Was wohl hinter ihnen zu sehen ist und vor sich geht.
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Oh, ich habe eine ganze Menge der Gardinenmoden miterlebt: die normale Gardine, die Stores (bodenlang), die Raffgardinen, die Scheibengardinen, die Kaffeehausgardinen, die nicht vorhandenen Gardinen. Alles hatte und hat seine Zeit und seine Orte.
Heute fehlen die Gardinen sogar an den Fenstern der Erdgeschoßwohnungen: Es läßt sich trefflich in die Küchen und Stuben und Zimmer hineinsehen; und am Abend, wenn drinnen Lampen angeschaltet sind, gibt es manchmal auch Dinge zu sehen, die ich überhaupt nicht sehen möchte. Keine Gardinen kombiniert mit bodentiefen Fenstern: Ein Abendspaziergang vorbei an mehreren solchen brachte neben zwei sehr erfreulichen Ansichten auch mehrere weniger tolle … Ich gestehe, vor einem der Fenster verweilte ich etwas länger im Schatten auf der degenüberliegenden Straßenseite. (Es blieb aber alles unfotografiert.)
Bei mir zuhause im neunten Stock brauche ich wirklich nichts, was mich vor Blicken von außen schützt. Die Jalousetten dienen dem Abschatten/der Verdunkelung. Das erspart einiges an Wäsche usw. Ich kann mich daran erinnern, was es an Arbeit war, die Gardinen an den Clipsen in der an der Decke festgeschraubten Gardinenleiste festzumachen – und zwar so, daß sich ein gefälliger Faltenwurf ergab! Ach, unsere Stores hatten zwar keine Goldkante, aber die Bleikette hatte ich oft genug selbst unten eingefädelt und durchgezogen.
Meine Großmutter hatte übrigens auch noch Gardinen aus Naturfasern, unter anderem Baumwolle. Die mußten nach dem Waschen gestärkt und gespannt werden, teilweise wurden sie sogar gebleicht. Auch die hier erst vor wenigen Tagen erwähnten Häkeldeckchen und natürlich alles Geklöppelte erhielten diese Behandlung, um in der vorgesehenen Form zu bleiben. Viele waren sicher froh, daß diese Arbeiten mit den Dederongardinen überflüssig wurden. Das machte zumindest den Umgang mit allen Arten von Gardinen wesentlich leichter.
Noch heute, wenn ich manchmal an Fenstern mit Gardinen vorbeigehe, hinter denen Silhouetten zu sehen sind oder aus deren leicht geöffneten Fenstern Töne zu hören sind, bin ich neugierig. Sehr neugierig. Überaus neugierig. Dann wüßte ich gar zu gern, was da hinter den Gardinen vor sich geht, würde zu gerne alles sehen können. Am Ende allerdings freue ich mich auch, wenn ich es nicht erfahre, nicht deutlich sehen kann; denn dann, dann beginnt meine Phantasie Dinge zu entwickeln, sage ich euch, Dinge!
Erinnerung des Tages:
Was das mit dem Spannen von Häkel- und Klöppeldeckchen und Gardinen früher für eine Arbeit war, kann sich kaum noch jemand vorstellen. Und dann dieses Lied mit der Sabine hinter der Gardine!
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Zufrieden war ich am 4. April 2024 mit der lange nicht und heute endlich gefundenen Funktion am neuen Telefon, mit einer weitergesponnenen Idee, mit zusammengeräumtem Krempel.
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(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

