Eiszapfen.
To get a Google translation use this link.
Das ist der 14. Adventskalender hier. Ich widme ihn allen, die krank sind oder Unterstützung benötigen, und allen, die einsam oder allein sind. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen wieder für Menschen und Tiere, die Hoffnung und Trost brauchen.
Da hängen sie. Oben, an den Dachrinnen zum Beispiel. Kleine, große und monströse Eiszapfen. Stalagtiten aus gefrorenem Wasser. Ganze Vorhänge aus Eis. Auch anderswo bilden sie sich, an Autos zum Beispiel und an den Wäschestangen auf dem Hof. Sind Eiszapfen nicht sensationell aussehende Gebilde des Winters? Wie sie glitzern, wenn Lichtstrahlen sie treffen. Und erst die in der Sonne an ihnen herabrinnenden Tropfen …
Manchmal sah ich sogar schon Eiszapfen in Bärten, im eigenen zum Beispiel – aber das nur, wenn es wirklich extrem kalt war.
Als Kinder versuchten wir immer wieder, die Eiszapfen mit Schneebällen abzuschießen. Oder mit Stöcken herunterzustochern. Uns war es egal, ob da gerade jemand entlangging. Was waren wir sorglos, wie oft hätte es doch Passanten treffen können!
Eiszapfen. Heute werden sie als gefährlich, als für die öffentliche Sicherheit unzumutbar angesehen. So werden Fußwege gesperrt, weil über ihnen die kalten Wunderwerke hängen. Welch ein Zinnober wird heute deswegen veranstaltet!
Ich erinnere mich auch daran, daß wir unter ihnen standen und die von ihnen herabfallenden Tropfen mit dem Mund aufzufangen versuchten. Und wir sprangen von Tropfstelle zu Tropfstelle, das halbe Dorf entlang. Und wenn wir groß genug waren, um sie mit unseren Händen zu erreichen, dann brachen wir uns einen Eiszapfen ab und hatten das Leckerste in der Hand, das wir im Winter lutschen konnten. Erinnert ihr euch noch an diesen besonderen Geschmack? (Ja, damals wurde noch mit Holz und Brikett geheizt, dennoch schmeckte Eiszapfen einfach nur gut.)
Als vor Tagen die Welt auch hier noch schneebedeckt war, gab es natürlich Eiszapfen. Ich habe mich an ihrem Anblick erfreut und nicht einen davon fotografiert. Aber auch keinen abgebrochen und gelutscht. Wenn ich wieder welche sehe und auch an sie heranreichen kann, dann, das verspreche ich euch und mir, dann werde ich das nachholen. Und dann steh ich irgendwo versonnen am Straßenrand und lutsche mit geschlossenen Augen genüßlich an dem Ding.
Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Adventszeit.
Am 13. Dezember 2023 war ich zufrieden mit dem langen luziden Träumen am Vormittag, mit dem für Freitag ausgemachten Termin, mit wundervollen Landschaftsbildern aus den Alpen (huch, da hatte ich die drei guten Dinge des Vortages mal wieder vergessen).
© 2023 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Was war das Leben früher einfach und schön.
Wir waren unbekümmerter und es gab weniger Regeln und Gesetze.
Natürlich kann es sein, daß mich meine Erinnerung trügt …
(Wir Pioniere kanen ja mit unseren zehn Geboten aus.)
Ein wunderbarer Rückblick in die (unbeschwerte) Kindheit, als Eiszapfen noch nicht gefährlich für die öffentliche Sicherheit und für uns Kinder eine „Delikatesse“ waren. Damals wurden auch noch keine Fußwege gesperrt, erst recht keine ganze Autobahn, wie neulich im Bergischen geschehen, weil von einer Brücke ein paar Eiszapfen hingen. In solchen Erinnerungen schwelgen ist schön, besonders in Zeiten wie diesen.
Bin zufällig auf Deinem Blog gelandet und bleibe hier, weil hier so vieles steht, was mir aus der Seele spricht. Danke dafür und noch eine schöne Vorweihnachtszeit.
Vielen Dank.
Kann es sein, daß damals noch mehr von dem vorhanden war, was heute als „Eigenverantwortung“ immer da gefordert wird, wo systemisches Versagen vorliegt?
Ja, ich denke, da ist was dran. Ich habe das Gefühl, das systemische Versagen wird immer größer, die Eigenverantwortung aber auch immer mehr reguliert.