2025 – 084: Poetinnen

Ich fühle mich manchmal wie ein Poet.

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Es wäre in meinen Augen mehr als vermessen, mich tatsächlich zu den Poetinnen, den Gedichtschreibern zu zählen. Klar, auch ich habe – früher in viel jüngeren Jahren sogar öfter als heute – Gedichte geschrieben (oder was ich dafür hielt und halte). Dennoch: Diese Schuhe sind zu groß für mich.

Das hält mich aber nicht davon ab, mich in das Sein dieser Dichter:innen einzufühlen, einigen oder vielen ihrer Aussagen zuzustimmen. Wie zum Beispiel dem, was Eva Strittmatter am 7. Juli 1969 in einem ihrer Briefe schrieb:

 

 

Ich glaube, daß es eine Lebenshaltung gibt, die zum Gedicht drängt, sich nur in ihm verwirklichen kann. Ich denke, daß man seinen Zustand, sein Leben, so rein und deutlich, so wahr wie möglich aussprechen muß, dann braucht man sich keine Sorge darum zu machen, daß man verstanden und ob man gebraucht wird. Beides ergibt sich aus dieser Haltung von selbst.

Eva Strittmatter: Briefe aus Schulzenhof. S. 256
2. Auflage 1979, © 1977 Aufbau-Verlag Verlag Berlin und Weimar
Lizenz-Nr. 301. 120/51/79 · Bestellnr. 611 938 1

 

 

Zuzustimmen, schrieb ich oben. Nicht: eins zu eins für mich zu übernehmen. Denn Zustand ja, Leben (mein ganzes Leben) nein. Ich denke, daß viele ab und zu diese besondere Stimmung kennen, diese Sehnsucht nach Schönheit, in denen sie dann Gedichte schreiben (könnten) oder wenigstens lesen (wollen oder müssen). Aller­dings gestehe ich, daß die meisten meiner poetischen Versuche nicht zum Herzeigen taugen; nur wenige, die ich ohne jede Nacharbeit spontan nieder­schrei­ben kann, erscheinen mir „gelungen genug” – die anderen, an denen ich ewig lange herum­ver­bessern muß, die bleiben meist in meinen Kladden und sollen wohl nie gelesen werden. Zufalls-Eingebungsdichter, Stegreifreimer vielleicht, aber noch lange und noch immer nicht: Poet. Manchmal fühle ich mich zwar wie einer, doch tatsächlich einer zu sein …

 

Es reicht mir nicht
Ein Reim am Ende
Für ein Gedicht,
Von dem ich fände,
Es sei nicht schlecht.
Entschuldigt, doch:
Ich bin kein Brecht.

 

Erinnerung des Tages:
Am Wegrand sah ich unter einer Fichte heute Rindenstücke liegen, aus denen ich Schiffchen schnitzte als Kind und die beim Verbrennen im Ofen einen wunderbaren Duft verströmten …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 25. März 2025 war ich zufrieden mit der Produktivität am Vormittag, mit der für morgen getroffenen Verabredung, mit Rollmops am Abend.


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Über Der Emil

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