2025 – 109: Merkzettel

Nie gefragt, und jetzt völlig unverständlich.

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Und dann fand ich in seinem alten Wohzimmerschrank mehrere Zigarrenkisten voller Zettel. Nicht Einkaufszettel, die nicht. Aber Merkzettel, diese handschriftlichen Versionen von (offiziellen) Merkblättern. Die, auf denen in Stichpunkten und Stichworten festgehalten wird, was nicht vergessen werden darf. Mein Vater hatte zu seinen Lebzeiten immer wieder Notizen gemacht, auf solchen Zetteln, eine halbe Postkarte groß. Ich hab mich verdammt oft gefragt, was er da aufschrieb. Und er tat das immer: als ich noch zur Schule ging, als ich bei der Armee war, während meines Studiums, und als ich dann wieder im Elternhaus wohnte und er schon Rentner war. Seine Marotte. Immer notierte er irgendetwas auf solche Merkzettel. Doch nie, wirklich nie wäre mir in den Sinn gekommen, nachzusehen oder zu fragen, an was er sich da unbedingt erinnern will.

Jetzt räume ich die Wohnung meiner Eltern aus. Mutter ist seit acht Jahren nicht mehr. Und jetzt ist Vater ihr hinterher, wie er ihr immer hinterher ist Zeit ihres Lebens. Da sind also all die Merkzettel, die er anfertigte. Das Datum kann ich lesen. Aber nicht das, was er da auf­schrieb. Vielleicht ist es nur eine Art Tagebuch? Ich weiß es nicht. Was ich auch nicht wußte: Daß er Gabelsberger beherrschte, also Stenografie. Als Busfahrer, und das war er, solange ich ihn kenne, bis zur Rente, hat er das ja nie gebraucht. Warum also?

Wahrscheinlich liegen all seine Geheimnisse vor mir – und ich kann sie nicht lesen. Ich hätte fragen sollen.

 

 

Erinnerung des Tages:
Heute traf ich mehrere Leute, die mich seit Jahren immer wieder besuchen. Da waren viele „weißt du noch” …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 19. April 2025 war ich zufrieden mit dem trockenen Wetter, mit vielen lächelnden Menschen, mit extrem leckerem Knobibrot.


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Über Der Emil

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