Lyrikbimmel 03 weckt Sehnsucht.
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Am Nachmittag fuhr ich einmal mehr ins Radio, um eine Sendung fertigzumachen. Und ich erwischte einmal mehr eine Lyrikbimmel: Die zum ersten Mal am 8. März 2011 von mir erwähnte Aktion läuft noch immer. In einigen der Hallischen Funkenkutschen (das hiesige Wort für Straßenbahn) fahren tagtäglich Gedichte durch die Stadt. Zumeist sind es moderne, von Schriftstellern der Gegenwart. Aber es gibt auch Ausnahmen:
Was frag ich ohne Unterlaß
Nach dem Geschwätz der Welt?
Es gibt mir ja doch Keiner was,
Als für mein bares Geld.
Mich krittelt Herr, mich krittelt Knecht,
Dem mach' ich's hier, dem da nicht recht;
Drum ist und bleibt das Beste das:
Ich tu', wie mir's gefällt.
Gottfried August Bürger (∗ 1747 – † 1794)
Diesmal hab ich es nicht fotografiert, sondern abgeschrieben. Die Bahn war nämlich ziemlich voll. Und im Radio und auf dem Heimweg dacht' ich so bei mir: Einmal vollständig so frei sein, wie es in diesem Gedicht beschrieben wird! (Ach ja: Dazu habe ich zu viele Verpflichtungen, die ich doch freiwillig eingegangen bin, die ich mich einfach nicht traue abzugeben. Dazu bin ich auch von diesem und jenem zu abhängig, wenn ich nicht auf die eine oder andere Annehmlichkeit verzichten mag.)
Jaja, Freiheit ist schon ein sehr kompliziertes, angenehmes, unangenehmes, schlichtes Ding, auch an einem Freitag.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 10. März 2023 war ich zufrieden mit dem Mittagsschlaf, der fertigen Sendung, dem ausgelesenen Buch (Lilian Faschinger: Magdalena Sünderin, ISBN 978-3462024432 – gemein und humorvoll).
© 2023 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


@DerEmil Danke für die Buchempfehlung:Lilian Faschinger: Magdalena Sünderin
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Das Bürger-Gedicht gefällt mir sehr, macht mich aber auch sehr nachdenklich. Ändert sich das nie mit der Krittelei? Erfinden wir immer Neues um kritteln zu können? Entziehen kann man sich nicht, aber „tun, was einem gefällt“ trotzdem.
Liebe Grüße von nebenan.
Es gab sicher Zeiten, in denen Menschen viel weniger aneinander herumkrittelten, ganz sicher.
Heutzutage aber ist, wer nicht krittelt, jemand, der nicht (mehr) ernstgenommen werden kann. Oder irre ich mich da?
Ja, manche denken und plappern sicher so. Aber weißt du was? Ich halte es da mit Helge Schneider: “ Das ist mir scheißegal.“
(Der Aufenthalt in einem anderen Land hat mir sehr gut getan.)
Ich versuche, mich an die Worte zu halten, die Friedrich August III. zugeschrieben werden:
„Macht eiern Dreck alleene!“