Geschlechtsumwandlung (Nº 41 #oneaday)

Sex change?

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Aus einer Urlaubsbetreuung im März 2010 wurde ein Mitbewohner, nämlich mein Nymphensittich "Herr Tschiep". Der war, als er hier einzog, sehr deutlich als Mann zu erkennen und soll etwa fünf Jahre alt sein.

So richtig zahm, handzahm wird er wohl nie werden. Immer dann, wenn er bei Flugversuchen auf dem Boden landet, darf ich ihm aber wieder hinaufhelfen zu seinem Käfig. Er steigt dann gnädigerweise auf meine Hand und hüpft von da aus auf einen der Äste.

Nun, wir vertragen uns ganz wunderbar und zwitschern ab und an zusammen. Herr Tschiep lernt nicht sprechen, aber ich lernte ziemlich schnell schon ganz gut pfeifen wie er.

Weil man Nymphensittiche nicht alleine halten soll, hielt ich 2010 Ausschau nach einem passenden Weibchen, daß ich mit ihm zusammenziehen lassen konnte.

 
Im November war es dann soweit. Auf einer Verbrauchermesse hier in Halle gab es ein Nymphenmädchen direkt vom Züchter. Und diesmal nicht wie in den Zoofachgeschäften für 45 bis 60 Eu, sondern für nur 15 Eu.

Knapp zwei Wochen dauerte die Eingewöhnungszeit (zumindest nachts ruhten die Herrschaften in verschiedenen Käfigen). Eines Tages kam ich vom Einkaufen wieder, und beide Vögel saßen sich gegenseitig kraulend in einem Käfig.

Schwierig war die Namensfindung. Ich hatte eine Henne gekauft und nannte sie schließlich Evi. So spricht man es aus. Geschrieben wird "ihr" Name allerdings Eh!Vieh!, weil sie so elend laut war bzw. ist und Herrn Tschiep immer ärgerte. Schimpft bitte nicht mit mir – beim Sprechen des Namens fallen die paar Zeichen mehr nicht auf.

 
Ja – und nun glaube ich langsam an eine wundersame Geschlechtsumwandlung. Zwar hat das Tierchen noch die auf der Unterseite wunderschön gemusterten Schwanzfedern. Aber im Gesicht wird "sie" ziemlich gelb. Und nur Hähne haben richtig gelbe Gesichter.

Die zwei vertragen sich meist, schimpfen manchmal miteinander. Aber Eh!Vieh! duckt sich nicht. Oft sitzen sie trotzdem nebeneinander und kraulen sich den Nacken.

Zusammen können die zwei unwahrscheinlich laut sein. Manchmal muß ich zum Telefonieren ins Bad verschwinden. Und Herr Tschiep hat sogar schon etwas besser Fliegen gelernt.

Die beiden werden mich wohl trotz des Wunders die nächsten 15 bis 20 Jahre begleiten. Ich weiß nämlich nicht, ob ich es schaffen werde, Evi gegen eine echte Henne einzutauschen. Noch einen Nymphensittich bekomme ich ohne heftiges Geldausgeben nicht mehr hier unter – und ans Herz gewachsen sind mir mittlerweile beide.

Der Verfasser des Blogs schleicht pfeifend und zwitschernd davon und dankt für’s Lesen.

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© 2010/2011 – Der Emil

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Geschlechtsumwandlung (Nº 41 #oneaday)

  1. Wie süss. Danke Emil.
    Steff

  2. Follygirl sagt:

    Die können echt laut sein. Erinnere mich noch sehr an einige Pensionstiere, die ich früher immer bekam. Allerdings mochten die mich nicht, (war ein Päarchen) und BEIDE versuchten mich zu beißen!
    Ja, die werden alt, da hast Du noch lange Spaß dran… vielleicht kommen doch noch welche dazu? Einfach ein „Vogelzimmer“ einrichten, dann braucht man keine großen Käfige. (ist natürlich eine Platzfrage…)
    LG und einen schönen Tag, Petra

  3. frizztext sagt:

    ja es gibt schon seltsame Paare:
    http://www.flickr.com/photos/frizztext/188574528/
    die Kunst ist, das Leben trotzdem gemeinsam genießen zu lernen …

  4. zeitreisen sagt:

    Ha, ich lach mich schlapp. ich dachte immer, so was passiert nur mir.
    Wie alt mein erster Nymphensittich war, als wir ihn einfingen, aber wir hatten fast (es fehlten zwei Wochen) Spaß mit ihm. Als er in den Vogelhimmel ging, wollte ich zuerst keinen neuen. Weißt ja, Krach, Dreck, Urlaubsvertretung und so weiter und so fort. Eine Woche blieb ich standhaft, dann zog ein neuer Kucki ein. Zuerst alleine, weil der Alte keine Vogelgesellschaft wollt. (Wir haben es versucht)
    Ich kaufte mir einen zweiten Vogel. Weil der eine ein Hahn war – die singen schön, in Naturgrau, nahm ich den zweiten in Geperlt – zur besseren Unterscheidung. Den Vögeln ist es egal, ob der Partner männlich oder weiblich ist. „Sam“, der zweite Vogel blieb geperlt, sang nicht, legte dafür aber Eier.
    Was ich nicht wusste, die geperlten Männchen sind nur mit den ersten Federn geperlt. Nach der Mauser werden sie einfarbig Grau, vererben aber die Mutation an ihre Kinder weiter. Weibchen bleiben geperlt.
    Ich trage noch nach: ich wollte ein zweites Männchen. Nun ist aus Sam Samantha geworden 😈

    Schöne Grüße,
    Monika

  5. zeitreisen sagt:

    Nee, nee, ich glaube nicht, dass Kucki seine Frau freiwillig wieder abgibt. Er hat sprechen gelernt und versucht seine Holde in einer Fremdsprache herum zu kriegen. Die tut, kann nix verstehen, und zeigt ihm die kalte Schulter.

    • der_emil sagt:

      Naja, ist ja hier ähnlich, nur daß ich jetzt «cockatielish» pfeife. Wir üben zur Zeit an Vivaldi.

      So ganz vertragen sich die beiden Herren nicht … Irgendiwe sind sie wie Brüder im Kinderalter …

      • zeitreisen sagt:

        Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Schüler sich das Lied erst eine ganze Woche das Liedchen schweigend anhört. Dann fängt er an zu trällern, natürlich mit eigener interpertation, will sagen: mit extra Schleifen.

  6. puzzle sagt:

    falls E!Vieh! sich als männlich outen sollte, kannat du bezüglich eines dritten oder xten Nymphys aufatmen, denn andererseits ist es ein Märchen, daß Nymphensittiche ohne bequemen Nistplatz nicht brüten. ich hatte ein Pärchen, und die Anfänger hatten eine Käfigecke für die Brut für ausrechend gehalten – allerdings nicht für die Aufzucht der beiden zunächst Überlebenden, die aus Mangel an Einsatzfreude des Vaters namens UmpaPah … 😀 … beim Brüten von der völlig erschöpften Henne Krachlinchen mit dem Schlüpfen verlassen wurden, so daß ich sie füttern mußte. Eins war außerdem bei Streitigkeiten überrannt worden, so daß nur noch ein Küken meine Pflege überlebte: im umgekehrten Deckel des elektrischen Joghurtbereiters als „Brutwärmer“, gefüttert per Spritze + Silikonschläuchlein mit Vogelbabynahrung aus der Zoohandlung, die ihrerseits noch nie davon gehört hatten, daß es solche Vorkommnisse gäbe, weil Nymphensittiche nie … – dank eines netten Arbeitgebers konnte der Kleine mich in einer Kühl-/ in dem Fall Wärmtasche in der Münchner U-Bahn zum Arbeitsplatz begleiten, dort mt seinem Wärme-Möbel auf dem Schreibtisch stehen und in der Teeküche sein Futter gelauwärmt bekommen. Bald hatte der kleine ET das Aussehen eines besonders häßlichen rosagrauen Kaktus, wollte dann ständig geschubbert werden, weil die Federkiele juckten und begann mit den ersten Flatterübungen…. schwierig, aber wir schafften es bis zum Urlaub, das Fliegen lernte er zuhause und auf einmal hatten seine Eltern auch wieder Lust auf Elternschaft und fütterten den fertig aussehenden Nachwuchs-Nymphy. Achso, also – was ich sagen wollte, war: besser ist das. 😉

    • der_emil sagt:

      Das ist ja eineigener Blog, Deine Geschichte. Dakeschön.

      Gegen die Brutigkeit bei Nymphen hilft nur, sie im Futter etwas knapp zu halten, das weiß ich bereits, Und jetzt weiß ich auch, daß a) andere ebenso kreative Namen für Ihre Gefiederten und b) auch Geschlechtsumgewandelte haben.

      Also Danke nochmal – und ich habe einen zweiten Kerl, denn der singt wunderschöne Balz-Arien, vor allem so wunderbar laut!

      • puzzle sagt:

        Sie waren vor allem im Sommer grauenvoll früh laut … und zu dritt auch bei Freiflug im Zimmer extrem unfallgefährdet, weil sie dann in einen Schwarm-Geschwindigkeitsrausch geraten sind, bis sie irgendwo angedotzt sind; ich habe sie nachher nur noch einzeln rausgelassen, auch wenn die Drinnensitzenbleiber dann laut protestiert haben, es war zuviel Blut auf der Tapete … sie sind, glaube ich, weniger clever als Wellensittiche, aber mich hatte seinerzeit UmpaPah’s Häubchen und die roten Bäckchen rumgekriegt.

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