Lesend kann ich in sie eintauchen, sehr tief eintauchen.
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Dieser Luxus: Einen Nachmittag bis auf eine kleine Unterbrechung in einem Buch verbringen. In einem Buch, das zur Wissenschaftlichen Phantastik gehört (heute heißt das Genre SciFi, aber ich mag die deutsche Bezeichnung wirklich lieber). Bei durchaus erträglichen 22 °C im Zimmer, im Luftzug des Ventilators, über einen Raumschiffabsturz lesen und über die Strategien und Taktiken, mit denen die Überlebenden des Unglücks auf diesem bewohnbaren Planeten im Dauerregen weiterzuleben versuchen. Dauerregen. Ungeliebt hierzulande, aber dringend notwendig für die Natur. Manchen Charakter im Buch mag ich, andere finde ich eher unangenehm.
Ihr fragt euch jetzt, wieso das Luxus ist, für mich? Ich muß doch nicht arbeiten, habe keine Familie zu versorgen und nix. Wieso ist da die Zeit zum Lesen Luxus? – Weil ich auch eine Familie (mich) und einen Haushalt (meinen) zu versorgen habe. Weil ich sogar zum Lesen ein gewisses Energieniveau haben muß, um es so lange tun zu können, um die „Untätigkeit” aushalten zu können. Natürlich hätte ich versuchen können, etwas anderes zu tun. Aber ich weiß, daß ich heute, in der Zeit, in der ich im Buch verschwunden war, nichts anderes hätte zuwegebringen können.
Früher fiel mir das Lesen leichter, es lenkte mich zuverlässiger von meinem Leben und den ungeliebten Notwendigkeiten ab. Daß es heute anders ist: Ist das eher gut oder eher schlecht? Vor allem: Die drei großen Krisen dieser Zeit jetzt sind nichts, das ich einfach so ausblenden kann. Da muß ich schon sehr entspannt sein und vom Buch sehr gefesselt.
Das Buch? Karsten Kruschel: VILM. Der Regenplanet. © 2009 Wurdack Verlag, Nittendorf. ISBN 978-3-938065-36-5
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Gut fand ich am 06.07.2022 das Lesen, die Fliewatüt-Umbeladung, die genossene (!) Langeweile.
Für morgen zog ich die Tageskarte Sieben der Kelche.
© 2022 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Diesen Wunsch, völlig in einem Buch verschwinden zu können, kann ich mir schon lange nicht mehr erfüllen können. Früher gab es in unserer Familie ein geflügeltes Wort, na ja, eher einen geflügelten Satz: „Vorsicht! Mama liest!“ Da konnte mich, außer es hätte einen Notfall gegeben, nichts stören. Zwar lese ich immer noch, ganze Serien sogar, aber ich verschwinde nicht mehr in den Büchern. Ich bin eine ungeduldige Leserin geworden, fliege oft über die Sätze und durch die Seiten. Am Schluss kann ich zwar den Inhalt wiedergeben, aber nach Namen, Orten oder anderen Einzelheiten darf man mich nicht fragen. Kann man richtiges Lesen wider lernen?
Was aber ist „richtiges” Lesen?
Vielleicht geht das nur mit den „richtigen” Büchern oder doch nur, wenn uns noch Lebenserfahrung fehlt, die wir durch Leseerfahrung vervollständigen oder ersetzen wollen?