Keine Gedichtinterpretation. Wirklich nicht.
To get a Google translation use this link.
Machmal, wirklich, manchmal mochte ich diese Aufgabe aus dem Literaturunterricht: Gedichtinterpretation. Natürlich lag ich da auch „daneben”, weil ich eben nicht den festen Klassenstandpunkt im Fokus hatte, sondern die Wirkung der Worte auf mich, die von ihnen in mir hervorgerufenenen Assoziationen und Gefühle. Aber keine Sorge: Heute interpretiere ich nicht.
Alt sein ist anders
als älter werden
Wo soll das Herz denn hin
mit der Asche
aus soviel erloschenen Herden
Nehmt mir die Sterne
erst aus der Tasche
wenn ich gestorben bin
Gisela Steineckert: Nun leb mit mir. Weibergedichte. S. 70
© Verlag Neues Leben, Berlin 1976. ISBN 3-355-00269-0
6. Aufl. 1987 · Lizenz Nr. 303 (305/228/87) · Bestellnr. 642 293 8
Sie lebt noch immer, Gisela Steineckert, von der ich annehme, daß ihre Texte weitaus bekannter sind als unsereins oft annimmt. Denn sie schrieb (und schreibt noch immer?) Texte für bekannte Lieder bekannter Interpret:inn:en – nur werden die Namen der Texter:inn:en zu selten genannt …
Und ich sitze jetzt hier und überlege: Was hätte ich als Pubertierender oder als sehr junger Erwachsener geschafft hineinzuinterpretieren in die acht Zeilen, was hätte ich herausspüren können – sagen wir mal mit 17?
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 19. Juni 2023 war ich zufrieden mit erledigter Arbeit im Haushalt, mit dem im Gefrierfach gefundenen Moskauer Eis, mit dem selbstgemachten Eistee.
© 2023 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Texte interpretieren mochte ich eigentlich immer. Egal ob Gedichte oder Romame. Hab ich sogar freiwillig und zusätzlich gemacht in der Fachhochschule in Deutsch. Irgendwo musste ich ja him mit meinen Gedanken und Gefühlen. (Nein, ich war nie in einen Deutschlehrer verguckt, in keinen.)
Den feinen Unterschied zwischen Sein und Werden – spüren wir ihn nicht täglich? Egal ob es um alt & älter geht oder um anderes. Die Gefahr ohne Sterne in der Tasche zu stagnieren lauert überall.
Bei mir kam es sehr, sehr auf die Texte an. Es war aber nicht so, daß ich alle „DDR“- oder „Sozialismus“-Texte ablehnte, nein, nur die zu plakativen, zu dogmatischen.
Ah ja, bei dir gibt es noch diesen speziellen Bereich … Ich glaube, bis zu meinem 24 Lebensjahr (Wende) habe ich keinen Text aus der DDR gelesen – jedenfalls nicht bewusst. (Schlimm irgendwie, wie weit weg das alles damals für mich war.)