#Advent 2022 (344): Das 10. Türchen


Waldschrat Elims liebster Duft.

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Strichzeichnung eines Nadelbaumes an einem Hang, Hörnerschlitten davor 
Das ist mein 13. Adventskalender. Ich widme ihn allen, die kämpfen, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wunder­volle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen insbesondere für Menschen und Tiere, die Hoffnung und Trost brauchen.

 

 

Am Rande des Halltals lebt seit alten Zeiten in einem hohlen Baume ein bärtiger Waldschrat namens Elim. Und grad dort geschah eines Tages, den man gestern „Übermorgen” nennen würde, das Folgende:

 

Zwei volle Einkaufsbeutel wuchtete der Waldschrat auf den Tisch, ehe er den ebenfalls prall gefüllten Rucksack auf einem Stuhl absetzte. Danach erst konnte er seinen Mantel an die Garderobe hängen und seine Stiefel ausziehen. Brrrr, kalt war es noch im Baum. Elim schlüpfte schnell in seine altmodischen Filzschuhe. Und schon mußte er sich entscheiden: Zuerst den Herd anfeuern oder vorher noch die Einkäufe wegräumen? Hm, zuerst für Wärme sorgen! Er legte etwas Papier in den Küchen­ofen, schichtete ein paar dürre Zweiglein Reisig darauf und einige schmale Holzscheite. Mit nur einem einzigen Streichholz schaffte er es, daß schon bald lustige Flämmchen züngelten und das Holz zu knistern begann. Nun war es Zeit für ein paar kräftigere Stücken vom Wurzelholz. Danach konnte der Herd sich selbst überlassen werden. Bis nachgelegt werden mußte, hatte der Waldschrat jetzt etwa eine Dreiviertelstunde Zeit, die Sachen vom Markt wegzuräumen. Und im Rucksack und den beiden Beuteln war eine ganze Menge, das an seinen Platz ge­bracht werden mußte: Brot, Milch, Butter, Kekse, Kerzen, Nüsse für das Eichhörnchen und für sich, Vogelfutter für seine gefiederten Freunde usw. usf. Bevor er auch den Rucksack ausräumte, sorgte der Waldschrat noch dafür, daß sein Ofen nicht ausgehen würde. Dann war alles weggeräumt. Fast alles.

Elim setzte Teewasser auf und legte Holz nach im Herd. Schon bald begann der Kessel leise zu pfeifen. Er brühte sich eine kleine Kanne von Pfefferminz- und Hagebuttentee auf. Und wäh­rend der Tee zog, suchte Elim eines seiner selbstgebauten Häuschen hervor. Drei davon hatte er im Lauf der Jahre an­ge­fertigt, mit spitzen Dächern und einem Schornstein darauf. Statt einer Haustür fand sich an allen dreien nur den offenen Durchbruch, in dem sich eine Tür befinden würde. Die Häus­chen ließen sich von ihrer Unterlage abnehmen, und im Innern lag jeweils ein groschengroßes, dickes Stück Schiefer. Der Waldschrat goß sich Tee in seine große Tasse, stellte sich die Keksschachtel bereit und entzündete eine Kerze. Und als er am Tisch saß und einen ersten Schluck Tee getrunken und einen Keks genascht hatte, da nahm er zur Hand, was er vorhin nicht weggeräumte. Ach, welch eine Vorfeude durchströmte Elim, als er das erste der drei Schächtelchen zur Hand nahm. Er roch daran und seufzte wohlig. Es war ein glücklicher Zufall, daß die Kräterhexe heute auf dem Markt stand, bei der er seit Jahren schon nur diese eine Sache kaufte. Er liebte den Duft der Weihrauchkerzchen, der kleinen schwarzen Kegelchen. Eines nahm der Waldschrat aus der Schachtel. Dann hob er das Haus vom Brettchen, auf dem es stand. Er hielt die Spitze des Weihrauchkerzchens in die Flamme der Kerze, sah zu, wie sich dort Glut bildete. Ein paar Mal pustete er vorsichtig, doch so, daß die Glut hell aufleuchtete. Dann setzte er das Kerzchen auf das Schieferstückchen und das Häuschen wieder auf seine Unterlage. Ein feiner Rauch quoll aus dem Schornstein und erfüllte die Luft im hohlen Baum mit des Waldschrats liebstem Weihnachtsgeruch. Ach, wie gut das roch! Jetzt konnte er noch zwei, drei Kekse essen, seinen Tee trinken und vom Weih­nachts­abend tagträumen.

Am Abend, ehe er ins Bett ginge, würde er noch eines der Weihrauchkerzchen anzünden. Und dann, in diesem lieblichen Duft, wollte er unter seine Bettdecke schlüpfen, sich die Enden seines Bartes in die Ohren stopfen und sanft in die winterliche Nacht schlummern.

 

 

Es gibt schon einige Geschichten, Märchen vom Waldschrat, die sich alle über die Suchfunktion finden lassen (da sind dann auch ein paar andere Texte dabei) oder unter dem Tag Waldschrat.

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Adventszeit.

Der Emil

 

 
Wer eine Gelegenheit sucht, zur Weihnachtszeit anderen zu helfen, der kann das im Dezember täglich ab 21 Uhr des Vorabends bei der Versteigerung von #hand2hand22 tun. Die Aktion ist eine gute Idee von Meg, ihr und allen Mitwirkenden danke ich dafür von ganzem Herzen.

 

P.S.: Gut fand ich am 09.12.2022 den erledigten Einkauf, die Zeit in der Bade­wanne, der wiedergefundene Schwibbogen (der sich fast zwei Jahre auf dem Kleiderschrank versteckte).
 
Die Tageskarte für heute ist die Zehn der Münzen.

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Über Der Emil

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4 Kommentare zu #Advent 2022 (344): Das 10. Türchen

  1. C Stern sagt:

    Diese Geschichte ist so wohlig-schön, dass ich direkt Tränen in den Augen habe. So ein friedliches und zufriedenes Sein mit und in der Natur, höchst träumenswert!
    Und dass Elim auch noch Weihrauch liebt, das macht ihn mir völlig liebenswert!
    Vielen Dank für diese sehr feine Geschichte! Dieses friedliche Waldbild nehme ich mit in meinen Tag!

    • Der Emil sagt:

      Der Waldschrat hat ja auch den Schwibbogen „erfunden“ und den Weihnachtsbaumklau beendet … 😀

      Ich mag den Elim, auch wenn er viel zu selten bei mir vorbeischaut.

  2. Sonja sagt:

    Gibt es auch weibliche Waldschrätchen?
    Immer wieder finde ich bei dir Annäherungen an neue oder auch alte Themen, Personen, Geschichten- und sie gefallen mir fast immer. –
    Gruß von Sonja

    • Der Emil sagt:

      Aber natürlich gibt es auch weibliche Waldschrätchen (schönes Wort!). Ich hoffe, Elim stellt mir bald einige davon vor.

      Ich habe ein paar „Reihen“, zu denen mir immer mal wieder ein neuer Text aus der Feder fließt: Peterchen, der Patient, der alte Mann, der Waldschrat … Da waren auch mal eine fünfteilige Familienreihe, an der mein Denkicht noch immer herumfuhrwerkt oder der Lind Kernig und natürlich Tante Erdmuthe und Ruth. Leider kann ich solche Stoffe nicht am Stück ausarbeiten, das geht immer nur häppchenweise, und so macht manches auch mehrere Jahre Pause.

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