033–2024: Erbstück 023

Tagebuch A: Sonntag, 23. Januar.

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Auch heute gab es Spekulatius zum Kaffee. Und ich konnte mir sogar die halbe Stunde „Lebenshilfe”–Fernsehen ansehen vorm Fernsehgottesdienst. Ist das nicht seltsam, daß ich, der ich nur wenig mit der Institution Kirche am Hut habe, gerade diese Sendungen so regelmäßig ansehe? Manchmal gibt es mir Denk­anstöße, Impulse; manches baut mich auf. (Ich schreibe wahrscheinlich viel zu oft in meinen Tagebüchern über diese Macke, denn nichts anderes ist das wohl. Und es beschäftigt mich auch sehr oft, diese Obsession, diese fast voyeuristische Obsession. Und am End' sprech' ich das Beichtgebet mit und bin ob der Lossprechung ganz glücklich.)

Sonntag ist ein Tag, an dem üblicherweise nicht gearbeitet wird. Dennoch wird überall Haushalt gemacht. Ich hab gebügelt und die Wäsche wieder in den Schrank geräumt. Und ich habe mir sogar ein Abendessen gemacht, nachmittags halb Fünf: Kartoffeln, Quark und Leberwurst. Das ist ein ganz einfaches Essen, und doch oder gerade deshalb mag ich es sehr (aber Butter muß dabeisein, viel Butter).

Erst nachdem ich das gegessen hatte, fand ich Muße zum Lesen. Und konnte mich wieder nicht füe ein einziges Buch entscheiden. Daher gab es aus drei verschiedenen Büchern jeweils ein paar Seiten. Das Hin- und Herwechseln zwischen diesen Welten gelang mir heute auch leicht und gut. Allerdings ist deshalb der Lesefortschritt geringer als erhofft: Eines, ein einziges der drei Bücher hätte ich heute auslösen können. Jetzt habe ich statt 82 Seiten noch 34 darin zu schaffen, und: Ich finde das Buch ja wirklich interessant. Nun, fast 90 Minuten war ich mit dem Lesen beschäftigt.

Sonntag. Der Tag, an dem üblicherweise nicht gearbeitet wird. Will ich an diesem Tag schreiben (außer in mein Tagebuch)? Also an meinem Text, an meinen Texten arbeiten? Ernsthaft arbeiten. Die Lust dazu ist nicht sehr groß. Aber neben der Lust stehen auch noch das Wollen, der Wunsch nach Beendigung dessen, was ich schon so lange bearbeite, schon vor so langer Zeit begonnen habe … Am Ende waren es zwei, zwei magere A5-Seiten und ein Tanka, das mich noch nicht so ganz überzeugt.

Sonntag. Heute habe ich was geschafft. Die Wäsche, Kochen und Essen. Ich schrieb, wenig, aber ich schrieb. Draußen war ich heute nicht. Ich glaube, ich habe genau in meinem Tempo gelebt heute – in dem Tempo, auf das ich mich viel zu selten einlassen kann. Weil mir viel zu lange eingebleut (das hat nichts, aber auch gar nichts mit blau zu tun, das kommt vom mhd. bliuwen – schlagen) wurde, daß dieses Tempo einfach auf keinen Fall schnell genug ist, viel zu langsam ist, um auch nur IRGENDETWAS schaffen zu können.

Ich möchte bald wieder und viel öfter in meinem Tempo leben.

Rechtschaffen müde bin ich jetzt, vor Mitternacht bin ich müde! auch das gescheht ziemlich selten, Aber ich will jetzt nicht wirklich schon in das leere Bett … Kommt sie irgedwann wieder zu mir, nach Hause?

[Einen letzten Satz dieses Eintrags habe ich weggelassen. Anm. Der Emil]

 

 

Mit diesem Text wird das geerbte Tagebuch fortgesetzt. Alle Teile der Erb­klad­den-Serie sind in diesem Link in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge (neueste zuerst) zu finden. Über eines der Notiz­bü­cher erzählte ich ja schon vor langer Zeit, im November 2012. Ich tippe die kleinen blauen lateinischen Buchstaben ab, immer mal wieder. Erst jetzt nämlich darf ich abschreiben aus den „von einem Freund geerbten” Kladden mit dieser winzigen Schrift.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Gut 30 alte Computerzeitschriften (c't, PC-Welt, LinuxUser u. ä.) liegen jetzt im Alt­pa­pier­con­tainer.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 2. Februar 2024 mit Kartoffelbrei und Bratwurst, mit einem per Post angekommenen Buch (Vielen Dank dafür.), mit Glühwein zum Abschluß der Weihnachtszeit.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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4 Kommentare zu 033–2024: Erbstück 023

  1. Gudrun sagt:

    Ja, stimmt: Für dich endet ja heute die Weihnachtszeit. Ich habe einen Bericht im Fernsehen aus dem Erzgebirge gesehen. Eine Pyramide wurde angehalten und ich fand das ein bisschen traurig.

  2. Mir geht es mit der Kirche ähnlich. Ich empfinde mich als kulturell von der französisch-reformierten Kirche geprägt, aber nicht wirklich gläubig. Trotzdem hatte ich eine Phase, in der ich ähnliche Sendungen gern gesehen bzw. im Radio gehört habe. Ich finde, daran ist nichts falsch, die Impulse und Denkanstöße sind oft anregend. Vielleicht sollte ich mal wieder hineinschauen bzw. -hören.

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