2020-120 — Nachtnotat

Aus einer Zeit dazwischen, aus müdem Dahindämmern.

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Ein typisches Nachtnotat aus der Zeit des Dahindämmerns, des Gleitens in die ersten Träume. Zeilenrichtig, unbearbeitet, unverarbeitet. (Manchmal ist das Gekritzelte kaum lesbar, heute aber sehr deutlich. Wie oft habe ich wohl zum Stift gegriffen?)

 

 

Ist ein erfolgreiches Leben
wirklich wichtiger
als ein erfülltes Leben?
Und ist Erfolg immer
monetär meßbar
oder durch (überflüssige) Vergleiche?
Das wurde mir erst nach der DDR
aufgezwungen: die Pflicht
zum ständigen Vergleich.

 

 

Ich war nicht mehr wirklich wach, als ich das aufschrieb, und ich schlief noch nicht komplett. Ist der Mensch in diesem Zustand besonders wahrhaftig? Oder – weil schon halb im Traum – besonders phantasmagorisch? Was weiß ich schon davon. Verwunderlich jedenfalls, daß ich in lateinischen Buchstaben notierte (tagsüber muß ich mich mühen, nicht in der mir wesentlich geläufigeren Kurrent zu schreiben, im Halbtraum wohl nicht). Was will ich mir mit diesen Worten sagen? Hm. Jedenfalls zeigt es, daß ich mich mit der Vergleicherei beschäftige. Mit dieser ständigen, nicht notwendigen Vergleicherei. Da ist auch mein Unverständnis über die unbedingte Umwandlung in Geld: Alles muß zu Geld werden, gemacht werden, am besten ohne viel Einsatz. Und warum Zinserträge in unvorstellbarer Höhe (ja, ich zähle der Einfachheit halber jetzt auch Dividenden und Kursgewinne dazu – und all das wird fast ausschließlich durch Algorithmen generiert) steuerlich bessergestellt sind als herkömmliche Arbeit … Jedenfalls: Das Aufgeschriebene ist nur ein Sammelsurium dessen, was mein Hirn in Ruhephasen noch bearbeiten kann.

Ja, ich habe dann auch entsprechend geträumt. Ich war Erpresser und Verkäufer einer Erfindung.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Positiv waren am 29.04.2020 eingehaltene Zeitvorgaben, Fischstäbchen, konsequentes (Ha! Ich kann's ja doch? Obwohl: Es ist konfus.) Weiterschreiben.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Acht der Kelche.

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Über Der Emil

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10 Kommentare zu 2020-120 — Nachtnotat

  1. Elvira sagt:

    Als ich mit der Quilterei begann, meinten Verwandte und Freunde, ich solle doch einen Shop eröffnen und meine Produkte zum Kauf anbieten. Dieser Gedanke wäre mir nie gekommen und ich habe nicht einen Moment damit gespielt. Denn für mich waren das keine Produkte. Es waren Kunstwerke. Vielleicht nicht für anderer Menschen Augen, aber für mich. Jedes Teil, egal ob kleiner Topflappen, Wandquilt oder riesige Decke, jedes war ein Unikat. Nun, ich weiß, dass du einen anderen Gedanken hattest, als du vom Geld machen geschrieben hast. Aber er lässt sich gut bis hierhin verfolgen.
    Liebe Grüße,
    Elvira

  2. Was ich ganz besonders interessant finde, an diesen Aufzeichnungen, ist die Feststellung, dass Du das mit dem Vergleichen erst nach dem Ende der DDR „gelernt“ hast. War das wirklich so, dass du relativ vergleichsfrei gelebt hast vorher? Und was denkst du, ist der Grund für die Veränderung? Hängt das „nur“ vom „Kapitalismus“ ab, oder hat andere/weitere Gründe gegeben?

    • Der Emil sagt:

      Ich bin ja nicht repräsentativ für die DDR, aber da war im Dorf und auf Arbeit und im Studium und und und gegenseitige Unterstützung und das Miteinander wichtiger als „meins ist mehr als Deins“ in allen seinen Abwandlungen. Die erlebten Unterschiede waren da, aber klein genug. Und mit dem Anschluß kam „wenn Du nicht besser bist als … dann …“

  3. frauholle52 sagt:

    Woher kommt die Pflicht zum Vergleich?

    • Der Emil sagt:

      Woher weiß ich nicht wirklich – ich fühl(t)e das aber erst nach dem Anschluß …

      • frauholle52 sagt:

        Das ist für mich als „Wessi“interessant. Woher das wohl kommt? Ich kenne das Vergleichen auch. Meine Eltern erwarteten, dass ich besser sein sollte als andere. Zumindest nicht schlechter. Es ging (geht) um den Status. Leider bin ich familiär aus der Art geschlagen und mache mir nichts aus Statussymbolen. Darum werde ich von meinen Leuten auch nicht ernst genommen. Inzwischen habe ich erkannt, dass die aber auch nicht glücklicher sind als ich. Im Gegenteil, ich bin mit wenig zufrieden und erlebe genau so viel, wie die, die immer größere und aufregendere Reisen (oder Dinge) brauchen, um sich „gut“ zu fühlen. Mein Erleben ist nur anders und in diesen schwierigen Zeiten profitiere ich davon sehr. Liebe Grüße! Regine

  4. Gudrun sagt:

    Ach Emil, was war damals anders? Und warum schreiben wir nicht mehr darüber?
    Ich konnte in aller Ruhe meine Kinder bekommen, war finanziell abgesichert, hatte nie Angst meine Miete oder den Strom nicht bezahlen zu können, auch wenn ich alleinstehend gewesen wäre. Das Beste aber war, dass ich nach der Babyzeit zurück konnte in meinen Beruf, an meinen Arbeitsplatz. Ich konnte dort weitermachen, wo ich aufgehört hatte und musste nicht irgend etwas tun nach dem Motto „Hauptsache Arbeit“.
    Meine Töchter stehen da unglaublich unter Druck und eine hat sich gegen Kinder entschieden. Ich kann es ihr nicht verdenken.
    Aber warum vergleichst du dich? Weil die Anerkennung fehlt, die nur über Geld zu bekommen ist? Ich finde, du machst deinen „Kramladen“ gut, die Sache mit dem Radio, die Hilfe für die, die welche brauchen, deine Einsätze im Verrein und auf der Burg, dein Schreiben.

    • Der Emil sagt:

      Genau das und vieles Andere war damals anders. Und das Vergleichen war nicht so verbreitet, nicht so verpflichtend (i.ü.S.).

      Ich versuche, eben nicht zu vergleichen. Doch ich lege den Daumen immer wieder in diese Wunde und frage, warum es so wichtig sein soll, das Vergleichen …

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