2023/024 – Erbstück 005


Tagebuch A: Mittwoch, 5. Januar

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Ich habe wieder nicht besonders gut geschlafen, aber immer­hin besser als gestern. Und der Kaffee wirkte heute sehr gut. Statt des Keks' aß ich Spekulatius. Es hat richtig geschneit, das verbesserte meine Laune erheblich. Für viele endet die Weih­nachts­zeit morgen mit dem Dreikönigstag. Bei mir sind die 40 Tage bis Mariä Lichtmeß am 2. Februar Pflicht, Tradition. Erst danach beginne ich wegzuräumen. Bis dahin reichen meine Räucherkerzchen hoffentlich noch.

Als ich mich zum Schreiben hinsetzte, hatte ich zwei Ideen im Kopf. Da sind sie noch immer, weil sie nicht auf dem Papier festgehalten werden wollten. Zu allem Überfluß hatte ich mittags Hunger, richtig Hunger und nicht nur Appetit. Ich hab mir eine Packung von diesen Instantnudeln gemacht, angeb­lich mit Entengeschmack. Bis auf Huhn kann ich allerdings keine der Sorten an Geruch oder Geschmack erkennen. Jedenfalls kam nach dem Essen das Freßkoma. Weil ich vergaß, einen Wecker zu stellen, schlief ich über zwei Stunden bis dreiviertel Drei. Danach versuchte ich es zwar nochmal mit den beiden Ideen von einem ungewöhnlichen Paar(1) und von einem Fabelwesen(2). Schließlich schrieb ich dann lieber drei Briefe an gute Bekannte, denen ich keine Weihnachtsgrüße geschrieben hatte. Auch die Briefe waren nicht besonders lang und vor allem auch nicht besonders geistreich. Wenigstens habe ich diesmal nicht vergessen, sie zu fotografieren vor dem Abschicken. Es könnte ja irgendwann mal wichtig werden, daß wenigstens ich meine Korrespondenz so vollständig als möglich vererben kann. (Oh, ich Hochstapler!)

Kurz bevor ich aufgeben und Abendbrot machen wollte, nahm ich die Mappe mit den Geschicht(ch)en vom Schulkind zur Hand. las die letzten beiden Teile. Schrieb einen neuen über ein (gebrauchtes) Klappfahrrad (von dem ich weiß, daß ich ihn verbessern, korrigieren, wenn nicht sogar umschreiben muß – ich befürchte, ich habe einen zu großen sprachlichen Bruch gemacht).

Nachdem ich wegen der Schreiberei dann spät nocheinmal Instant-Nudeln aß und zwei Apfelsinen, las ich im „Laden II” weiter. Ganz plötzlich war es schon Zeit für diesen Eintrag. Ich bin müde. (Fürs Vermissen war ich heute wohl zu beschäftigt.)

(1) (Wie spricht eine Frau einen Gehörlosen an, den sie kennen­ler­nen möchte (und von dem sie nicht weiß, daß er gehörlos ist?) (zurück)
(2) (Da weiß ich noch nicht, ob Zwerg oder Nix …) (zurück)

 

 

Mit diesem Text wird das geerbte Tagebuch fortgesetzt. Alle Teile der Erbkladden-Serie sind in diesem Link in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge (neueste zuerst) zu finden. Über eines der Notiz­bü­cher erzählte ich ja schon vor langer Zeit, im November 2012. Ich tippe die kleinen blauen lateinischen Buchstaben ab, immer mal wieder. Erst jetzt nämlich darf ich abschreiben aus den „von einem Freund geerbten” Kladden mit dieser winzigen Schrift. Ich übernehme seine Hervorhebungen. Was hier als Fußnoten erscheint, ist im Original mit einem Häkchen und darüber zwischen den Zeilen geschrieben in den Text „eingefügt” worden.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 24. Januar 2023 war ich zufrieden mit der vorhergehenden ruhigen Nacht (ich war weit weniger wach als sonst), mit dem Besuch meim Vater zu seinem 83. Geburtstag, mit dem sehr ruhigen Verlauf des Abends.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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2 Kommentare zu 2023/024 – Erbstück 005

  1. Das sind viele Gedanken, die ich sehr gut nachvollziehen kann. Danke fürs Teilen.
    Und übrigens ich glaube es ist ein absoluter Segen, dass wir die meisten Gedanken gleich wieder vergessen und nicht die leiseste Ahnung haben, wie viele davon jeden Tag unser Hirn streifen.

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