachen, zusammenbrechen und trotzdem weiter zu machen, den Mut haben, sich öffentlich zu den eigenen Problemen zu bekennen. Dich selber schlecht zu fühlen und gleichzeitig Menschen mit deinen Blogbeiträgen zu erfreuen.
Ich seh das Positiv-Büchlein (oder das Denke-Büchlein) als ein Hilfmittel an, das ich nutzen darf, aber nicht muß. Vielleicht kann es meinen Fokus verändern?
Und dieser Blog hier, diese von mir selbst mir auferlegte Mühe, tagtäglich etwas Sinnvolles zu schreiben, etwas zu verfassen, daß es in meinen Augen wert ist, veröffentlicht zu werden: So zeige ich auch mir, daß ich etwas kann.
Lieber Emil, Du schreibst immer so gut, ich kann das nicht. Mach‘ Dich nicht selbst fertig. Was mir hilft immer wieder rausgehen,manchmal hab‘ ich keine Lust, tu’s trotzdem & siehe da die Laune bessert sich.
Nachsatz:mit der tgherapeutin hatte ich Glueck,hat lange gedauert.Besser spaet als nie.
Heute war ich draußen, hab beim Einzug geholfen. 30x die Treppe hoch in den 3. Stock (vielleicht auich nur 20x – aber die Beine zitterten schon heftig).
Das war meine gute Tat von diesem Tag. Danke, daß ich es geschafft habe. Und schön war’s auch – wir haben verdammt viele verdammt “böse” Scherze getrieben 😉