2025 – 225: Geschichtsträchtiges Datum

Gekramt in meinen Erinnerungen an miterlebte Dinge.

 

Es geht mir nicht um das heutige Datum im Jahre 1961, sondern um das Jahr 2002. In jenem Jahr arbeitete ich fast durchweg als Instruktor hier in Halle (Saale). Nur im Juli und August hatte ich einen Vertrag für Aue (Sachs) – und dort und im Dorf zuhause war Land unter. Die erste der „Jahrhundertfluten” sorgte in Sachsen und in Sachsen-Anhalt für viele Schäden. An diesem 13. August 2002 drohte der Damm der fünft­älte­sten Talsperre Deutschlands, des Filzteichs zu brechen, auf der Außenseite des durch­weich­ten Naturdammes hatte sich schon eine große Wasserblase gebildet. Die Anwohner des Dorfbaches wurden zur Evakuierung aufgefordert. Dieser Zustand hielt nachher für etwa eine Woche an, trotz des großzügigen Ablassen des aufge­stau­ten Wassers. Im Dorf trat der Bach schon zwei oder drei Tage zuvor an vielen Stellen über die Ufer. Die Brücke am Haus meiner Eltern wurde überflutet. Im Keller konnten mehrere Pumpen und sehr viele Sandsäcke das Absaufen der Heizung verhindern. Meine Mutter fühlte sich an das 1954er Hochwasser erinnert, zu dem die Kinder in der Holzbadewanne durch den Keller schipperten.

Zwischen dem normalen Pegel des Baches und dem Kellerboden liegen etwa 75 cm, die aus Natursteinen trocken gesetzte Bachmauer war damals etwa zwei Meter hoch. Es fehlten noch etwa zehn bis zwanzig Zentimeter Wasserhöhe, dann wäre der Bach zu den Kellerfenstern hineingeflossen. Die Mauer und die Brücke wurden vor dem 2013er Hochwasser erneuert, zum Glück.

In diesen Tagen im August 2002 war ich also zuhause im Dorf. Wir hatten – wie die Nachbarn auch – unsere Autos aus dem Hof hinauf auf die drei oder vier Meter höhere Hauptstraße gestellt, uns aber nicht zur Evakuierung überwinden können (in der Schule/Turnhalle war ein Notquartier eingerichtet). So kurz nach dem Schulan­fang (am 3. August) fiel der Unterricht in beiden Schulen des Ortes aus. Für eine Weile war WIMRE auch die Stromversorgung unterbrochen; zwei Notstromaggregate sorgten dafür, daß die Pumpen weiterliefen. Am Ende mußte zwar Schlamm aus dem Keller geschafft werden, aber größere Schäden im und am Haus gab es nicht.

Das 2013 Hochwasser erlebte ich dann hierzustadt. Ich denke, die Zeit vor 23 Jahren war die letzte, die ich vor meinem (über neun Jahre dauernden) Verschwinden für meine Herkunftsfamilie mehrere Tage am Stück im Dorf war. Welche Geschichten sich unsere Kinder und Enkel wohl irgendwann um diese beiden Fluten erzählen werden …

Das, was Jahrhundertflut genannt wurde, wird wohl hierzulande in Zukunft eher alle zehn bis zwanzig Jahre auftreten: Wir haben das Klima mittlerweile gründlich genug versaut dafür.

 

Erinnerung des Tages:
Ich kramte heute (und gestern schon) meine Hochwassererinnerungen zusammen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 13. August 2025 war ich zufrieden mit sortierten und gelöschten Daten, mit Zitronen­sorbet am Nachmittag, mit Mettbrötchen am Abend.


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Über Der Emil

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