2020-224 — Sprechen

Kann es zu spät sein für ein Gespräch?

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Irgendwann wird es Zeit, über das Sterben und das Danach zu sprechen. Irgendwann. Irgendwann liegt irgendwann in der fernen Zukunft. Fast das ganze Leben lang. Ganz plötzlich ist dann das irgendwann genau jetzt. Und nun? Wie fragen wir unsere Vorfahren – unsere Eltern zum Beispiel – und unsere Freunde danach? Wonach fragen wir überhaupt, worüber sprechen wir und worüber sprechen sie? Was ist, wenn sie nichts sagen wollen oder nichts mehr sagen können? Und für ein Schweigen gibt es viele Gründe … Was, wenn sogar die Gelegenheiten zu einem solchen Gespräch fehlen … Der Mut fehlt oft. Da ist diese irrationale Hoffnung von der Unsterblichkeit der Mütter und Väter, die ganz plötzlich erschüttert wird: durch einen Unfall, eine Erkrankung oder einfach durch völlig normale Alterserscheinungen. Ja, ganz plötzlich ist das jetzt, und die Zeit, die noch bleibt für ein Gespräch oder gar mehrere Gespräche verrinnt wie Sand zwischen den Fingern. Und dann ist da ja ziemlich sicher auch Angst, Todesangst …
 
Wie wird das sein, wenn ich versuche, mit meinen Nachfahren über mein Ende und das Danach zu sprechen?

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Positiv waren am 10.08.2020 eine endlich erledigte Sache im Haushalt, Zeit draußen in der Stadt, aufgeschriebene Erinnerungen.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Acht der Münzen.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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6 Kommentare zu 2020-224 — Sprechen

  1. Gudrun sagt:

    Ich habe mit meinen Nachfahren darüber gesprochen. Meine Eltern sind schon sehr lange tot. Und da stellte sich heraus, dass ein Kind ganz genau so denkt. Man kennt die Stunde nicht und auch nicht die Reihenfolgen. Ich weiß es nicht, aber was, wenn ich gar nicht die Erste bin, die es betrifft? Wir haben darüber gesprochen, wie die Entscheidungen aussehen sollen, die eventuell getroffen werden müssen und auch was danach passieren sollte. Das alles hat mir viel Ruhe gebracht.

  2. Myriade sagt:

    Das sind sehr harte Gespräche ….

  3. Emil, ich hatte nur 2 Gespräche mit meiner Tante über ihre Eltern, eigentlich viel zu wenige.

  4. Der Tod gehört zum Leben und ich weiß, dass wir ihn sehr oft verdrängen.

    Erst heute war ich sehr erschüttert, dass eine Patientin verstorben ist, von der ich von mir aus gesagt hätte, dass sie noch Zeit hat. Hatte sie aber nicht.

    Ich denke, wenn man multimorbide ist, dann ist es auch eine Erlösung. Unfall oder jede Form gewaltsamen entrissen werden vom Leben ist so unvorbereitet.

    Ich persönlich kann mir gar nicht vorstellen, dass es mich plötzlich nicht mehr geben soll. Aber weil ich weiß, dass der Tag X irgendwann sein wird, versuche ich hiernach zu leben:

    Ich ging in die Wälder, denn ich wollte wohl überlegt leben; intensiv leben wollte ich. Das Mark des Lebens in mich aufsaugen, um alles auszurotten was nicht Leben war. Damit ich nicht in der Todesstunde inne würde, daß ich gar nicht gelebt hatte.
    Henry David Thoreau

    Natürlich war er der Mensch überdrüssig, die egoistisch ihren Mitmenschen, der Umwelt und der Allgemeinheit gegenüber war. Und er zog allein in den Wald, weil er Menschen hasste. Aber in der Stille fand er heraus, dass es ein paar wenige Menschen gab, die doch wichtig waren.

    Ich möchte das Mark des Lebens in mich aufsaugen. Ich möchte nicht nicht gelebt haben und vor allem möchte ich nicht nicht geliebt haben! Und wenn ich an Netty denke, dann ist sie mir ein großartiges Beispiel. Sie tut all die Dinge, solange sie noch kann. Und deshalb, weil ich noch eine Menge Zeit habe, möchte ich diese lebendigen Geschenke an diese speziellen Menschen weiter geben.

    Ein schöner Text. Schwermütig, aber schön. Und ich wünsche mir, dass es Dir gut geht. Noch sehr lange gut geht.

  5. kat. sagt:

    Ich habe letzte Woche meine Mutter besuxht. Sie lebt weit entfernt. Und sie sprach von dingen die sie anders hätte machen mussen, aber damals nicht gewusst hat. Ja und dann gab es auf beiden Seiten ganz viel verstehen und Frieden. Und ich bin sehr dankbar dafür, es war einfach der perfekte Moment.

  6. Elvira sagt:

    Wir führen nie alle Gespräche, die wir führen sollten. Selbst wenn es nie an Gelegenheit oder Mut gefehlt hätte, so stellen sich viele Fragen oft erst, wenn es keine Möglichkeit mehr auf Antworten gibt.

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