2025 – 361: Wenn's zuviel wird

Warum mir manchmal ein richtiger Ofen fehlt.

 

 

Wo soll eins denn hin mit der Wut, wenn es da niemanden gibt, den der Mensch dafür verantwortlich machen kann? Früher ging es dann Holz einschlagen oder hacken für den Ofen – doch heute?

 

 

Ja wirklich, ich war der, der zur Axt oder zum Beil griff, wenn ich mich abreagieren mußte. Und das war bis 2003 kein Problem: Die Küchenöfen blieben beim Heizungs­einbau samt funtionierendem Schornstein erhalten. Damit war auch bei Stromausfall (tatsächlich brauchen fast alle Heizungsanlagen Strom!) eine einigermaßen warme Wohnung mit überheizter Küche möglich. Holz war ja auf dem Dorf mehr als genug vorhanden, und auch zu jener Zeit wurde es noch auf dem Dachboden in den Holz­kammern gelagert.

Jetzt hatte ich wieder vier Tage Holzfeuer in einem Kaminofen (mit Feinstaubfilter im Schornstein): Das ist und bleibt eine ganz, ganz andere Wärme als die von meiner Fernheizung zuhause. Plus: Die Flammen sind zu sehen und zu hören. Keine Sorge, ich weiß um die Umweltschädigung und schäme mich auch dafür, mich daran zu erfreuen. Aber schön ist diese Art der Raumerwärmung dennoch für mich, läßt sie mich doch an für mich schönere Zeiten meines Lebens denken und von ihnen träumen und von dem, was ich neben den bullernden Öfen so erlebte. Hab ihr euch den Rücken mal an einem echten Kachelofen gewärmt? (Langer, wohliger Seufzer.)

Ach, das mit der Wut war einer der Gedanken, der mir heute vorm Ofen durch den Kopf ging, da ist nichts Aktuelles oder Akutes. Wirklich, trotz der Schwierigkeiten im Umgang mit meiner Mutter: nix akut. Und wenn ich heute wütend bin, dann schreibe ich etwas auf. Und dann zerknülle ich das Geschriebene und laß es durch den Aktenvernichter laufen oder lasse es Flammen ausgehen.

Ihr könnt euch vorstellen, was mich jetzt interessiert? Wie habt denn ihr eure Wut abgebaut – oder wie macht ihr das heute?

 

Erinnerung des Tages:
Das Holzstapeln auf dem Dachboden hat weniger Spaß gemacht als es im Hof großen runden Mieten aufzutürmen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 27. Dezember 2025 war ich zufrieden mit der Ruhe beim Frühstück allein, mit den 90 Minuten Unterwegssein im Dorf, mit meiner Beharrlichkeit.


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Über Der Emil

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12 Kommentare zu 2025 – 361: Wenn's zuviel wird

  1. Muldenkind sagt:

    @deremil
    Wohin mit der Wut scheint die große Frage der heutigen Zeit zu sein.
    Türen und Tassen schmeißen ist auch nicht der Bringer.
    Runterschlucken auf Dauer ungesund.
    Ich beglücke derzeit, weil zum Laufen fehlt die Zeit, meinen Gutsten damit. Meist geht's eh nicht um ihn 🤷🏻‍♀️

  2. Elwine sagt:

    @deremil
    Die Wärme eines Kachelofens ist mir noch gut in Erinnerung, wenn er denn warm war. Dafür mussten einige Dinge getan werden…Holzhacken musste ich nicht, aber Kohlen schleppen und Asche rausbringen…
    Also, wohin mit der Wut? Oft habe ich früher gar nicht verstanden, dass ich wütend war…es tat nur irgendwie weh 🤔 habe ihr keinen Raum nach außen gegeben und bin so in der Depression gelandet.
    Habe es bis heute nicht richtig gelernt, mit Wut umzugehen glaube ich…oha

    • Der Emil sagt:

      Nun, ich hatte zwar den Tip „Wutzettel”, aber das, was ich hatte, war ja (bis zur Therapie) keine Wut …

      • Elwine sagt:

        @deremil
        Verdeckte Wut trage ich sicher aus der Kindheit und Jugend mit durch mein Leben…die Therapie brachte da wenig Licht hinein, nur wurde mir bewusst, wie sich das im Verhalten äußern kann…
        Ich versuche möglichst früh anzusprechen und zu klären, wenn mich etwas stört. Dann kommt starke Wut erst gar nicht auf…
        Bei dir half es offenbar die Energie der Wut in Bewegung umzuwandeln, das funktioniert ja nicht nur beim Holz kleinhacken 🙂
        Danke für deinen Text 💗

  3. Nati sagt:

    Laufen hilft immer.
    Eine große Runde, mit flotten Tempo, nach gut einer Stunde ist der Kopf wieder frei.

    • Der Emil sagt:

      Oh weh. Laufen und mal an die Sonne gehen … Nun, es funktioniert ja für Dich. Und mittlerweile bin ich davon überzeugt, daß da jede/jeder sein eigenes Rezept, ihren/seinen eigenen Umgang damit finden muß.

      • Nati sagt:

        Das denke ich auch. Das ultimative Rezept für alle gibt es in keinem Bereich. Das muss jeder für sich selbst finden, egal was alle andere sagen.

  4. Bei mir ist die Wut ein so genanntes Folgegefühl, hinter dem andere Gefühle stecken. In Zeitnot (auf Arbeit) werde ich jähzornig, was aus der Angst zu versagen erwächst. Überforderung also mit Gefühlen wie Ohnmacht, Ausgeliefertseins usw. Bei der Therapie haben wir die Wut und Skills als Notfallmaßnahme besprochen, damit ich mich aus Hochspannungssituation holen kann. Die Praxis wird’s zeigen müssen, ob es gelingt.

    • Flusskiesel sagt:

      Das ist bei mir ähnlich. Wut ist für mich ein einfaches Gefühl, weil es nach außen geht, sich auf jemand anderen richtet („Der und der ist schuld an allem!“). Wut (Aggressivität) ist ein ganz normales, menschliches Gefühl.

      Mir hilft es, die Wut zuzulassen, sie zu spüren und sie dann gehen zu lassen. Gerne gehe ich dabei Spazieren und höre „wütende“ Musik. Es ist irgendwie kein Wunder, dass gerade Metal-Heads als relativ entspannte Leute gelten (kann ich auch anekdotisch bestätigen), weil sie zu ihrer Wut usw. stehen und sie nicht wegschieben. Dann kann man sie auch gehen lassen.

      Das zu spüren hilft mir auch, die Wut in Situationen auch mal beiseite zu schieben, wenn es notwendig ist.

  5. anneeulia sagt:

    Es gibt keine Gründe wütend zu sein.
    Das ist eine Gefühlsregung die ich so gar nicht mehr kenne,
    seitdem ich jemanden kenne der dauerwütend ist.
    Ich stellte fest wie dumm Wut ist.
    Also stellte ich es ein wütend zu sein.
    Es ist ganz selten,
    dass mich Jemand oder etwas so berührt,
    dass es mich wütend macht.
    Entäuscht ist bei Menschen das bessere Wort und das geht niemanden was an.
    Meine Eltern heizen vermutlich auch viel mit dem Kachelofen.
    Als Sie Ihn neu hatten taten Sie es zumindest noch.
    Der alte Kamin zu meiner Kindheit war offen und zog nicht gut.
    Er war seltenst in gebrauch.
    Meine Mutter wollte immer einen Kachelofen haben.
    Irgendwann hat sich Papa erweichen lassen und der Kamin kam weg und der Kachelofen kam.😉

  6. Gudrun sagt:

    Ich habe auch Holz gehackt, mit Inbrunst, Danach ging es mir wieder gut. Heute habe ich die Probleme von damals nicht mehr und bin auch überhaupt ruhiger geworden. Was würde ich heute machen? Vielleicht Schnitzel klopfen oder Wolle schlagen.

  7. A. sagt:

    Leider schaffe ich es zeitlich nicht jeden Tag bei dir zu lesen, lieber Emil. Doch das Lesen deiner Beiträge hole ich dann immer wieder auf.
    Und über diesen musste ich oft nachdenken.
    Wut, wütend – das ist mir (eigentlich) fremd. Ist das unnormal? Ist das gut?
    Vielleicht liegt es an der Erziehung in Kindestagen, man musste sich immer „selbst-regulieren“, das wurde erwartet und gefordert, anerzogen.

    Bei mir ist es dann eher Ärger über eine Sache oder Personen, bin ich unnormal?
    Nachdenkliche Grüße zu dir.

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