339 im Advent 2025: 5. Türchen

 
Das ist mein 16. Blog-Adventskalender. Beim Schreiben denke ich oft an die, die krank sind oder Unterstüt­zung benötigen, an alle, die einsam oder allein sind. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wunder­volle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen auch in diesem Jahr für alle Menschen und Tiere, vor allem für die, die Hoffnung und Trost brauchen, und für die, die Freude an dieser Zeit haben.

 

Ich weiß, daß mich meine schöne Erinnerung trügt.

 

Dennoch erinnere ich mich an die Adventszeit früher immer auch als Winterzeit, also die Zeit des Winters mit Schnee und Eis (nicht an die falsch so genannte Normalzeit hierzulande, an die MEZ). Das gehörte und gehört für mich noch immer zusammen: Weiße Landschaft und Adventskalender. Kann sein, daß das mit dem Privileg zusammenhängt, im Erzgebirge aufgewachsen zu sein, nicht sehr weit weg von einer der schneesichersten Gegenden außerhalb Bayerns.

Ich weiß noch, daß wir statt mit dem Bus auf Schiern in die Schule in der nahen Kreisstadt fuhren, vor den Weihnachtsferien, einfach so aus Jux. Öfter sind wir in der Adventszeit über die wundervollen (ja, das waren sie auch in der DDR) Weih­nachts­märkte gezogen, auf der Suche nach etwas ganz Besonderem. Und wenn es bei so einem Gang anfing, sanft zu schneien: Himmlisch. »Schneemannbau'n und Schnee­ball­schlacht – Winter ist so schön!«

Ich weiß, daß meine Erinnerung mich trügt, und dennoch war früher öfter und mehr Schnee, in der Erinnerung jedenfalls meistens. Vorm Haus in Schlema wurde ein Iglu gebaut, in dem wir zu viert oder fünft saßen, bis in die Dämmerung und Dunkelheit hinein, mit brennenden Kerzen. Wer ließe denn heute einen Erstklässler mit Streichhölzern und echten Kerzen unbeaufsichtigt hantieren? Damals aber, damals wußten viele, wie das Feuer im Ofen entfacht wird (Papier, kleines Holz, größeres Holz, Brikett, v.u.n.o.), auch schon in diesem Alter.

Ich weiß, daß diese Erinnerung nicht trügt, denn an den brennenden Öfen seinerzeit war es viel wärmer und kuscheliger (und ist es noch immer) als am Heizkörper oder auf der Fußbodenheizung. Und wenn ich mich auf die Ofenwärme am Morgen freute, schlief ich nachts im unbeheizten Kinderzimmer, teilweise ohngeacht der Temperaturen sogar bei offenem Fenster. Ich gestehe, diese Ofenwärme vermisse ich. Na klar, Feinstaub, Ruß, Treibhausgas; Holz- und Kohlenschlepperei, Holzhacken oder -sammeln, das Stapeln von gehacktem Holz in Mieten, unter Schleppdächern oder Dachbodenkammern waren mühsam. Das meiste davon hab ich immer gerne gemacht, nur das Ascherausbringen mochte ich nicht so sehr.

Die Kindheitserinnerungen an Advent und Weihnacht gehören, obwohl sie meist trügerisch sind, zu den Schönsten meiner Erinnerungen. Auch deshalb versuche ich jedes Jahr aufs Neue, etwas von damals zurückzuholen in mein Leben, so weit mir das möglich ist.

 

Erinnerung des gestrigen Tages:
Spätestens in den Winterferien im Februar stand ein Besuch im Museum für Bergmännische Volkskunst an mit seinen vielen mechanischen Weihnachstbergen und den vielen weih­nacht­lichen Figuren. Ob ich das noch einmal schaffe?

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.

Der Emil

 

P. S.: Gestern, am 4. Dezember 2025 war ich zufrieden mit dem Unterwegssein draußen, mit den Knotenübungen (fragt nicht), mit einer Zeitschrift im Briefkasten.


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Über Der Emil

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3 Kommentare zu 339 im Advent 2025: 5. Türchen

  1. @deremil ah ein Mann aus der Nähe von aue.

    • Der Emil sagt:

      Zwischen der Stadt mit dem Museum und dem Laborantendorf …

      • @deremil aha

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