Jeden Dienstag fahr ich mit der Straßenbahn zu einem Termin in die Stadt.
Diesen Dienstag saß ich direkt neben der Tür auf einem einzelnen Sitz, mir gegenüber waren beide Plätze von älteren Damen, von Omas besetzt.
Und wie immer schrieb ich in der Bahn, diesmal an meinem 8. Türchen. Der Block lag auf meinem Rucksack, nach vorne unten geneigt, und es war zumindest zu erkennen, daß und wie ich schreibe.
Eine der Frauen rückte an ihrer Brille, immer wieder. Nach einer Weile ließ ich das Schreiben, sah auf und sprach sie an: „Interessieren Sie sich für meine Schreiberei?”
Sichtlich erstaunt erwiderte Sie: „Das ist doch Sütterlin! Daß das heute noch jemand schreibt? Haben sie das in der Schule gelernt, junger Mann?”
„Ich geh zwar auch auf die 50 zu und bin nicht mehr jung, aber nein, nicht in der Schule. Meine Oma hat es mir beigebracht. Und wenn ich mit der Hand schreibe, dann immer so.”
„Das ist doch aber schön, daß solche Traditionen nicht aussterben. Da freu ich mich wirklich. Aber nein, lesen will ich's nicht.” sprach sie, als ich ihr meinen Block entgegenhielt.
Leider war es für mich Zeit zum Aussteigen. Ich verabschiedete mich, wünschte den beiden Damen noch eine besinnliche Adventszeit und ein wundervolles Weihnachten und stieg dann aus.
Die Bahn fuhr wieder an, und aus ihr heraus winkten mir zwei lächelnde ältere Damen zu. Und ich wünschte ihnen im Stillen beim Zurückwinken, daß sie ihr Lächeln nie verlieren mögen.
Danke fürs Lesen – und habt eine besinnliche Zeit.




Wie schön; eigentlich sollte man sich mehr entspannend und zurücklehnen, gerade in dieser Zeit. Dass man dann noch zwei älteren Damen eine Freude macht, umso schöner. Gerne öffne ich alle Türen…
Oh Emil Du kannst noch Suetterlinschrift, nur gut das Du auch in der Oeffentlichkeit schreibst & somit zwei Damen eine Freude gemacht hast, & mir auch!!!!
*lächel*
Eine typische Emilgeschichte.
Gute Nacht,
R.
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