Die Eintönigkeit des festgelegten Weges
oder:
Unterwegs von Dölau nach Nietleben
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Als die S-Bahn S7 von Halle-Trotha bis nach Halle-Dölau fuhr, gab es nach dem Bahnhof Nietleben noch zwei weitere Haltestellen: den Heidebahnhof und eben Halle-Dölau. Dieses Reststück der Halle-Hettstedter Eisenbahn wurde 2002 stillgelegt. Leider hatte ich es immer wieder verschoben, die Linie einmal komplett abzufahren.
Kurz nach der Stillegung trug ich mich mit dem Gedanken, das noch gepflegte Teilstück der Strecke (offiziell erst am 31. 12. 2003 außer Betrieb genommen) einmal zu Fuß von Nietleben bis Dölau zu verfolgen. Aber auch das hatte ich nie geschafft. 2005 schoß ich einige Bilder der total verwilderten Strecke in der Nähe des Heidebahnhofs.
Erst jetzt, da ich täglich lese, wie interessant das Unterwegssein, das Unterwegs-Sein ist, habe ich den Mut und die Muße zu solchen Unternehmungen gefunden. Und so ging ich gestern kurz nach 14 Uhr los und fuhr mit dem Bus nach Dölau.
Der Bahnhof in Dölau ist verrammelt und eingezäunt, es war kühl und irgendwie feucht in der Luft. Nein, es regnete nicht, es war auch kein Niesel. Im Sächsischen bezeichnet man diese Form der Feuchtigkeit als “siefern”. Aber ich hatte mir vorgenommen, die Strecke zu gehen: etwa 3.500 m Bahnschwellenhopse lagen vor mir. Aller 10 Minuten ein Foto wollte ich machen.
Dann gab es doch mehr zu sehen: eine Katze neben dem Gleis im Grase lauernd, ein aufgebrochenes Bahnhäuschen mit Bahnheizkörper, Besonderheiten der Außerbetriebsetzung. Und so gibt es nicht nur die acht (plus ein zusätzliches vom Startpunkt) vorgesehenen, sondern auch noch einige Bilder mehr. Nach 25 Minuten fing ich nämlich an, alle 200 Schwellen ein Foto zu machen, bei dem die Kamera direkt auf der Schiene lag. Die muß ich alle noch bearbeiten und mir eine Form der Präsentation überlegen.
Heute zeige ich nur die links zu sehenden neun Fotos, montiert in eine Art Lesezeichen.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 6. Mai 2012 waren 70 Minuten Bahnschwellentrippeln auf einer erstaunlich gut gepflegten Strecke.
© 2012 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).
über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können in meinem Blog erfragt werden.
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Ein neues Wort gelernt und ein schöne Idee ansehen können.
Bei uns hier werden aus solch stillgelegten Bahnstrecken (manchmal) Radwege! Ich finde das sehr gut, denn man sieht doch so einiges unterwegs.
LG, Petra
Sehr schöner Bericht und gute Idee! Danke fürs Zeigen
Das sind die kleinen Abenteuer des Alltags. Ich finde das toll. Gut, dass du es gemacht hast.
(Du weißt ja, dass man mit dem kostenlosen PhotoScape gute Collagen oder sonstige Zusammenstellungen machen kann?)
PhotoScape? Läuft das unter Linux?
Oh, das weiß ich nicht. Guck doch einfach auf der Seite nach.
Ich habe inzwischen nachgesehen. Photoscape ist ein reines Windows-Programm und kann nicht mehr als GIMP (für das gibt es viele, viele Ergänzungen und eine Möglichkeit, selbst in Python welche zu basteln).
Allerdings soll Gimp viel komplizierter sein. PhotoScape ist sehr einfach. Aber wenn es nicht geht …
Ich werkele mit GIMP schon seit Jahren (das tat ich sogar zu meiner Windoof-Zeit), ich find’s einfach.
Hab mich gerade ein wenig belesen zu PhotoScape, scheint echt nicht schlecht …
Ist ein wirklich tolles Programm. Ich nutze es auch.
Ich verwende auch gerne PhotoScape um Bilder zusammenzustellen. Meine Bahngleisabenteuer sind die mit den Insekten und Reptilien, die sich gerne am warmen Schotter aufhalten. Ich liebe diese Wege – fern ihrer ursprünglichen Nutzung – die Wege ins Naturumfeld geben.
Hallo Emil, soll ich dir mal was Flüstern? Ich, als waschechte Sächsin, kenne das siefern Wort nicht. Und bei deinen Bahnschienenbildern fiel mir spontan das Lied “ Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“ ein…
Ich finde es aber toll, dass du dieses Bahnabenteuer gestartet hast. Toll!
[Woanders nennt man es auch „fieseln“ – feucht, aber kein Nebel und (noch) kein Niesel ;-)]
Irgendwie bin ich gerade dabei, all die Dinge zu tun, die ich bereits vor Jahren tun wollte und immer wieder vor mir hergeschoben habe. Sogar Besuchte beim Dentisten! *schlotter*
Dafür hast du mein festes Mitgefühl! Ich habe auch solche Schissbuxen, was diese Berufsklasse betrifft.
Hallo Emil,
ich finde es toll, dass Du den Weg gegangen bist, um das Unterwegs-Sein zu erleben.
Deine Fotos gefallen mir und die Idee, alle 10 Minuten bzw. alle 200 Schwellen ein Foto zu machen, ist witzig. Ich bin schon auf die anderen Fotos gespannt. Ich weiß, dass die Auswahl oft schwer ist.
Ich war am Wochenende in einem verlassenen Krankenhaus und habe knapp 400 Fotos gemacht. Da kommt jetzt auch die Qual der Auswahl :o)
LG Amelie