#Advent 2022 (346): Das 12. Türchen


Die kindliche Ernsthaftigkeit im Advent erleben.

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Strichzeichnung eines Nadelbaumes an einem Hang, Hörnerschlitten davor 
Das ist mein 13. Adventskalender. Ich widme ihn allen, die kämpfen, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wunder­volle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen insbesondere für Menschen und Tiere, die Hoffnung und Trost brauchen.

 

 

Stellt euch vor, ihr könntet zeichnen und malen. Ich kann das üblicher­weise nicht, aber ihr, ihr könnt es. Vielleicht könnt ihr es sogar gut, sehr gut oder gar meisterhaft. Und stellt euch vor, ihr hättet Enkelkinder, die gerade die dritte oder vierte Klasse besuchen. Eines dieser Kinder, stellt es euch bitte vor, ist an einem Adventswochenende bei euch zu Besuch. Es hat seine Buntstifte mitgebracht, weil es bei euch die Weihnachts­karte für seine Eltern malen will. Mit einem Tannenbaum, einem Vogelfutterhäuschen und ganz viel Schnee. In einem der Bücher, die das Enkelkind bei euch in der Weihnachtszeit zu lesen versucht, ist nämlich ein Bild zu finden, das ganz ähnlich aussieht. Das Kind bekommt im Zeichenunterricht immer nur Einsen und Zweien, ist – wie man so sagt – sehr begabt, also wirklich zeichnerisch begabt.

Am Nachmittag sitzt dieses Enkelkind am Tisch und ist ganz in seine Beschäftigung versunken. Es malt die Weihnachtskarte, so gut ein sehr begabtes Kind eben malen kann. Ganz ernst­haft, ganz versunken in seine Idee wählt es aus, mit welchen Farben es die Karottennase des Schneemanns malt. Auch für die Stange und das ganze Futterhäuschen werden mehrere Farben verwendet: Da sind hell- und dunkelbraun, schwarz und gelb und orange und grau notwendig. Schließlich ist auch der Tannenbaum auf der Weihnachtskarte zu sehen. Draußen vorm Fenster geht gerade die Sonne unter über der tiefverschneiten Landschaft. Da fragt euch, die ihr zeichnen und malen könnt, das Enkelkind, mit welchem Buntstift es den Schnee malen soll? Ein weißer Buntstift ist nicht dabei bei denen, die das Kind mitgebracht hat. Und ihr: Ihr seht vorm Fenster den Schnee im Licht der untergehenden Sonne. Ist der golden, sonnengelb und/​oder orange? Oder lichtblau, ganz eisblau sogar schim­mernd dort, wo Schatten sind? Ist Schnee denn wirklich weiß? Und wie soll das Glitzern und Funkeln eingefangen werden auf der Weihnachtskarte, die das Kind malt? Erinnert euch daran: Ihr könnt zeichnen und malen. Wie könntet ihr dem Enkelkind helfen?

Ich habe, weil ich üblicherweise nicht malen oder zeichnen kann, zu einem Trick gegriffen. Ich holte aus dem Schrank den Schuhkarton mit den Fotos, die noch von meiner Großmutter stammen. Schwarz-Weiß-Aufnahmen, oft im winzigem Format von 6 cm x 4,5 cm. Bilder von wunderbaren Schnee­land­schaf­ten. Die sehe ich mir mit dem Enkelkind an. Und es dauert nicht sehr lange, bis ein Bleistift hauchzart über das Papier wischt und ein hellblauer Stift auch und ein blaßgelber und ein grauer. Nach nur wenigen Minuten ist die Weihnachtskarte fertig und ich gestehe, sie gefällt mir ausnehmend gut. Ja, dieses Kind ist zeichnerisch sehr begabt. Ich darf Ein Foto vom Bild machen, es soll nur kein schwarzweißes sein. Das Kind räumt seine Malsachen weg, währenddessen stelle ich den Advents­kranz wieder auf den Tisch. Die Dose mit den Keksen darf auch nicht fehlen. Ich zünde die Kerzen an. Und dann sitzen mein Enkelkind und ich am Tisch, essen Kekse und machen einen Plan für morgen. Wir werden ins Museum gehen und wenn danach noch Zeit ist, werden wir Winterbilder malen. Eins mein Enkel, eines ich.

 

 

Da ich und der ganze Text oben frei fabuliert sind, kann ich euch die gemalte Weih­nachtskarte nicht zeigen, auch nicht das Foto davon. Aber ihr, ihr könnt sie euch doch sicher genauso vorstellen wie die beschriebene Szenerie?

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Adventszeit.

Der Emil

 

 
Wer eine Gelegenheit sucht, zur Weihnachtszeit anderen zu helfen, der kann das im Dezember täglich ab 21 Uhr des Vorabends bei der Versteigerung von #hand2hand22 tun. Die Aktion ist eine gute Idee von Meg, ihr und allen Mitwirkenden danke ich dafür von ganzem Herzen.

 

P.S.: Gut fand ich am 11.12.2022, also am Dritten Advent, den geschriebenen Brief, die Muße zum Denken, die erneuerten Kerzen auf dem Adventsleuchter.
 
Die Tageskarte für heute ist die Zwei der Stäbe.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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4 Kommentare zu #Advent 2022 (346): Das 12. Türchen

  1. irgendlink sagt:

    Das ist so rührend. Und ja, ich kann sie mir sehr gut vorstellen, die Karte. Musste gerade an meinen Vater denken. Als Erwachsenen-Vater erinnere ich mich, wie sehr er sich gegen Kunst und alles was mit Malen und Zeichnen zu tun hat gewehrt hat, es abtat als Spinnerei. Aber da ist eine uralte Erinnerung in der Kinderzeit als Kleinkind-Vater, ich war vielleicht vier Jahre alt, wie wir gemeinsam malten und zeichneten. Bzw. wie er vor meinen Augen Figuren malte. In der Erinnerung sind das wunderbare Kunstwerke.
    Verflixter Weise bin ich mir unsicher, ob das tatsächlich so war. Vielleicht bilde ich mir das nur ein?

    • Der Emil sagt:

      Nein nein, soetwas kann keine Einbildung sein …

      (Ich weiß nicht, ob dieses Wehren gegen, das Abwehren von Kunst etwas altersveränderliches ist …)

  2. C Stern sagt:

    Die Geschichte hätte genau so passiert sein können, wirkt sehr real!
    Auf jeden Fall total schön, wenn sich Erwachsene und Kinder auf diese Weise ans Zeichnen und Malen machen. Mancherorts wird es wohl noch so stattfinden …
    Schönen Abend, C Stern

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