Wie beeindruckend mußten die sein.
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Viel redet er nicht mehr, der Mann aus Zimmer 107. Als er vor drei Jahren auf Station kam, erzählte er noch von Fräsen und Hobeln und Sägen, von verschiedenem Holz. Das wurde mit der Zeit seltener, immer weniger. Vor ein paar Monaten hörte er auf mitzusingen an den Nachmittagen im Gemeinschaftsraum, irgendwann in der Adventszeit. Jetzt schweigt er zumeist. Nur Schimpfworte kann er noch laut aussprechen – aber weiß er, was er da sagt?
Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich stellte sechs Wein- und sechs Saftgläser „Zu Verschenken.” ins Haus in zwei kleinen Pappschachteln, die waren bei der Heimkehr weg.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Zufrieden war ich am 30. Mai 2024 mit dem Ausladen der nicht benötigten Sachen, mit dem eingeladenen Kram, mit einigen beschriebenen Seiten.
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(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Dein Text macht sehr nachdenklich, lieber Emil!
Meinem Vater geht es ähnlich, aber er ist hier nicht dargestellt/gemeint. Ich kenne das Phänomen aus anderen Erfahrungen.
Es ist sehr bedrückend, was du da beschreibst. Wieviele gelebte Leben, unterschiedlichste Biografien, verschwinden im Nichts. Was endet zuerst? Das Erzählen oder das Zuhören? Solche Gedanken bewegen sich gerade sehr intensiv in meinem Kopf. In der übernächsten Woche besuche ich eine Nachbarin, jünger als ich, die im letzten Jahr aufgrund körperlicher Probleme (sie stürzte oft und schlug sich einmal den Kopf schlimm am Badewannenrand an) in einem Pflegeheim untergebracht werden musste. Was sie mir von dort berichtet, wenn mir mal telefonieren, was allerdings durch die Folgen eines Schlaganfalls etwas schwierig ist, schockiert mich immer wieder. Ich glaube, dass in vielen dieser Einrichtungen vergessen wird, dass die Menschen alle eine Geschichte haben, einmal jung waren, verliebt, Liebeskummer und andere Tragödien Teil ihres Lebens waren. Dass Träume sich erfüllten oder Hoffnungen vergebens waren, dass Schuld sie belastet. Diese Menschen sehnen sich vielleicht nach einer liebevollen Berührung, einem offenen Ohr, wirklichem Interesse an ihrer Persönlichkeit. Und wenn nichts davon mehr kommt, was bleibt dann noch? Möglicherweise nur noch Schimpfworte.
Ich werde an einem der beiden nächsten Wochenenden zum Vater fahren …
Sein Verblassen gibt mir zu denken, sehr zu denken.
Kennst du das Buch von Arno Geiger „Der alte König in seinem Exil“? https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/arno-geiger-der-alte-koenig-in-seinem-exil-9783446236349-t-1051#
Ja, kenne ich, lese ich grad (immernoch) …
…und nicht nur in den Pflegeheimen, nein, auch in Krankenhäusern und Reha-Kliniken fehlt die menschliche Komponente. Gerade traumatisch erlebt.
Oh je, was erwartet uns noch die nächsten jahre?
Ich wünsche allen einen gesegneten Tag, eine gesegnete Zeit.