Eine Angewohnheit und eine Dystopie.
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Ich bin ja in manchen Dingen ein sehr pingeliger Zeitgenosse. Zum Beispiel achte ich darauf, ein Dokument (welcher Art auch immer) nicht zu verunstalten, wenn ich darin handschriftliche Ergänzungen vorzunehmen habe (aus welchem Grund auch immer): Die Größe meiner Schrift wird an die Größe des restlichen Textes angepaßt. Anders kann ich das nicht tun, es widerstrebt mir, in mir existiert da eine Blockade, größer zu schreiben ist unmöglich – außer ich bin sehr wütend.
Das brachte mir schon mit den Bahnfahrkarten, auf denen der Name der/des Reisenden einzutragen ist, einige Schmunzler der Schaffnerinnen ein. Und auch schonmal Beinahe–Ärger.
Ich habe es jetzt wieder getan: Mein handschriftlich eingefügter Name ist nicht größer als der andere Text, der auf dem 9–Euro–Ticket gedruckt ist. Also klein. Winzig sozusagen habe ich meinen Familiennamen und meinen Vornamen eingetragen in die sonderbar gemusterten Bereiche, in denen das erfolgen soll.
Was mich zudem verwundert: Auch das 9–Euro–Ticket ist nur gültig in Verbindung mit einem (amtlichen) Lichtbildausweis. Wieso thematisiert das keine der sonst so aktiven Datenschutzbehörden, –initiativen oder sonstigen Stellen oder Personen? Dem Bürger geht damit wieder ein Teil seiner ihm zu Recht zustehenden Anonymität verloren – und niemanden interessiert das? Wann wird es soweit sein, daß ohne das Vorlegen eines amtlichen Lichtbildausweises und/oder einer Kreditkarte keinerlei Dienstleistung und kein Einkauf mehr möglich ist?
Bin ich wirklich nur paranoid?
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Gut fand ich am 01.06.2022 den Beginn der Gültigkeit des 9–Euro–Tickets, die schnelle Abwicklung der Zensus2022-Befragung, mehrere fertige kleine Texte.
Für morgen zog ich die Tageskarte Bube der Kelche.
© 2022 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Das ist ein sehr wichtiger Punkt mit der fehlenden Anonymität! Früher beim Schönes-Wochenende-Ticket musste man auch seinen Namen eintragen, aber ich kann mich nicht erinnern, dass man jemals bei der Kontrolle den Ausweis vorlegen musste.
Na ja, in den Augen von Vater Staat sind wir wohl alle potenzielle Betrüger. Was die Schriftgröße betrifft, habe ich damit überhaupt kein Problem. Problematisch wäre es, sehr klein Schreiben zu müssen. Überhaupt fällt mir das Schreiben zunehmend schwerer.
Ich finde es nachvollziehbar, dass die Tickets personalisiert sind. Jedes Bahnticket ist das. Da gibt es kein Recht auf Anonymität und ich sehe da datenschutzrechtlich ehrlich gesagt auch kein Problem. Die Daten werden ja nicht gespeichert. Es geht lediglich darum, dass nicht mehrere Personen ein Ticket benutzen.
Keineswegs sind normale Bahnfahrkarten (oder andere normale Fahrkarten im ÖPNV) personalisiert. Wirklich nicht. Parkscheine sind das auch nicht …
Also ich bin gerade mit dem ICE nach Stuttgart und zurück gefahren. Mein Ticket war sehr wohl personalisiert. Okay, vielleicht, weil ich es online gebucht hatte. Ich habe ewig nix am Automaten gezogen. Aber Monatskarten sind hier auch personalisiert. Einzelfahrscheine nicht. Ich habe damit auch kein Problem. Was soll denn daran datenschutzrechtlich bedenklich sein? Vor allem, wenn man seinen Namen selber drauf schreibt und er in keiner Datenbank hinterlegt ist.
Am Schalter oder Automaten gekaufte Bahnfahrkarten und die Monatsfahrkarten des ÖPNV sind nicht personalisiert und werden von der HAVAG sogar als „übertragbar“ beworben.