Ein Dilemma in mir drin.
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Es gibt Texte, die sind fiktiv autobiografisch, die sind eine verdichtete – eingedampfte, reduzierte – Beschreibung verdichteter – literarisch (oh mein Gott, wie anmaßend mir das erscheint!) veränderter – (eigener) Wirklichkeit. Bei denen ist es mir wichtig, meine Worte, meine Sprache zu benutzen.
Nun sind weder meine Worte noch meine Sprache durch “political correctness” oder gar “Gendergerechtigkeit” gekennzeichnet, nein, ganz im Gegenteil; denn sie entsprechen meinem Erleben und meinen Erfahrungen. Und die sind eben weder das eine noch das andere. Und es ist mir tatsächlich wichtig, daß ich meine Worte und meine Sprache nicht verbiegen, nicht an die herrschende Verurteilungskultur anpasse oder gar anpassen muß. Das wäre mir wirklich zu sehr 1984.
Daraus ergibt sich für mich ein Dilemma.
Ich möchte, daß meine Texte (auch) gefallen. Wer von denen, die schreiben wie ich – also nicht für Geld, sondern aus reiner Freude am Fabulieren und Formulieren –, möchte das nicht? Ich wünsche mir, daß meine Texte nicht als “unpassend”, “sexistisch”, “rassistisch” eingeordnet werden und damit der Verurteilungskultur anheimfallen. Obwohl sie, wenn man die Verurteilung an einzelnen Worten festmacht, das (scheinbar) vielleicht sogar sind. Wichtig ist mir: scheinbar.
Neeeee. Ich schreib schonwieder nur um meinen eigenen Bauchnabel herum. Doof. Auch doof. Stop. Nicht weitermachen damit. Bringt ja eh nix.
Trotzdem steht es jetzt hier. Na und?
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 26.08.2019 waren positiv die lange Zeit draußen unterwegs (12-20 Uhr), ein gekaufter Ersatz, der Mut, einen lange vor mir hergeschobenen Text (woanders) zu veröffentlichen.
Die Tageskarte für morgen ist der König der Stäbe.
© 2019 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Worauf beziehst Du: Bringt ja eh nix?
Übrigens fühle ich mich von der “Gendergerechtigkeit” , die sich neuerdings in meinem Hirn breit gemacht hat, häufig am unbeschwertem Schreiben. Das finde ich schade. Immer alle Geschlechter und Zwischengeschlechter einzubeziehen ist unmöglich, wenn der Text lesbar bleiben soll.
Das um den eigenen Bauchnabel herumschreiben bringt (öffentlich) nix. (Jedenfalls nicht mehr, als das unveröffentlich zu tun.)
Ich frage mich noch immer, wie ein sprachliches Hilfsmittel (REIN sprachlich) einer einzigen Sprache weltweit zu einer Diskriminierung führen konnte …
Weiß ich nicht, ob das Bauchnabelschreiben öffentlich nicht doch was bringt. Wird ja immerhin gerne gelesen. Und irgendwie ähneln wir uns ja alle um den Bauchnabel herum. Bildlich gesprochen.
„Verurteilungskultur“ – das Wort passt wunderbar. Ständig auf der Lauer müssen sich da irgendwelche Menschen befinden. Wie Frau Holle schreibt: unbeschwert Schreiben. Ja, das ist auch mein Ansinnen. Deshalb lese ich u.a. so gerne hier, weil ich in dir auch so einen weiß…
Gruß von Sonja
Und doch ist „Verurteilungskultur“ ein grausliches Wort und ein noch grauslicheres Verhalten.
Und die Schere in meinem Kopf hat schon so manchen Text vor dem Erscheinen hier „bewahrt“, leider.
Schade…
Psssst.
Die stehen dann nur woanders.
Es wäre gut, wenn du die Schere in deinem Kopf im Nähkästchen verschwinden lassen könntest. Gibt es DEN Text, der jedem gefällt? Ich denke nicht. Damit kann man leben und somit auch mit seinen eventuellen Kritikern.
Schreibe, Emil, schreibe! Fabuliere, spiele mit Worten, probiere dich und alles aus. Und lass die Unbeschwertheit zu. Bitte.
Ach Gudrun, ich mach es doch, nur eben nicht hier in diesem Blog …
Ich weiß ja auch nicht, ob ich etwas schreiben soll, denn was ich jetzt sage, mag womöglich überheblich klingen. Es ist aber ganz einfach genauso einfach gemeint, wie ich es schreibe: Genderbewusstsein und Gendergerechrigkeit habe ich bereits in jungen Jahren in der Ausbildung mit auf den Weg bekommen und an den verschiedenen Arbeitsstellen laufend praktiziert. Immer wieder diese Bewusstmachung der unterschiedlichen Seiten im Leben & in der Sprache. So sehr verinnerlichte Denke und Haltung – Bewusstsein -, dass es für mich keine Einschränkung ist, eher empfinde ich es als einzig „richtig“, als natürlich und normal, alle Menschen eben auch sprachlich mit einzubeziehen. Mag sein ich will es allen recht machen, mag aber auch sein, ich will einfach keine*n ausschließen.
Manchmal möchte ich am liebsten meine Plan umsetzen und nur noch im generischen Femininum schreiben. Aber dann merke ich: Nein. Männer mag ich auch nicht ausschließen.
Da bin ich damit vielleicht ein klein bisschen dort, wo du es bist mit diesem Artikel? Ich könnte es wohl nicht unbeschwert tun.
(Zum einen, weil ich nicht mehr so die Provokationsmissionarin sein mag wie in jungen Jahren, zum anderen eben ‚noch nicht mal euch Jungs’ ausschließen mag.)
Ja, es ist definitiv eine Einstellungssache.
Wenn unbeschwertes Schreiben an Gendersensibilität scheitert, könntest du ja den Rohtext zuerst unsensibel runterschreiben und ihn dann (für die Publikation oder einfach experimentell) so überarbeiten, damit er so ist, wie du ihn als sensible Frau lesen möchtest.
Kurz: Mit den Extremen spielen um deinen Weg zu finden?
(Als Anregung gedacht.)