Eine Vision?
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Ach ja. Müde seufzt er in die leere Wohnung, sieht sich die leeren Wände an. Er kann die Umrisse seiner Möbel nicht mehr sehen. Und die Ränder sind auch verschwunden, die die Plätze der Bilder und Kalender und Uhren umrahmten. Uhren? Ja, drei Wanduhren. Damit von überall her einer der Zeitanzeiger ablesbar war. Und alle drei gingen immer eine Viertelstunde vor. Und keine der drei wurde je auf Sommerzeit umgestellt. In der Küche ist auch nichts mehr. Kühlschrank, Spüle und Herd, die Hängeschränke und das Regal sind weg. Auch hier ist nur noch Beton und Gipskarton zu sehen. Wie anders eine Wohnung wirkt, wenn nirgends mehr etwas an den Wänden ist. Den Besen und die Kehrgarnitur stellt er jetzt direkt neben die Wohnungstür in den leeren, hallenden Flur. Die letzte Mülltüte in der Hand haltend schließt er ab. Diese Wohnung und 15 Jahre seines Lebens, von denen er mindestens drei Jahre im Dämmerzustand verbrachte, im selbstverursachten. Die drei letzten Jahre, um genau zu sein. So lange brauchte er nämlich, um sich seine Hilfebedürftigkeit auch im angesäuselten Zustand einzugestehen. Außerdem mußte er – und das wäre ohne die Menschen des Vereines nicht gelungen – eine andere Bleibe suchen, in der er kontrollierter leben kann, wo er täglich ans Essen erinnert wird, wo auch Menschen sind, die ihm bei allem zur Hand gehen, was er nicht mehr sicher schafft.
Es ist kein leichter Schritt aus dem ungezwungenen Alleinewohnen mit all seinen Vorteilen – kein fester Tagesablauf nötig, niemand kommt und sieht die Unordnung usw. usf. – dahin, wo er in einer Stunde zuhause sein wird. Aber alleine leben, das geht nicht mehr. Und jetzt verschwindet der letzte Müll der fünfzehn Jahre im Container. Die nackten Betonplatten nimmt er als Bild in seinem Kopf mit. Schon bald ist er ein seinem neuen Zuhause, im Betreuten Altenwohnen, pardon, im “Senioren-Komfortwohnen”. Seine zwei Bier am Abend gibt es auch dort, versicherten ihm die, die sich um ihn kümmern werden. Sein Weib wird er weiterhin vermissen …
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
P.S.: Am 13.03.2019 waren positiv die Erinnerung (daran wo der 128-GB-Stick ist), die Erinnerung an den Einzug hier in diese Wohnung, erfreuliche Nachrichten nach geleisteter Hilfe.
Die Tageskarte für morgen ist die Neun der Stäbe.
© 2019 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Gänsehaut…beim Lesen…
Vielen Dank.
(Es ist so gruselig?)
Nicht gruslig, berührend…Zeilen die man fühlt.
Ah. Dann noch viel mehr Danke.