2020-237 — Aus der Hand genommen

Knapp zweihundertzwanzig Jahre alt.

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Das Leben ist uns doch aus der Hand genommen; es wird für uns gelebt, ein Teil von uns lebt es stellvertretend für den größeren andern mit, der im Halbschlaf gehalten wird und sich in den kurzen Augenblicken, da er hell wach wird, in Sehnsucht verzehrt.

Karoline von Günderrode

 

 

(Und wieder bemerke ich, wie unbedarft ich doch um 1982 herum las und Zitate notierte. Keine exakte Quellenangabe!)
 
Aber: Wenn ich mich recht erinnere, dann stammt dieser Satz aus einem Brief der Günder­rode an ihre Freundin Bettina von Arnim (und nicht aus deren Briefroman). In dem beklagte Karoline sich über das Leben als Frau um 1804 herum, vor über zweihundert Jahren. Und die Günderrode, Karoline Friederike Louise Maximiliane von Günderrode litt an ihrem Leben so sehr, daß sie es 1806 selbst beendete – nicht nur wegen ihres Liebes­kummers, sondern auch (vielleicht sogar überwiegend) weil sie einen unlösbaren Wider­spruch erlebte zwischen ihrem Freiheitsdrang und der damals “normalen” Frauenrolle in der Gesellschaft. Ich habe seit einiger Zeit allerdings ein sonderbares Gefühl, wenn ich diesen einen Satz lese: Heute betrifft das von ihr beklagte Phänomen des “Gelebt-Werdens” nicht mehr nur die Frauen. Und viele Menschen bemerken es nicht mehr, ignorieren es oder haben sich darinnen bequem eingerichtet …

Vielleicht irre ich mich aber auch nur, entweder bezüglich der exakten Quelle oder/und bezüglich meiner Gedanken und Beobachtungen.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Positiv waren am 24.08.2020 der Besuch im Hort, später Mittagsschlaf, einige geschriebene und umgeschriebene Sätze.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Königin der Kelche.

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Über Der Emil

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9 Kommentare zu 2020-237 — Aus der Hand genommen

  1. Nati sagt:

    Nein, deine Gedanken und Beobachtungen irren sich nicht.
    Wir leben mit so vielen Vorgaben und machen uns keinerlei Gedanken darüber.
    Erschreckend und traurig, wenn man darüber nachdenkt.

  2. Sofasophia sagt:

    Verallgemeinern mag ich nicht, ich teile aber deine Gedanken, und die zitierten …

  3. Gudrun sagt:

    Bist du jetzt öfter im Hort zu finden? Der Satz hat mich aufhorchen lassen.

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