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Frust – bringt es jemand zuende?

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Mit einem Fragment beginne ich heute, neben dem Text auch seine Urfassung auf Papier herzuzeigen. Es ist ein Fragment, ein angefangenes Gedicht, beinahe eine Büttenrede, für das ich einfach keinen guten Schluß, keine Moral, keine gute Wendung finden konnte; aber es fiel mir auch kein böses Ende ein, mit dem ich das Teil zu einer Moritat hätte wenden können.

 

Frust

Fragment.
Zum Weiterdichten freigegeben.

 

Nun steht das Ding – wie manch anderes hier – unter einer Lizenz, die es jedem erlaubt, daran weiterzureimen: Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk von Der Emil ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

 

 

Am Morgen nach dem Weckerschrillen
vergaß zu nehmen er die Pillen.
Der Kaffee dann verfehlt die Kanne.
Der Kerl schlägt hin in seiner Wanne.

      Der Frust war groß, der Frust war lank;
      er war der Grund, weshalb er trank.

Vom neunten Stock hinab ins Erd-
geschoß geht gut. Falls Fahrstuhl fährt!
Es freut an einer Straßenbahn,
sieht man nicht nur das Rücklicht an.

      Der Frust war groß, der Frust war lank;
      er war der Grund, weshalb er trank.

Den ganzen Tag geht’s weiter so,
nichts funktioniert, nichts macht ihn froh.
Die Welt ist gegen ihn gestimmt,
weshalb er noch ein Schlückchen nimmt.

      Der Frust war groß, der Frust war lank;
      er war der Grund, weshalb er trank.

 

 

Einer meiner vielen Anfänge, die es nie zu einem Ende geschafft haben. Bitte, versucht euch dran.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 7. November 2014 war das neue Portemonnaie.
 
Tageskarte 2014-11-08: Die Zwei der Schwerter.

© 2014/2009 – Der Emil. Text & Bild unter der Creative Commons by-nc-sa 4.0 Unported License
Creative Commons Lizenzvertrag (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen).

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Weitermachen

  1. Sofasophia sagt:

    Das Reimdichten liegt mir leider nicht, aber ich mag den Anfang. Wie weiter frag ich mit dir. Aber ich wüsste weder eine gereimte noch eine ungereimte Antwort, leider, sorry!

  2. Am Abend stellt er traurig fest:
    In keiner Flasche mehr ein Rest!
    Kein Fläschchen Bier, kein Tröpfchen Wein,
    er fühlt sich schlecht und sehr allein!

    Viele Grüße
    Regina

    • Der Emil sagt:

      Ah, Dankeschön!

      Ja, das paßt — ist es damit fertig?

      • Vielleicht … man könnte noch Strophen dazwischen setzen. Vielleicht kommt ja noch was von anderen Lesern – ansonsten wäre es damit abgeschlossen, oder?

        • Der Emil sagt:

          Ich weiß nicht …

          In mir steht das Bild des eine Moritat singenden Leierkastenmannes neben den Zeilen. Noch mehr vom Tag wär gut. Ein Weg weg vom Suff zuin einem Glück oder der Tod — damit hätte es ein Ende, wie ich es … Ach, Du hast Recht, vielleicht taucht noch mehr auf.

          Mein Anspruch scheint für dieses Fragment zu groß zu sein. Es bedürfte wahrscheinlich einer Erweiterung auf ein dreiaktiges Libretto und die entsprechende Musik dazu, um diesem Anspruch gerecht zu werden 😉

  3. Gudrun sagt:

    Gleich mache ich mich auf den Weg durch Leipzig. Ich werde auch am Lindenauer Markt vorbeikommen und Menschen sehen, deren Alltag so ist. Für sie könnte das Gedicht so stehen bleiben, wie es ist. Und an denen, die es lesen, liegt es, diese Menschen nicht zu verurteilen.
    Es war schön, deine Handschrift zu sehen.

    • Der Emil sagt:

      So unfertig? Deswegen liegt es ja schon fünf Jahre hier, weil es sich so unfertig anfühlt/anhört, nie „rund“ wurde …

      Und gerade für die Menschen, die Du erwähnst, möchte ich es gerne runder haben, mit einem Stich Hoffnung und Optimismus am Ende.

      • Gudrun sagt:

        Manchmal ist das Leben so unfertig. Es gibt nicht weit vom Lindenauer Markt ein Übernachtungshaus. Im Haus selbst darf man das Schlückchen nicht nehmen, aber man akzeptiert die Menschen so, wie sie sind, sorgt dafür, dass sie ein einigermaßen menschenwürdiges Leben haben. Manche „wohnen“ schon seit Jahren da, andere hatten die Trinkerei irgendwann satt. Die ziehen dann um in eine andere Einrichtung.
        Dass dein Gedicht unfertig scheint, finde ich gar nicht schlecht, weil man nachdenken muss über die nicht heile Welt, und über ihre Menschen darin.

        • Der Emil sagt:

          Ach Gudrun, manchmal mag ich diese offenen Sachen ja auch.

          Vielleicht spielt hier meine eigene Geschichte eine zu große Rolle? Die Tatsache, daß ich selbst zwei bis drei Flaschen Doppelkorn o.ä. am Tag brauchte, um arbeiten zu können; die Tatsache, daß ich selbst alleine zurückgefunden habe zu normalem Umgang mit Bier und Schnaps und Wein (nein, abstinenter Alkoholiker wollte ich nie werden, sondern zurück zu dem, was als nicht krank angesehen wird). Das scheint wirklich der Grund für meinen gewaltigen Anspruch zu sein; es ist das Thema, das da wirkt.

          Danke für den Anstoß, den Du gegeben hast, und der mich zu diesem Gedanken geführt hat.

  4. Elvira sagt:

    Auch wenn Dein unfertiges Gedicht einen ernsteren Hintergrund hat, möchte ich es unernst weiterführen:

    Da kommt ein Mädchen um die Eck
    und schnappt die letzte Flasche weg
    die wollte er am Abend kippen
    er beißt sich wütend auf die Lippen

    Der Frust war groß, der Frust war lank,
    er fühlt sich ohne Flasche krank

    Betrübt schleicht er zurück nach Haus,
    denkt an die Treppen, welch ein Graus.
    Doch meints die Technik gut mit ihm
    der Fahrstuhl spielt jetzt mit im Team

    Der Frust wird kleiner, die Laune steigt
    weshalb er noch im Fahrstuhl bleibt

    Denkt an Nadine, an das Glas Wein,
    sie lud ihn dazu letztens ein
    er drückt die fünfzehn voller Mut,
    verflogen ist die ganze Wut

    Der Frust verwandelt sich in Lust,
    (er denkt schon wieder an die Brust)

    Sie öffnet lachend ihm die Tür:
    „Da bist du ja, herein mit dir!
    Ich warte schon so lang auf dich!“
    Leere Flaschen auf dem Tisch.

    Der Frust war groß, der Frust war lank,
    er war der Grund, weshalb sie trank.

    • Der Emil sagt:

      Liebe Elvira,

      a) genau sowas schwebte mir vor, so eine Wandlung/Wendung
      b) unernst ist es nicht, es ist nur nicht niedergeschlagen und nicht knochentrocken.

      Ja, wirklich, es gefällt mir richtig gut. Hing wohl doch zu sehr in meiner eignen Geschichte, um etwas passendes zu finden. Danke, danke, danke danke danke — ich könnt Dich vor Freude knuddeln.

      • Elvira sagt:

        Nun, Du hast mit Deinem Beitrag über Nadine aus dem 15.Stock schließlich die passende Vorlage geliefert. Ich hatte in der letzten Zeile überlegt, „er“ groß zu schreiben. Oder ist es auch so ersichtlich, dass nicht der Frust, sondern ER der Grund war, weshalb sie trank?

        • Der Emil sagt:

          So wie es jetzt ist, ist es offen. Allerdings ist die Großschreibung von ER und SEIN und IHM eine biblische Schreibweise, die immer auf GOTT, den HERRN abzielt. Fett oder kursiv wäre die richtige Hervorhebung … Soll ich?

          • Elvira sagt:

            Ach, überlassen wir das der Phantasie Deiner Leser und Leserinnen. Ich habe mir auch sagen lassen, dass Großschreibung auch oft als Brüllen gedeutet werden kann.

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