2021,298: Genußtraining

Eine Situation ohne Ablenkung wahrzunehmen ist nicht einfach.

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Drei Stunden draußen. Gut, mit Einkaufstour zu Fuß. Aber zwischen den Läden war ich wieder auf der Suche nach Bildern. Und saß sogar eine Weile auf einer Bank, um den Enten zuzusehen und den Bleßhühnern. Nein, die habe ich nicht fotografiert. Aber auch nicht soooo viele Bäume.

Ich weiß nicht. Irgendwie … Natürlich bin ich auf der Suche nach Motiven gewesen. Vielleicht nicht energisch genug. Ja, da waren einige ablichtenswerte Szenen zu sehen. Auch die Enten. Ja. Und doch habe ich die Beirax im Rucksack gelassen und die Lumix nur selten gezückt. Vielleicht – vielleicht lag es ja daran, daß ich es mir so fest vorgenommen hatte. Und mich deshalb in der Pflicht fühlte. Nur: Mit Pflichten und Müssen und Sollen und Zwang habe ich so meine Schwierigkeiten – die verderben mir regelmäßig die Lust an was auch immer. Habe ich mich gezwungen, heute auf die Suche nach Bildern zu gehen? Jein. Irgendwie schon und irgendwie nicht. Trotzdem. Mir widerstrebte es geradezu, den Fotoapparat zur Hand zu nehmen. Ich wollte mich bei meiner Betrachtung der Gegend und der Bäume und Gräser und Tiere nicht selbst stören. Da waren sogar zwei miteinander spielende Libellen unterwegs …

Hm. Wenn ich mir die Zeit da draußen in Erinnerung rufe, dann ist das mit dem Nichtfotografieren tatsächlich in Ordnung. Denn ich habe die Zeit genossen und die Betrachtungen, die ich anstellte. (So ganz nebenbei erinnere ich mich auch an das „Genußtraining” als Teil der Therapie in der Tagesklinik. Wahrnehmen des Geschehens, ohne mich mit irgendetwas davon abzulenken. Dabei besonders auf das achten, was Gutes in mir und mit mir geschieht. Hab ich heute gemacht.) Pläne sind nichts durchweg Schlechtes. Aber wenn ihre Umsetzung nicht „lebenswichtig” ist, dann darf ich sie auch verwerfen oder einfach verschieben. Genau das tat ich heute: verschieben. So habe ich etwas, das ich irgendwann, wenn mir mehr danach ist, einfach tun kann. Denn die alte Kamera ist mit Film bestückt, kann jederzeit eingepackt und benutzt werden. Da war heute kein Versagensgefühl.

Geschrieben habe heute ich auch. Neben diesem Blogtext hier noch fünf weitere Seiten. Und ich schaffte es gestern und heute, alles, wirklich alles in die Unterwegskladde zu schreiben, nichts, wirklich gar nichts irgendwoanders zu notieren (auch nichts in der Twitterkladde). Und so war der Tag viel positiver als von mir zunächst bewertet.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 25.10.2021 waren positiv drei Stunden draußen, eine neue Textidee, Berner Würschtl mit Kartoffelsalat.
 
Die Tageskarte für morgen ist der Ritter der Schwerter (jetzt handeln ohne zu zögern – wie gestern schon).

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Über Der Emil

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