249.2026: Vergessenes

Und jetzt sind auch meine Aufzeichnungen dazu weg.

 

Altpapier entsorgen fällt mir fast immer viel zu schwer. Und noch schwerer, wenn es Selbgeschriebenes ist, das ich da wegwerfen will. Heute waren das drei Hefter aus meiner Studienzeit, zwei Hefter Analysis und einer Lineare Algebra. Puh: Mit ∇ (dem Nabla-Operator) ging ich damals ziemlich geschickt um, das weiß ich noch. Heute verstand ich kaum ein Wort von dem, was ich damals als Vorlesungsmitschriften und Seminarnotizen zu Papier brachte. Auch die Umlaufintegrale sind wie nie gekannt komplett vergessen. Skalarprodukt und Kreuzprodukt von Vektoren sowie verschie­dene Operationen mit Matrizen sind mir als Begriffe ebenso noch bekannt, doch was dahintersteht und wie das … Neeeee, diese Mathematik ist mir zu hoch.

Die drei Hefter lagen auf dem Boden, fast zwei Stunden lang. Ich schlug Bogen um sie herum, stieg über sie hinweg. Warf anderes ins Altpapier, schob weiteres in den Reißwolf. Der Papierberg schwand schneller als der kleine Haufen Aufzuhebendes anwuchs. Schließlich zweifelte ich nur noch wegen der drei (dicken, fast akten­ordner­dicken) Hefter. Ich hob sie auf – der Inhalt ein ganzes Studienjahr, zwei Semester Mathematik an der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt – und war auf dem Weg zum Schrank. Als ich sie anhob, diese drei Hefter, um sie wieder ganz oben im Schrank unterzubringen, da dachte ich, daß ich in den nächsten zwanzig Jahren ganz gewiß nicht wieder hineinsehen werde. Und drehte mich um, heftete die Seiten aus, entfernte das Metall aus den Heftern und stopfte dann alle Blätter und die drei zugehörigen Hefter in die Tasche, in der ich mein Altpapier hier sammle.

Damit ich mir das nicht doch nochmal anders überlege, brache ich das Altpapier ziemlich zügig zum entsprechenden Container. (Ja, es ist zwar schon Jahre her, aber ich holte einmal tatsächlich etwas wieder heraus aus dem Altpapiercontainer. Nicht lange danach konnte ich mich endgültig von dem Papierzeug trennen.)

 

Erinnerung des Tages:
Ein Studium ohne Internetzugang war nicht nur möglich, sondern damals die weltweit übliche Methode, weil es noch kein WWW gab.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 15.10.2026 der Weg vom Riebeckplatz zum Markt, ein kleiner Einkauf in aller Ruhe, sauer eingelegter Paprika.


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Über Der Emil

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5 Kommentare zu 249.2026: Vergessenes

  1. Es gab eine Zeit, da wollte ich Mathematik und Physik studieren. Angst davor hatte ich nie; bis heute finde ich Mathematik faszinierend und eines der schönsten Fächer überhaupt. Seltsam ist, dass jetzt anscheinend eins der Jahrhundert-Rätsel nach dem anderen von KI-Systemen bewiesen wird, obwohl Menschen trotz aller Mühe nicht auf die Lösung gekommen sind – Beweise, die zu wunderbar und elegant sind um sie am Seitenrand der Tageszeitung zu notieren…

    Das Buch „Gödel, Escher, Bach“ habe ich bestimmt ein Dutzend mal gelesen; die Verbindungen zwischen Mathematik und Logik mit der Wirklichkeit der physikalischen Welt finde ich nach wie vor faszinierend.

    Jetzt interessiert mich natürlich besonders der Bereich der Mathematik, der sich mit Gedanken der Philosophie und Theologie berührt. Leider habe ich wenig Bekannte, mit denen ich darüber diskutieren könnte.

    So viele Leute haben Angst vor Mathematik…

  2. @deremil@deremil.blogda.ch

    Den Bronstein hab ich noch. Direkt neben der Schublade mit den Steckernetzteilen und Centronics Kabeln.

    • Der Emil sagt:

      @logorok

      Den geb ich ganz gewiß nicht her, der bleibt in meinem Schrank stehen …

      @deremil@deremil.blogda.ch

  3. Hiraeth sagt:

    Da hattest du den gleichen Matthestoff wie ich im Studium. Ich hatte auch alles schon vergessen und musste ich plötzlich eine Fourrier Transformation durchrechnen, da musste ich mich wieder ganz schön weit zurück erinnern.

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