Nº 165 (2022) – Asterixesk

Was einen sonderbare Ausrufe tätigen läßt:
Der ganz normale, menschliche Irrsinn.

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Vor etwas über drei Wochen erhielt ich eine schriftliche Vor Einladung zu einem Termin am 14.06.2022 – also heute – um zehn Uhr. Das behördenähnliche Kon­strukt „Jbefahl mir bat mich deutlich, zur genannten Zeit im Gebäude eines ehemaligen Amtes, also der jetzigen Agentur „A”, im Zimmer XYZ vorstellig zu werden. Als treuer „Kunde” von „J” machte ich mich heute rechtzeitig auf den Weg zu „A”, um ein Meldeversäumnis bei „J” zu vermeiden.

Solche Termine sind für mich wirklich Streß pur, negativer Streß pur. Auf dem Marktplatz wurde mir beim Versuch, in die nächste notwendige Funkenkutsche zu steigen, plötzlich übel. Ich setzte mich also hin, kramte das Nitranginspray heraus und benutzte es nach Vorschrift. Da es mir nach etwa 10 min noch nicht deutlich besser ging, nahm ich nochmal zwei Sprühstöße, wie vom Hausarzt empfohlen. Danach wurde es besser. Und schon nach etwa 40 Minuten konnte ich weiterfahren. Ja, ich kam daher erst 10.35 Uhr bei „A” an und zeigte meine Ein­la­dung vor. Der freundliche Sicherheitsdienst bedeutete mir zu warten und teilte mir dann mit, daß nur 15 Minuten Karenzzeit vorgesehen seien und der Termin sozusagen verfallen sei.

Ich wartete trotzdem insgesamt weitere 80 min zunächst in der Schlange vor, dann im Gebaude von „A”. Dann war ich dran. Ich reichte meine Einladung der freundlichen (Sie war wirklich freundlich!) Mitabeiterin am Empfang, die ob der angegebenen Zimmernummer XYZ stutzig wurde. Meine scherzhaft gemeinte Frage, ob da vielleicht nur ein Druckfehler vorliege, bejahte sie ernsthaft. Denn – und das durfte ich mir sogar selbst auf ihrem zu mir herumgedrehten Monitor ansehen – in der elektronischen Datenverwaltung stand als Ort meines Termins das Gebäude von „J” eingetragen. Meine Vorsprache am heutigen Tag bei„A” wurde dokumentiert. Somit gab es kein Meldeversäumnis! Nach einem kurzen Gespräch und einer freundlichen Verabschiedung ging ich dann. Vorm Gebäude von „A” rief ich laut: „Einmal den blauen Passierschein A38, bitte!”

Ich fuhr zum Dienstgebäude von „J”, wurde vom freundlichen Sicher­heits­dienst an der Eingangszone zu seinen Kollegen im richtigen Gebäude geschickt und von ihm dort auch angekündigt. Wieder zeigte ich meine verdruckfehlerte Ein­la­dung vor. Ach, es war nicht nur der angegebene Ort falsch, sondern auch die angegebene Uhrzeit! Richtig wäre 11 Uhr gewesen! Und das hätte ich sogar vom Markt aus noch rechtzeitig geschafft! Aber um 12.30 Uhr … Der auch hier sehr freundliche Sicherheitsdienst erkannte das Dilemma und rief die mich ein­ladende Mitarbeiterin von „J” an. Leider konnte ich nicht kein einziges Wort vom Gespräch verstehen, aber: Mir wurde vom freundlichen Sicherheitsdienst mitgeteilt, daß ich „weiß Knöppchen” nicht für meine Verspätung könne, ich daher auch keine negativen Konsequenzen (Meldeversäumnis, nicht wahr?) zu erwarten hätte und eine neue, korrektere (Wörtlich!) Einladung erhalten werde.

 

Wäre der Film „Asterix erobert Rom” nicht schon 1976 erschienen, so wäre ich der festen Überzeugung, daß das behördenähnliche Konstrukt „J” die Vorlage für das Haus, das verrückt macht, gewesen sein muß. Ob die Erinnerung daran der mit der Tageskarte vorhergesagte Impuls aus der Vergangenheit war?

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 14.06.2022 die überstandene hypertensive Krise (I), die vielen freundlichen Menschen (mit denen ich direkten Kontakt hatte, oder sah ich heute vielleicht auch nur einfach echt leidend aus?), das Verrauchen der Wut beim Niederschreiben des Vorganges.
 
Für morgen zog ich die Tageskarte XIX – Die Sonne.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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6 Kommentare zu Nº 165 (2022) – Asterixesk

  1. Elvira sagt:

    Ephraim Kishon „Der Blaumilchkanal“ passt auch gut in die Reihe.

  2. Helmut sagt:

    Gut, dass es verraucht ist!

    Gruß
    Helmut

  3. annette sagt:

    Kicher! Hab ja auch jahrelange J-Erfahrung… aber sowas war noch nicht dabei. Musste auch sofort an R. Mey denken! Ja, und dann an Asterix. Ärgerlich bloß, dass da so ein Stress-Tag völlig hin ist ohne was erreicht bzw erledigt zu haben.
    Kann man bloß mit Humor nehmen – und falls da doch noch eine Anhörung zur Sanktion kommt – schick Ihnen ganz entspannt den Link mit dem Blogbeitrag!
    Viele Grüßchen!

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