2025 – 161: Bitterkeit

Wir alle haben doch ein gutes Leben.

 

Bitterkeit und Bitternis. Zwei Worte, bei denen ich das Verschwinden aus dem allgemeinen Sprachgebrauch befürchte. Alles, was sie beinhalten, wird heutzutage wohl in „trouble” u. ä. Anglizismen gesteckt. Menschen verbittern noch – noch! Doch die Bitterkeit eines Scherzes, die Bitternis eines Geschehens: die werden kaum noch so benannt.

Bitternis ist der bittere Geschmack bzw. im übertragenen Sinne ein unangenehmes Leiden. Bitterkeit ist die Eigenschaft des bitteren Geschmacks und im übertragenen Sinne die Eigenschaft, verbittert zu sein. Bitternis in meinem Sprachgebrauch sagt über den Geschmack nur, daß er bitter ist; dabei kann die Bitterkeit des einen Geschmacks sich von der Bitterkeit eines anderen Gaschmacks unterscheiden.

Verbittert bin ich, wenn ich keine Freude mehr empfinden kann und mich nicht zu einem Verzeihen durchringen kann. Das aber ist mein Gefühl. Möglich, daß das niemand verstehen oder nachvollziehen oder akzeptieren kann. Doch das ist nicht ungewöhnlich, nicht war? Und ja, ich war lange Jahre verbittert, glaubte zumindest, verbittert zu sein. Vielleicht war das „nur” die Depression?

Hm. Worte, die Unangenehmes beschreiben. Gibt doch nichts Unangenehmes mehr in einem guten Leben. Und wir alle leben doch nur noch gute Leben? Also brauchen wir doch auch keine Worte mehr für etwas, das es nicht mehr gibt. Bitterkeit und Bitternis gehören zu diesen Wörtern, zu diesen Befindlichkeiten, Empfindungen, Gefühlen.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Zwei kaputte Hemden, für die ich mir am Wochenende Ersatz besorgte, sind im Alttextilien­container gelandet.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 10. Juni 2025 war ich zufrieden mit erledigter Nacharbeit, mit dem Hinnehmen der Mattigkeit, mit einer großen Portion Oliven (die ich bis vor etwa 10 Jahren überhaupt nicht aß).


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Über Der Emil

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3 Kommentare zu 2025 – 161: Bitterkeit

  1. Bittere Salate esse ich gern! Außer bei Bittermandeln behagt mir dieser Geschmack. – Zur Bitternis meines jetzigen Lebens gehört es, dass ich mich um eine unwillkommene Erbschaft mit allen Tücken kümmern muss in meinem Alter von 82 Jahren…

    • Der Emil sagt:

      Für das Kümmern schick ich Dir viel Kraft und wünsch Dir gutes Gelingen.

      Bitter mag ich auch, aber eher mäßig bitter beim Essen. Dieses Anti-Daumenlutschzeug für Kleinstkinder war mir aber viel zu bitter.

  2. Danke! Dir auch viel Kraft für die Beerdigung! Das habe ich am 16.03. 2025 bei meinem Mann erlebt, der mich am Ende auch nicht mehr erkannt hat (wie dein Vater dich).

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