Sechster August (218/147)

Eine Stadt und ein Lied und eine ganze Lebenszeit

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Lange ist es her. Siebzig Jahre auf den Tag genau. War die “Erprobung im Einsatz” für die Atombombe wirklich notwendig? Wäre der Einsatz, so er denn wirklich notwendig war, nicht viel besser schon viel früher auf Berlin wirkungsvoller gewesen? Ketzerische, politisch völlig unkorrekte, historisch falsche Fragen und Gedanken. Ich weiß! Ja, Deutschland kapitulierte für einen Solchen Kernwaffeneinsatz einfach zu früh, da waren die Bomben noch nicht fertig. Aber bei allem Nachdenken über Nichtdenkbares bleibt mir doch ein Verdacht: Die neuen Amerikaner stammten aus dem alten Europa; hätte man wirklich seine Wurzeln zerstören wollen? Da waren die Japaner doch auch das moralisch einfachere Ziel …

Hiroshima. Innerhalb von Sekunden dem Erdboden gleichgemacht. Unbegreiflich für mich als Kind/Jugendlicher. Doch dann, ganz plötzlich gab es dieses Lied. Mit rudimentären Englischkenntnissen verstand ich etwas von der Tragik, der Unmenschlichkeit. Im Unterricht lernten wir Fakten und Zahlen. Im Westfernsehen sah ich zum ersten Mal dann Aufnahmen aus einer der beiden Städte (ich weiß nicht mehr, ob eben Hiroshima oder Nagasaki), Aufnahmen von Strahlenkranken. Und gleichzeitig wußte ich ja, daß sozusagen unter unter unserem Haus, eben im Erzgebirge um Schlema herum die SDAG Wismut Uran für die sowjetischen Kernwaffen und -reaktoren abbaute. In Schlema gab es eine Erzaufbereitungsanlage; und der Schrebergarten meiner Eltern lag im ehemaligen Radiumbad auf einem ehemaligen Schlammteich des Uranbergbaus. Als Kind spielte ich auf einer Abraumhalde, die Jahrzehnte später abgebaggert und aufwendig entsorgt werden mußte, weil sie für die vorgesehene Wohnbebauung zu sehr strahlte. Insoweit waren Uran, Kernenergie und Strahlung etwas völlig normales, natürliches und eben auch ungefährliches für mich. Ich kannte ja Bergleute, viele – und keiner war krank.

Nun gut, die Bomben waren doch etwas anderes. Ich hoffte später während meines NVA-Dienstes immer, daß ich nie, nie die Gelegenheit haben würde, auch nur ein einziges Mal einen der beiden bei der Roten Armee verfügbaren Kernsprengkopftypen an die von mir durch die Gegend gefahrenen taktischen Raketen montieren zu müssen. (Aber das ist eine ganz andere Geschichte.)

Hiroshima heute vor einem ganzen Menschenleben, heut vor 70 Jahren. Kurz darauf Nagasaki. Nie wieder, wirklich nie wieder sollen solche Waffen zum Einsatz kommen, nie wieder sollen solche Waffen irgendwo stationiert werden und/oder einsatzbereit herumlagern. Nicht in Pershing-2, nicht in SS-20, nicht in Panzergranaten oder Gewehrmunition.

Das Lied hör ich trotzdem gern …

 

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 5. AUgust 2015 war die Entdeckung meiner Dummheit, die mich zu einem funktionierenden neuen Phone führte.
 
Tageskarte 2015-08-06: Die Fünf der Stäbe.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Sechster August (218/147)

  1. Ulli sagt:

    Noch immer gibt es ja keine wirkliche Entwarnung, denn noch immer liegen Atombomben was weiß ich wo rum – grusig …

  2. Oh, danke Emil. Dein Beitrag macht mich wieder nachdenklich. Dabei hat mir mal eine gute Freundin gesagt: Denk nicht so viel. Während eine andere allerdings meinte, Denken macht Spaß. Ich denk ja, das geht mal so und mal so. Dabei sind wir eigentlich davon umgeben. Nach Wikipedia sind überall Atome. Womöglich sind wir selbst winzige Atome. Ich kenn auch Menschen, die strahlen viel, und andere wieder nicht so sehr. Aah, ich schweife ab. Da sind aber bestimmt die Anziehungskräfte irgendwelcher Atome verantwortlich.

    Ich kann mich noch an Demonstrationen hier in den Siebzigern und bisschen später, erinnern, ich glaub, das war immer an Pfingsten, wo viele für Frieden und eine Welt ohne atomare Zerstörung auf die Strasse gegangen sind. hm

    Oke, das ist lang her. Ja, schönen Abend noch, und bis denne. ^^

  3. Sofasophia sagt:

    Ich habe neulich das Buch von Karl Olsberg „Schwarzer Regen“ gelesen, in welchem es um eine Bombe auf Karlsruhe geht.
    [youtube=http://www.youtube.com/watch?v=Kn1tROWwBMk rel=0]

    Das Buch hat mich sehr aufgewühlt, auch wenn es nur ein fiktiver Thriller ist.

    Mann darf es nie vergessen.

    (… ähm, und ich bin froh, dass dein Phone nun funzt!)

  4. Gudrun sagt:

    Es gab mal eine Zeit, da hatte ich Angst, verdammt große Angst. Da hat man uns beigebracht, wie man sich schützen soll, wenn … Man kann sich aber nicht schützen.

    Einige Zeit später hatte ich die Hoffnung, dass es vielleicht nie wieder irgendwo schwarzen Regen geben wird. Heute bin ich mir da nicht mehr sicher. Und ich habe wieder Angst.

    Als ich das Buch las, kamen mir mehr als einmal die Tränen. Vor Trauer, aber auch aus Wut.

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