2021,297: Überschwang

Ach, wie viel Vergnügen doch knapp vier Seiten bieten können.

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Ich begann heute morgen ein nächstes Buch. Einen Krimi, der wohl schon zwei Jahre auf einem meiner Stapel ungelesener Bücher liegt. Laut Rückentext einen Schwedenkrimi, der sintemalen sogar „der beste Schwedenkrimi des Jahres” war (2011), Hjorth & Rosenfeldt: Der Mann, der kein Mörder war (ISBN 978 3 499 25670 7).

Verwundert war ich über das erste und dritte Kapitelchen am Anfang (das zweite ist ebenfalls ein sehr kurzes) dieses 600-Seiten-Paperbacks, dessen letzte 50 Seiten eine Leseprobe des nächsten Buches der Autoren sind und die (deshalb) nicht numeriert wurden (ist das üblich?).

Im ersten Kapitel wird das Ende der Tat beschrieben, besser gesagt ein Teil der Nachbereitung dessen, was zuvor geschah. Sehr, sehr mitfühl- und nachempfindbar.

Und dann das dritte Kapitel! Ach! Diese knapp vier Seiten! Ich kann nicht ausdrücken, wie wunderbar ich dieses Stücklein Text finde! Es könnte allein stehen, für sich. Und würde doch ganz, ganz komplett sein für mich. Wie dort mit der Sprache drei Dinge gleichzeitig beschrieben werden (so zähle ich). Wie hineinziehend in die Szenerie und wie lakonisch (beides meine ganz persönliche Ansicht) diese Erzählweise doch zu sein scheint. Oder liegt es wirklich nur an meiner eigenen Phantasie, daß ich aus diesen knapp vier Seiten drei vollständige Filme stricken kann? Dieses dritte Kapitelchen wäre die Auskopplung der (für mich) sehr kurzen, aber absoluten Hitsingle aus einem Doppelalbum.

Mittlerweile habe ich viel mehr gelesen als diese ersten paar Seiten. Zwar bereue ich es fast, mehr als das dritte Kapitel gelesen zu haben. Das nämlich war/ist für mich perfekt. Jedenfalls in der Übersetzung aus dem Schwedischen von Ursel Allenstein. So möchte ich immer schreiben können. So bin ich auf Bücher neugierig zu machen. (Es wird viel zuwenig über die Arbeit der Übersetzerinnen gesprochen, fällt mir auf.) Ich habe außerdem vor, bis zum Ende durchzuhalten, will ja auch wissen, was wer warum tat und welche Konsequenzen das hat. Ich höre ja auch bei Doppelalben nicht nur dieses eine einzige kurze Lied …

(Natürlich schreibe ich diesen überschwenglichen Text, während ich noch völlig beeindruckt bin und völlig begeistert von diesen wenigen Worten am Anfang des Buchs. Und bitte daran denken: Was ich hier schreibe, trifft auf mich zu, es muß bei niemand Anderem so oder auch nur so ähnlich sein. Ich bin verschroben und verkorkst genug, um manches als einziger Mensch genau so zu sehen, wie ich es sehe.)

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 24.10.2021 war ich zufrieden mit der Zeit an den Ententeichen (die Digitalfotos sortiere ich noch), mit der Ruhe beim Kaffee am Nachmittag, mit dem begonnenen Buch.
 
Die Tageskarte für morgen ist der Ritter der Schwerter (jetzt handeln ohne zu zögern).

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Über Der Emil

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8 Antworten zu 2021,297: Überschwang

  1. Stefan Kraus sagt:

    Von erstem Wenigen beeindruckt und begeistert, das kenne ich auch. Ich mag es, wenn es anderen auch so geht. In medialer Übersättigung der Superlative verliert spontane individuelle Begeisterungsfähigkeit oft an Bedeutung, geht unter im Applaus der Masse. Was du verkorkst und verschroben nennst, nenne ich künstlerische Empathie.

  2. Gudrun sagt:

    Bloß gut, dass du so “ verkorkst“ bist.

  3. Sofasophia sagt:

    Oh, das Buch steckt bei mir im hohen Stapel der aufs Lesen wartenden Bücher! Witzig, ne?

    Muss ich wohl demnächst endlich lesen … 😜

  4. Karin Braun sagt:

    Hjorth & Rosenfeld habe ich noch nicht gelesen. Aber danke für den Tipp. Die letzte Zeit war ich ein wenig Krimimüde. So langsam regt sich die Lust wieder, mal zu einem zu greifen.

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