Frank Schätzings «Lautlos»
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Seit ein paar Tagen lese ich (auch) in diesem Buch. Ich brauche für meine Verhältnisse sehr lang dafür. Heute zum Beispiel habe ich nur einen einzigen Absatz geschafft.
Einen einzigen Absatz. 18 ¼ Zeilen. Ganze 189 Wörter.
Jedes dieser Worte habe ich wahrscheinlich zehn- oder zwölfmal gelesen, denn so oft habe ich mich in dieses Stück Text verbissen. Ich habe die persönlichen Anreden weggelassen, die exakten Bezeichnungen der Personen (in meinem Kopf) herausgenommen. Das gab mir noch mehr zu denken.
Ich habe versucht, diese Situation des luziden Traumes der Protagonistin zu abstrahieren. (Die Frau träumt, daß sie an einem Fenster steht und ihren Großvater sieht und spricht. Und gleichzeitig weiß sie, daß sie träumt.) Es wurde noch schwieriger.
Vielleicht muß jemand dazu Physik studiert haben wie ich. Zwar fehlt mir der Abschluß, aber ich bleibe auch heute noch am Stoff. Nicht auf der Ebene der populärwissenschaftlichen Bücher von St. Hawking oder F. Capra.
Nichtrelativistische ("suprarelativistische") Effekte, Quantenchromodynamik, Quantenfeldtheorie, Quantenphenomänologie — ich liebe z. B. die Reports vom DESY – Deutschen Elektronen-Synchrotron … Oh, zurück zum Thema.
Bilde ich es mir ein, oder werden in diesem Absatz Dinge ausgesprochen, die die Menschen nicht mehr wissen wollen? Oder redet da jemandem dem Kreationismus oder dem "intelligent design" das Wort? Ist es Humes Problem der Außenwelt, das hier dargestellt wird? Geht es um quantenfluktuative Prozesse?
Manchmal zweifele ich an mir selbst, denn über solche Dinge zerbreche ich mir den Kopf. Ich nehme den Text, setze mich als die angesprochene Person ein und denke weiter darüber nach.
Und damit ihn wenigstens ahnt, worum es geht, zitiere ich ihn hier gekürzt:
Die Wahrheit der Kinder ist die Veränderung, Kleines, sagte Großvater sanft und zog an seiner Pfeife, und darum ist es eine lebendige und sich entwickelnde Wahrheit. Ein Kontinuum des Möglichen, eine metaphysische Manifestation, in der nicht zählt, was fehlt, wie bei uns Erwachsenen, sondern was ist. Und das, was ist, umfasst in deinen Augen eben weit mehr als die paar Dinge, die ein Mensch in meinem Alter sieht. Glaub nicht das Märchen von der Weisheit, Alter macht blind. Merke Dir, die Welt ist nicht definierbar, sie ist interpretierbar. Solange du Teil der Realität bist, ist die Realität ein Teil von dir […] Es gibt keine Wahrheit als dich, denn die Welt existiert ausschließlich in deinem Kopf, und du wirst nie beweisen können, dass es anders istFrank Schätzing: Lautlos. Genehmigte Lizenzausgabe
für Verlagsgruppe Welbild GmbH 2010, S. 157f.
ISBN 978-3-8289-9474-4
«… in der nicht zählt, was fehlt, […] sondern was ist.» Stimmt. Bei uns Erwachsenen wird immer öfter nur das Negative, das Schlechte, das Fehlende beachtet. Wo sind denn die guten Nachrichten?
«… Alter macht blind.» Zumindest, was die eigene Vergangenheit betrifft – auch darüber schrieb ich vorgestern.
Es arbeite also weiter in mir. Und ich bin gespannt, welche Überraschung Lautlos noch für mich bereithält.
Der Verfasser des Blogs schleicht grübelnd davon und dankt für’s Lesen.
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Außer für das Zitat: © 2011 – Der Emil
037 / 365 – One post a day


Das finde ich so toll geschrieben, auch wenn ich es dreimal langsam lesen musste. Ich stelle mir auch immer vor, was ist, wenn alles Sein nur in unserem Kopf stattfindet. Merkwürdig, dass ich damit nicht allein bin *grübel grins*!! Und Alter macht blind unterstütze ich auch zum Teil. Es werden sicher auch viele so wie ich neuerdings wieder über vieles anders denken lernen und sehen lernen. Und so verrückte Gedanken denken! *lach* Deswegen nenne ich mich crazygeeky! Ist das Buch immer so kompliziert und dann sehr….da fehlt mir jetzt ein Wort für. Hast du da ein Wort für?
LG und eine schöne Nacht!
Angie
Nun, es geht um ein Attentat mithilfe eines YAG-Lasers … Nein, es ist nicht kompliziert. Ich denke es mir nur kompliziert. Und selbst diese Humesche Therorie ist nicht so abwegig, wie sie scheint …
(Liegt vielleicht auch daran, daß ich wie fast immer drei Bücher gleichzeitig lese …)
Über die Humesche Theorie lese ich grad bei Wikipedia nach. Ich bin leider auf Grund einer Erkrankung nicht so belesen, aber mich interessiert das sehr, weil ich auch gern so verzwickte Gedankengänge habe. Mich interessiert wo die Energie bleibt, die in unserem Körper wohnt. Sie kann doch nicht verlorengehen! Physik stelle ich mir sehr spannend vor. Mich hat schon das bißchen in der Schule sehr gefallen, eines meiner Lieblingsfächer. Quantenfeldtheorien muss ich gleich mal etwas mehr nachlesen.
LG
Angie
Nun, es gibt einen einfachen Test. Stell Deinen Staubsauger ins Bad, setz Dich ins Schlafzimmer und beweise ohne die Nutzung von Technik BEI GESCHLOSSENEN TÜREN, daß Dein Staubsauger im Bad steht. Das kann niemand beweisen, ohne nachzusehen, die Tür zu öffnen oder z. B. eine Kamera zu benutzen. Das ist die Quitessenz aus Humes Problem der Außenwelt.
Physik ist eigentlich nichs anderes als die mathematische Beschreibung von z. T. unvorstellbarn Dingen. Und gerade Quantenphysik (Stringtheorie verschiedendimensionaler Schleifen beispielsweise) ist nur noch Mathematik. In unsere vierdimensionale Welt sollen so mehrere Dimensionen gefaltet sein (Hä?) – was dazu führt, daß die Wirklichkeit nur interpretierbar, nicht aber definierbar ist.
Es ist einfach unvorstellbar phantastisch, unendlich viele parallele Universen in einer Stecknadelspitze zu postulieren und zu beschreiben, und ihre Existenz mathematisch zu beweisen.
Über den zweiten Satz Deines Kommentars bin ich etwas gestolpert …
Wieso gestolpert? Parallele Universen, das Thema liebe ich. Vielleicht gehen wir nur von einem zum anderen Universum, wenn wir den Körper verlassen.
Es war eher die Erkrankung als die parallelen Universen …
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Ja, das hatte ich mir gedacht. Unfall, Gehirn macht lesen von Büchern schwierig.
Bei den parallelen Universen muss der Mensch da wirklich parallel leben *grübel*? Wenn wir schon nicht wissen, ob wir sind, können wir die nicht nacheinander durchkreuzen?
Dieser Test mit dem Staubsauger ist das nicht dieses Ding mit der Katze, herrje wie heißt das noch?
Das Buch gibt’s
auch alsleider noch nicht als Hörbuch, vielleicht wäre das dann ja eher etwas für Dich.Zu den parallelen Universen werde ich einen anderen Blog verfasssen.
Schrödingers Katze ist halb tot und halb lebendig …
Auf den Blog freue ich mich schon!!
Wo hast du das Buch als Hörbuch gesehen? Bei Amazon hab ich nichts gefunden, bei Audible auch nicht…
Ha … Da hab ich mich von einer Suchmaschine ins Bockshorn jagen lassen *grummel*
Oh schade. Aber vielleicht kann man es bald im Net lesen. Das geht.
Sag ja Bescheid, wenn dein neuer Blog beginnt über die Paralleluniversen. Ich möchte darüber noch ganz viel erfahren.
Die Wahrheit der Kinder ist die Veränderung… zum Beispiel ein schöner Satz.
An solchen Sätzen bleibe ich hängen. Un dann beginnt die Mühle im Kopf …
Na prima. Als ob ich nicht schon genug Bücher vor mir herschiebe, die ich unbedingt noch lesen will, kommst du auch noch mit einem Schätzing. Aber egal. Ich war vom „Schwarm“ so begeistert (klasse Buch, aber das Hörbuch war noch besser!), dass ich mir dieses hier wohl auch holen werde.
Zum deiner Textpassage: Ich denke, bei dem Hume-Problem bewegen wir uns eher auf dem Gebiet der Philosophie als auf dem der Physik. Letztlich gilt das, was du über den Staubsauger geschrieben hast, doch auch für unsere eigene Existenz. Wer weiss denn, ob ich das hier alles real erlebe, oder nur denke, dass ich es erlebe („Terminator“,“Welt am Draht“, „Matrix“).
Mannohmann, und das am frühen Morgen 🙂
Daß es philosophisch wird, drohte ich ja schon in der Überschrift an.
Und dann weiß ich ja nicht … Also, wenn Du Dir für jeden Tag so 80 – 100 Seiten von „Lautlos“ in ein Filofax klemmst …
Und dann noch eine Frage: Wo sind nachts Deine Socken? *kicher*
Ach, gibt’s das auch für den filofax – ist ja stark 😉
Meine Socken sind nachts im Bad (soweit ich weiß)
Ich dachte eher an die Selbermach-Lösung 😉 Und das mit dem Bad glaubst Du nur! 😉
Aber Socken gehem nachts alle nach Limburg, Käse machen *lautlach*
Schätzing arbeitet nach dem Prinzip der Themodynamik, leider ist seine Energieeffizienz die einer Glühbirne, viel heisse Luft ala Hollywood. Douglas Adams hat das um einiges eleganter, unterhaltsamer und verständlicher gemacht, bei ihm hätte Schrödingers Katze mit dem gordischen Wollknäul gespielt. Apropos, zum Problem der Socken habe ich ein Paralellvideo aus einer Kindersendung, natürlich spiegelverkehrt:
Obwohl ich mich nicht für wenig intelligent halte, so musste ich diesen blog doch tatsächlich mehr als einmal lesen, um ihn zu verstehen.
Ich finde ihn, auch wenn anstrengend, trotzdem schön. Vielleicht kommt das daher, weil ich es genieße, wenn es für mich schwierig, ungreifbar, schwer verständlich wird? Ich denke ebenso gerne wie Du, weil es mir zeigt, dass ich noch wahrnehme, dass ich lebe. Und die fantastischen Dinge im Leben, sind doch wirklich die, die man nicht erklären/ beweisen kann und die trotzdem da sind!
Ach …. Emil Du bereicherst mein Leben, auch mit solchen Texten!
Gut, das ich mal wieder Emil’s Blog gelesen habe,obwohl mein Kopf ist zu;fragt sich mit was. Werde mir „lautlos“ notieren; die Buecherliste wird laenger & laenger. Ueber Schaetzing kann ich geteilter Meinung sein oh,oh!!!!
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